Personen

Johann Ludwig Krebs

(1713-1780)

Der am 10. Oktober 1713 im thüringischen Buttelstedt geborene Johann Ludwig Krebs fand bereits in seiner Kindheit Zugang zur Musik. Sein Vater Johann Tobias Krebs war Kantor und Organist und gab viel von seinen musikalischen Kenntnissen an den Sohn weiter.

Klavier
Bei Johann Sebastian Bach erhielt Johann Ludwig Krebs Privatunterricht im Klavierspiel

Mit 13 Jahren kam der Knabe auf die Leipziger Thomasschule, wo Bach seit drei Jahren Kantor war. Dieser erkannte die besondere Begabung seines Schülers und förderte ihn zusätzlich zum üblichen Gesangsunterricht privat. Hauptsächlich wurde Krebs dabei im Klavierspiel und in der Komposition unterrichtet, aber auch im Violin- und Lautenspiel. Im Abschlusszeugnis bescheinigte Bach seinem Schüler dessen besondere Fähigkeiten: „... indem Er auf dem Clavier, Violine und Laute, wie nicht weniger in der Composition sich also habilitiret, daß er sich hören zu lassen keine Scheu haben darf." Besonders das Orgelspiel erlernte Krebs in Leipzig. Nicht zufällig komponierte er später oft und gern gerade für dieses Instrument. In seinen Leipziger Jahren erhielt Krebs entscheidende Prägungen, die sich später in seinem Werk niederschlagen sollten.

Nicht nur im Unterricht leitete und regte Bach seinen Schüler an, sondern auch bei den Kantatenaufführungen. Da Krebs verschiedene Instrumente gut beherrschte, wurde er abwechselnd an Orgel, Laute, Cembalo und Violine eingesetzt. Zusätzlich machte sich Johann Ludwig Krebs mit den Werken Bachs vertraut, indem er Noten abschrieb und bei zahlreichen Proben und Aufführungen anwesend war. Über die musikalische Verbindung hinaus entwickelte sich zwischen beiden eine Freundschaft. Vermutlich wohnte Krebs im Hause Bach und hatte auch zu dessen Familie ein herzliches Verhältnis.

Orgel
Seine erste Organistenstelle trat Johann Ludwig Krebs im Jahr 1737 in der Zwickauer Marienkirche an.

Trotz der Empfehlung Bachs hatte Krebs mit einer Anstellung als Organist zunächst kein Glück und besuchte deshalb zunächst noch zwei Jahre die Universität in Leipzig. Dabei strebte er jedoch keinen wissenschaftlichen Abschluss an, sondern hörte juristische und philosophische Vorlesungen, um seine Bildung zu erweitern.

Seine erste Organistenstelle trat Johann Ludwig Krebs 24jährig im Jahr 1737 in der Zwickauer Marienkirche an. Sein Wirken dort wurde positiv beurteilt, über die Einzelheiten seiner Tätigkeit ist jedoch wenig bekannt. 1740 hatte er Johanna Sophia Nacke geheiratet. Ein Jahr später war der erste Sohn geboren worden und 1743 kam die erste Tochter zur Welt.

In der Hoffnung, seine finanzielle Situation zu verbessern, um die es wegen der geringen Bezahlung in Zwickau nicht zum Besten stand, ging Krebs 1744 nach Zeitz. Allerdings erfüllte sich seine Hoffnung nicht, und die Geburt weiterer fünf Kinder erschwerte die Situation zusätzlich. Deshalb sandte Krebs mehrere Bittschreiben an das Stiftskonsistorium, in denen er eindringlich seine Not beschrieb: „... ein geringes Gehalt [ist] bey meinem Dienste nicht nur an und vor sich schon schlecht und mitleidenswert, sondern eine zahlreiche Familie noch um so viel elender und bejammernswürdiger macht, in dem selbige nach Hilfe seufzet, und mich dernach zu schreien gleichsam zwinget." Er erhielt daraufhin zwar zusätzliche Naturalien, aber die wirtschaftlichen Sorgen begleiteten ihn weiterhin. Hinzu kam, dass er auch im künstlerischen Bereich unzufrieden war, da ihm auch in Zeitz nur eine äußerst schadhafte Orgel zur Verfügung stand. So wird verständlich, dass er sich abermals in anderen Städten bewarb, z.B. nach Bachs Tod 1750 um dessen Nachfolge in Leipzig.

Aufgrund seiner zunehmenden Bedeutung als Organist und Komponist schlug man ihn 1756 für die Hoforganistenstelle in Altenburg vor. Künstlerisch war diese Stelle eine Verbesserung, denn er fand eine fast neue Orgel von G. H. Trost vor. Auch hatte er ein positives Verhältnis zu den geistlichen Vorgesetzten und regierenden Fürsten Friedrich III. und später Ernst II.

Bis zuletzt schöpferisch tätig, starb Johann Ludwig Krebs am Neujahrstag 1780. In Altenburg scheint seinem Tod keine große Beachtung geschenkt worden zu sein, und es fand nur ein bescheidenes Begräbnis statt. Im Kirchenbuch findet sich lediglich folgende nüchterne Eintragung: „Johann Ludwig Krebs, gewesener herzogl. Hoforganist am Kornmarkt, 67 Jahre alt, ist den 4. frühe mit der kleinen halben Schule beerdigt worden." Mehr Beachtung fand sein Tod immerhin in der Künstlerwelt. Besonders hervorgehoben wurden seine Orgelwerke. Der Zeitgenosse J. F. Meyner berichtete: „Wir haben hier [in Altenburg] 23 ganze Jahre lang das Vergnügen genossen, ihn zu hören ... Noch als Greis war er Jüngling in der Begeisterung, wenn er vor der Orgel saß."

Zuletzt aktualisiert: 17. September 2010, 12:51 Uhr

© 2014 MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK