Personen

Georg Christian Füchsel

(1722-1773)

Georg Christian Füchsel kam am 14. Februar 1722 in Ilmenau zur Welt. Sein Vater war bereits vor seiner Geburt gestorben. Die Mutter zog daher nach Rudolstadt und verheiratete sich neu. Bereits als Schüler zeigte der junge Füchsel Interesse für medizinische Sachverhalte. Neunzehnjährig ging er nach Jena, um Medizin zu studieren. 1744 wechselte er an die Leipziger Universität. Dort begann er auch, sich mit Theologie und vor allem mit den Naturwissenschaften zu beschäftigen.

Das von seinem Vater geerbte Vermögen erlaubte es ihm, nach dem Studium nicht gleich ins harte Arbeitsleben einsteigen zu müssen. Stattdessen widmete er sich geologischen Untersuchungen. Erst im Alter von 34 Jahren eröffnete Füchsel schließlich eine Arztpraxis in Rudolstadt. Zu seinen Patienten gehörte auch der 14 Jahre jüngere zukünftige Fürst Friedrich Carl von Schwarzburg-Rudolstadt, dessen Hofarzt er 1767 wurde. Ihr gemeinsames naturkundliches Interesse verband die beiden Männer zeitlebens.

In den nur 51 Lebensjahren des Junggesellen Füchsel spielten Mineralien, Fossilien und Gesteine die Hauptrolle. Seine Interessen für den Aufbau und die Entwicklung der Erde entsprachen durchaus dem Zeitgeist. Naturalienkabinette schossen wie Pilze aus dem Boden, aber noch immer war der Schöpfungsbericht des Alten Testamentes verbindlich. Zwar hatte bereits der Arzt Agricola 200 Jahre zuvor naturwissenschaftliche Erkenntnisse gewonnen, die sich nicht mit der biblischen Geschichte deckten. Von dieser vollständig lösen konnten sich die Geowissenschaftler allerdings erst am Ende des 18. Jahrhunderts. Georg Christian Füchsel nahm dabei eine Vorreiterrolle ein.

Er soll ein intelligenter, geselliger, fast charismatischer Mensch gewesen sein, der das Thüringer Land bereiste und die erste geologische Karte für einen Teil Thüringens anlegte. Weiterhin veröffentlichte er drei Schriften in den Akten der Erfurter Akademie, deren Mitglied er seit 1761 war.

In seiner „Geschichte der Erde und des Meeres durch Beschreibung der Gebirge aus der Geschichte Thüringens gefolgert" legte Füchsel seine Sicht der Entstehungsgeschichte dar. Von der biblischen Idee der Sintflut noch immer beeinflusst, glaubte er an die ursprüngliche Existenz eines Urmeers, das die ganze Erde bedeckte. Durch Absenkungen bildeten sich Krater, in denen sich das Wasser sammelte. Dadurch wurde das Festland sichtbar. Auch die Gebirge sind Folge solcher Meereseinstürze. Zwar maß Füchsel dem Meer bei der Entstehung der Erde eine zu große Rolle bei, aber mit seiner Theorie konnte er sich deutlich von der Genesis lösen.

Intuitiv gelangte er zum Grundsatz des Aktualismus, dem nachfolgende Geologen zur Allgemeingültigkeit verhalfen. Füchsel erkannte, dass die Erde aus Schichten besteht, die nacheinander und unter gleichen Verhältnissen entstanden sind. Damit widersprach er den alttestamentarischen Überlieferungen. Das später formulierte aktualistische Prinzip der Geologie besagt ebenfalls, dass es die noch heute beobachtbaren Prozesse waren, die die Erde formten.

Georg Christian Füchsel konnte trotz seiner bedeutenden Erkenntnisse nur in begrenztem Maß die Anerkennung seiner Zeitgenossen gewinnen. Seine Schriften fanden keine Verbreitung über Thüringen hinaus. Zudem waren sie in schlechtes Latein übersetzt worden und enthielten viele orthographische Fehler. Noch 20 Jahre später ließ sich auch Goethe dadurch von der Lektüre abschrecken. Füchsel selbst waren die Mängel bekannt, er konnte sie aber nicht mehr beseitigen. Sein früher Tod am 20. Juni 1773 in Rudolstadt beendete seine naturwissenschaftlichen Untersuchungen und verhinderte eine Weiterentwicklung seiner Theorie.

Zuletzt aktualisiert: 21. August 2007, 17:51 Uhr

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