Personen

Ludwig Knorr

(1859-1921)

Am 2. Dezember 1859 kam Ludwig Knorr in München in einer wohlhabenden und künstlerisch aufgeschlossenen Kaufmannsfamilie zur Welt. Bereits während seiner Gymnasialzeit zeigte der junge Knorr Interesse für Chemie und richtete sich im Geschäftshaus seines Vaters ein kleines Laboratorium ein, in dem er experimentierte.

Nach dem Abitur nahm Ludwig Knorr 1878 in München ein Chemiestudium auf. Bedeutende Professoren wie die Nobelpreisträger Adolf von Beyer und Emil Fischer sowie der Liebig-Schüler Jakob Volhard gehörten zu seinen Lehrern. Seine experimentellen Fertigkeiten vervollständigte Knorr 1880 in Heidelberg bei Robert Wilhelm Bunsen.

Zwei Jahre darauf folgte er seinem Lehrer Emil Fischer an die Universität Erlangen, wo er im gleichen Jahr promovierte und sich 1885 zum Privatdozenten habilitierte. Im Rahmen dieser Arbeiten gelang ihm 1883 auch die Entdeckung des ersten synthetischen Antipyretikums und Analgetikums "Antipyrin", heute als Phenazon bekannt. Nach seiner Habilitation ging Knorr mit Fischer nach Würzburg, wo er 1888 außerordentlicher Professor und Vorsteher der Anorganischen Abteilung wurde.

Bereits im nächsten Jahr folgte Knorr, gerade 30 Jahre alt, dem Ruf der Universität Jena an das chemische Ordinariat. In der nun folgenden über 30jährigen akademischen Tätigkeit in Jena gelang es ihm, die Chemie auf einen Höhepunkt zu führen. Dabei vermochte er, ein festes Bündnis zwischen chemischer Wissenschaft, Technik und Industrie zu knüpfen sowie enge Verbindungen zur Medizin und Pharmazie herzustellen.

Von besonderer Bedeutung war das von Knorr entdeckte und am 22. Juli 1883 beim Kaiserlichen Parlament angemeldete Heilmittel "Antipyrin". Es wurde nach zahlreichen Testserien unter Mithilfe von Knorr erstmals in den Farbwerken Hoechst produziert. "Damit wurde die Arzneimittelsparte in Hoechst und der Reichtum von Ludwig Knorr begründet", heißt es in Hoechster Firmenschriften.

Zugleich entwickelte Knorr, zusammen mit dem Hoechster Industriechemiker Friedrich Stolz, dieses Arzneimittel weiter. Sie gelangten dabei zum "Pyramidon", heute Aminophenazon welches sich im Vergleich zum "Antipyrin" als dreifach wirksamer erwies und deutlich weniger Nebeneffekte zeigte.

Es ist Ludwig Knorrs bleibendes Verdienst, diese ersten synthetischen Arzneimittel entdeckt, ihre industrielle Dimension erkannt und ihre Produktion vorangebracht zu haben. Wenn es dazu in einer Firmenschrift der Hoechst AG heißt: "Die eigentliche Entdeckung wurde nicht in der Fabrik, sondern an den Hochschulen gemacht", dann wird damit in erster Linie das Lebenswerk Ludwig Knorrs gewürdigt.

Der Begründer der modernen Pharmaindustrie ist am 4. Juni 1921 in Jena gestorben.

Zuletzt aktualisiert: 24. August 2007, 16:35 Uhr

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