Personen

Max Klinger

(1857-1920)

Max Klinger- Selbstportät
Max Klinger- Selbstportät

Max Klinger kam am 18. Februar 1857 als Sohn des wohlhabenden Seifenfabrikanten Heinrich Louis Klinger in Leipzig zur Welt. Der künstlerisch interessierte Vater war stets darauf bedacht, den begabten Sohn zu fördern und ließ ihm eine fundierte humanistische und musische Ausbildung zukommen. In Leipzig besuchte Max Klinger die Bürger- und die Realschule.

1874 verließ der 17jährige seine Heimatstadt, um in Karlsruhe ein Kunststudium aufzunehmen. Ein Jahr später folgte er gemeinsam mit anderen Schülern Professor Gussows, dem bekanntesten Maler der Karlsruher Kunstschule, nach Berlin. Dort blieb er, unterbrochen von einem Militärdienst als Einjährig- Freiwilliger in Leipzig, bis 1879.

Bei der 52. Ausstellung der Königlichen Akademie der Künste zu Berlin trat Klinger zum ersten Mal mit seiner Arbeit an die Öffentlichkeit. Er zeigte neben acht Zeichnungen mit dem Titel "Ratschläge zu einer Konkurrenz über das Thema Christus" und acht Federzeichnungen zum Zyklus "Paraphrase über den Fund eines Handschuhs" ein Gemälde mit dem Titel "Überfall an der Mauer".

Wenn auch die ausgestellten Arbeiten nicht dem von der Salonmalerei Anton von Werners geprägten Kunstgeschmack der Kritiker und des Publikums entsprachen, erhielt der junge Maler doch von Seiten seiner Familie und einiger Fachleute Lob und Anerkennung.

Die Einsamkeit suchend, arbeitete er zwischen 1879 und 1893 in Brüssel, München, Berlin, Paris, Rom und London, immer begleitet von einem Klavier und von den Werken Schopenhauers, die ihm wichtige Lebenshilfen waren. Erst 1895 kehrte er nach Leipzig zurück, unternahm aber auch weiterhin zahlreiche Reisen. Schließlich baute er sich in Großjena bei Naumburg Haus und Atelier, um wieder in Ruhe arbeiten zu können. Das zurückgezogene Arbeiten gab ihm die Möglichkeit, aufgenommene Anregungen ganz eigenständig zu verarbeiten.

Als Maler und Bildhauer versuchte Klinger, die zunehmende Vereinzelung der verschiedenen Künste, die sich im 19. Jahrhundert entwickelt hatte, zu überwinden. Die Höhe seines Ruhmes erreichte er mit dem Beethovenmonument, für dessen Aufstellung er auf eigene Kosten die Südfassade des Museums der Bildenden Künste in Leipzig umbauen ließ. Klinger hatte sich für dieses Werk von neuen Entdeckung der Archäologen anregen lassen, die belegten, dass die antiken Statuen farbig gewesen waren. Nun schuf er die dem Komponisten gewidmete Plastik unter Verwendung von weißem, schwarzem und violettem Marmor, von Alabaster, Bronze und Elfenbein und riss seine Zeitgenossen zu Begeisterungsstürmen hin.

Heute verbindet sich Klingers Ruhm weniger mit seiner öffentlichen oder monumentalen Kunst oder seiner kunsthandwerklich-dekorativen Arbeit, sondern mit seiner Graphik. Ihr wies er die Aufgabe zu, deren er die traditionellen Künste nicht mehr für fähig hielt: "den großen, gesammelten Ausdruck unserer Lebensanschauung" wiederzugeben. Dabei wählte er meist die Form des Zyklus, denn so konnte er das Einzelbild in eine Folge von Bildern, in verschiedene Blicke auf einen Zustand aufgliedern oder eine zeitliche Abfolge darstellen. Der wohl bekannteste dieser Zyklen ist die "Paraphrase über den Fund eines Handschuhs", den Klinger bereits als Zwanzigjähriger entwarf.

Neben Gustav Klimt, dem Hauptmeister der "Wiener Secession", war Max Klinger die stärkste Malerpersönlichkeit des Jugendstils. Seine Kunst suchte sich ihren Platz zwischen Schönheit und Grauen, phantastischen, sehr symbolistischen Themen und möglichst naturalistischer Darstellung. Er war als Maler, Graphiker und Bildhauer die bedeutendste Künstlerpersönlichkeit des spezifisch deutschen Jugendstils um die Jahrhundertwende.

Am 5. Juli 1920 ist Max Klinger – "Seefen-Klingers Maxe", wie ihn seine Leipziger Mitbürger mitunter nannten – in Großjena gestorben.

Zuletzt aktualisiert: 27. September 2010, 11:11 Uhr

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