Personen

Johann Joachim Kändler

(1706-1775)

Johann Joachim Kändler, am 15. Juni 1706 in Fischbach bei Dresden geboren, kam bereits 1733, erst 27jährig, als Modellmeister an die Porzellan-Manufaktur August des Starken nach Meißen. Neun Jahre später wurde Kändler Leiter der plastischen Formgestaltung und schon ein Jahr darauf erfolgte seine Ernennung zum Arkanisten (Geheimnisträger). Der gesellschaftliche Aufstieg Kändlers gipfelte 1749 in seiner Ernennung zum Hofkommissar.

Nach und nach übertrug man Kändler den gesamten Bereich meißnischer Modellgestaltung für Gefäße und Plastiken. Er adaptierte die Formensprache des französischen Rokoko, mit der ihr eigenen Leichtigkeit und Zierlichkeit. Ein- und zweidimensionale Vorlagen übertrug er in sein Medium: das Porzellan. Durch technisch-technologische Besonderheiten bei der Porzellan-Herstellung gelangte Kändler schließlich zu völlig eigenständigen Gestaltungsfindungen. Vereinheitlichung von Formstrukturen zu ganzheitlichen Servicen unterschiedlicher Größenordnungen war sein erklärtes Ziel.

Neben einer Vervollkommnung der Tafelgestaltung aus Porzellan schuf Kändler auch die reizvolle Welt der kleinen Porzellanfiguren, die fortan sowohl als Dekorationsmittel als auch der Konversation dienten. Schier unermüdlich schufen er und seine Mitarbeiter größere und kleinere Figuren, nach grafischen Vorlagen und nach eigenen Anregungen aus dem Hofleben der damaligen Zeit. Karnevalsfeste, Umzüge der Nationen und die Wirtschaften, zu denen es ausführliche szenische Beschreibungen der Hofdichter gab, erweckte er in Porzellan zum Leben.

Zum Synonym für die klassische Meißner Kleinplastik des 18. Jahrhunderts wurde die von Kändler geschaffene Affenkapelle. Kändler verwendete das Motiv als Gleichnis, um gesellschaftlich relevante menschliche Qualitäten darzustellen. Die Affenkapelle sollte seine Referenz an die Vernunft und die Erziehbarkeit des Menschen, fernab von jedem Zwang zur Dressur, sein. Seit ihrer Entstehung im 18. Jahrhundert wird die Kapelle in der Meißner Porzellan-Manufaktur reproduziert, bis in unsere Zeit hinein.

Nach 45jähriger ununterbrochener Tätigkeit an der Meißner Manufaktur verstarb Johann Joachim Kändler am 18. Mai 1775 in Meißen. Mit seinen kraftvoll modellierten Figuren, Tieren und ganzen Gruppen und auch durch seine Modelle für Service ist er zum Begründer der Porzellanplastik des 18. Jahrhunderts geworden. Öffentliche wie private Porzellansammlungen waren damals und sind bis heute bestrebt, sich mit den Prachtstücken eines Johann Joachim Kändler zu schmücken. Seine Arbeit war Bestandteil eines geistig-kulturellen Umbruchs der Zeit, geprägt vom progressiven Gedankengut der Aufklärung.

Zuletzt aktualisiert: 24. August 2007, 16:52 Uhr

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