Personen

Johann Friedrich Kind

(1768-1843)

Als Sohn des Leipziger Stadtrichters am 4. März 1768 geboren, stand die Laufbahn von Johann Friedrich Kind bereits früh fest. Er sollte Jurist werden wie der Vater. Zu diesem Zweck begann er nach dem Besuch der Thomasschule von 1782 bis 1786 sein juristisches Studium an der Leipziger Universität, das er vier Jahre später abschloss.

Nach dem Studium ging Kind 1790 als Volontär an das Justizamt in Delitzsch. Bereits drei Jahre darauf ließ er sich in Dresden als Rechtsanwalt nieder. In finanzieller Sicherheit konnte er endlich seine langjährige Verlobte Wilhelmine heiraten, die er in Gedichten oft Minona nannte. Allerdings starb ihm die geliebte Frau ein Jahr später bei der Geburt ihres ersten Kindes. Seine zweite Frau Friederike Ihle heiratete er 1796. Mit ihr und den Kindern lebte er fortan teils in Dresden, teils in der Umgebung auf dem Land.

Schon während des Besuchs der Thomasschule hatte der junge Kind August Apel kennen gelernt, mit dem ihn eine enge Freundschaft verband. Beide lasen viel und bald entstanden die ersten Gedichte und Erzählungen der Freunde. Durch das Erbe seines Vaters war es Johann Friedrich Kind 1816 möglich geworden, seine Anwaltskanzlei aufzugeben und sich fortan nur noch der Schriftstellerei zu widmen.

In Dresden gab es zur damaligen Zeit mehrere literarische Gruppen, die die Szene in der Stadt beherrschten: die Pseudoromantiker, die Rationalisten und die Romantiker. Kind war 1813 Mitglied der Pseudoromantiker geworden, die sich im Dresdner Liederkreis vereinigten. Hier trafen sich hauptsächlich so genannte Unterhaltungsschriftsteller und „dichterisch begabte Schöngeister" wie Carl August Boettiger, Friedrich Adolf Kuhn oder auch Karl Theodor Winkler. Seine Blütezeit hatte der Liederkreis in den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts, als er in Mittel- und Norddeutschland weithin bekannt war und durch seine Publikationen Einfluss auf den Zeitgeist übte.

Auch der Komponist Carl Maria von Weber kannte den Liederkreis und nahm öfter an den Zusammenkünften teil. Auf einem der Treffen lernte er seinen späteren Librettisten Kind kennen. Seit 1817 arbeiteten Weber und Kind zusammen. Auf die Fürsprache des Komponisten hin wurde der Schriftsteller 1818 zum sächsisch-coburgischen Hofrat ernannt.

1821 schrieb Kind in nur zehn Tagen das Libretto für Webers Freischützen. Historische Quellen und eine Erzählung seines Freundes August Apel dienten ihm als Vorlage. Weber, nachdem er einige Szenen umgestellt beziehungsweise fallengelassen hatte, komponierte eine volkstümliche romantische Oper, die am 18. Juni 1821 in Berlin zur Uraufführung kam. Der Erfolg war überwältigend. Doch nicht der Schriftsteller, sondern der Komponist wurde gefeiert.

Kinds literarische Vorlage wurde abgewertet und E.T.A. Hoffmann schrieb sogar: „Was die Musik betrifft, so müssen wir gar von vornherein die Meinung aussprechen, dass seit Mozart nichts Bedeutenderes für die deutsche Oper geschrieben ist, als Beethovens ‚Fidelio‘ und dieser ‚Freischütz‘(...)um Herrn Kinds Anteil daran würde die Nachwelt nicht zu trauern haben; aber der unsterbliche Lebenshauch, den von Weber dem wunderlichen Gesellen einblies, schützt diesen sicher vor dem Untergang."

Die Nichtbeachtung oder Abwertung seines Librettos kränkte Johann Friedrich Kind tief. Auch Weber, der seine Dichtung in den höchsten Tönen lobte, konnte diese Kränkung nicht wieder gut machen: „Welchen Dank mein teurer Kind, bin ich Ihnen für diese herrliche Dichtung schuldig; zu welcher Mannigfaltigkeit gab sich mir Anlass, und wie freudig konnte sich meine Seele über ihre herrlichen, tiefempfundenen Verse ergießen."

Neben dem Freischütz darf man Kinds weitere literarische Tätigkeiten nicht vergessen. Im Laufe seines Lebens schrieb er eine Vielzahl von Gedichten und Erzählungen, gab von 1815 bis 1820 Beckers „Taschenbuch für das gesellige Vergnügen" und zusammen mit Theodor Hell, ebenfalls Mitglied im Liederkreis, von 1817 bis 1820 die Abendzeitung in Dresden heraus. Letztere war das offizielle Organ des Liederkreises, in dem regelmäßig Gedichte, Erzählungen und Aufsätze Kinds erschienen.

In den zwanziger und dreißiger Jahren erschienen seine gesammelten Erzählungen in insgesamt elf Bänden, die Gedichte in fünf Bänden, sowie die Sagen und Novellen in zwei weiteren Bänden. Weiter entstanden noch verschiedene Operntexte, die jedoch bis auf das „Nachtlager von Granada", das von C. Kreutzer vertont wurde, nicht mehr zur Aufführung kamen. Außer dem Freischütz hat ihn keines seiner Werke überdauert. Nur selten findet sich in den Literaturgeschichten oder Autorenlexika heute ein Hinweis auf den zu seiner Zeit sehr bekannten Schriftsteller.

Am 25. Juni 1843 ist er in Dresden gestorben.

Zuletzt aktualisiert: 23. September 2010, 09:33 Uhr

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