Personen

Johann Philipp Krieger

(1649-1725)

Ob Klavier, Orgel oder Blas- und Streichinstrumente - Johann Philipp Krieger war ein vielseitig talentierter Musiker.

Klavier

Der am 26. Februar 1649 in Nürnberg geborene Johann Philipp Krieger war das Kind recht wohlhabender Eltern. Sein Vater Hans Krieger, ein Teppichmacher und Garnfärber, und seine Mutter Rosina konnten ihren beiden Söhnen bereits in früher Kindheit musikalischen Unterrichten bieten. Der kleine Johann Philipp muss dabei durch besondere Begabung aufgefallen sein, wenn der zeitgenössische Biograph Doppelmayr ausdrücklich berichtet, dass er das Klavier "schon in dem neundten Jahr seines Alters solches zu vieler Anhörenden Bewunderung gar nett spielen, nächst deme gleich alle Melodien, die man ihm vorsunge, nachzuschlagen, auch sonsten wohlgesetzte Arien von seiner Composition darzustellen, im Stand war".

Orgel
In Kopenhagen war Krieger lange Zeit als Organist tätig

Seine erste musikalische Ausbildung erhielt Krieger beim Nürnberger Musiker Johann Drechsel (Dretzel). Von dem berühmten Gambisten Gabriel Schütz wurde der junge Krieger auf verschiedenen Blas- und Streichinstrumenten unterrichtet. Vor allem aber der Nürnberger Organist Hainlein hat als Persönlichkeit auf Krieger großen Eindruck gemacht und ihn wahrscheinlich veranlasst, sich mehr und mehr dem Orgelspiel zuzuwenden.

1663 oder 1665 ging Krieger nach Kopenhagen, um beim Königlich Dänischen Kammerorganisten Johannes Schröder in die Lehre zu gehen. Um seine Ausbildung finanzieren zu können, war Krieger Organist und Schröders Stellvertreter an der Peterskirche. Gleichzeitig erhielt er beim Königlich Dänischen Kapellmeister Caspar Förster jun. Unterricht im Tonsatz. Bereits nach zweijährigem Studium setzte man Krieger als "geschickten Vicario" an der Orgel der Hauptkirche ein. Um 1667 erhielt er eine Berufung als Organist nach Christiania in Norwegen, die er aber nicht annahm, weil die Eltern seine Rückkehr nach Nürnberg wünschten.

Zurückgekehrt fand der junge Organist jedoch in der Heimatstadt alle Musikerstellen besetzt. So trat Krieger in den Dienst des Grafen Christian Ernst in Bayreuth und rückte spätestens 1672 in die Position des Kapellmeisters auf. Doch sollte diese Kapellmeisteranstellung nicht lange dauern. Kriegshandlungen gegen Frankreich, an denen Markgraf Christian Ernst seit 1673 beteiligt war, zwangen dazu, das musikalische Leben am Bayreuther Hof auf ein Minimum zu reduzieren. Aus diesem Grund forderte Krieger seine Entlassung um eine zweijährige Studienreise zu den berühmtesten Musikstätten Italiens unternehmen zu können, "für sein Können die höchste Vollendung suchend". Der Markgraf jedoch bot Krieger anstelle der Entlassung einen bezahlten Urlaub für dieses Unternehmen an. Ein Angebot, dass Krieger gern annahm.

In Venedig studierte er bei Johann Rosenmüller Komposition und bei Rovettini Klavier. In Rom nahm Krieger Unterricht bei Abbatini und bei dem bekannten Organisten und Komponisten Bernardo Pasquini in Komposition und Klavier. Besonders der letztgenannte hat ihn stark beeinflusst. Daneben wurde er mit zahlreichen anderen Musikern wie Cavalli, Legrenzi, Ziani, Carissimi und Kirchner bekannt. Danach reiste Krieger über Neapel und Sizilien wiederum nach Venedig, um die Oper zu studieren.

Auf dem Rückweg zum Markgrafen musizierte Krieger vor Kaiser Leopold in Wien, der ihn daraufhin mit einer goldenen Kette und einem "besonderen Diplom" ehrte. Am 10. Oktober 1675 vom Kaiser in den Adelsstand erhoben, nahm er dann in Bayreuth seine alte Tätigkeit wieder auf. Jedoch konnte ihm der Bayreuther Hof keine Entfaltung seiner Schaffenskraft bieten, da die Hofmusik stark reduziert worden war. Nur widerwillig stimmte der Markgraf der von Krieger beantragten Entlassung zu.

Nach kurzen Aufenthalten in Frankfurt und Kassel kam er im November 1677 als Kammermusiker und Kammerorganist an den Hof Herzog Augusts von Sachsen-Weißenfels nach Halle. Da der Herzog Krieger unbedingt an seinem Hof halten wollte, beförderte er ihn bereits nach einem halben Jahr zum Vizekapellmeister. Der Tod des Herzogs veränderte die Anstellung Kriegers erneut. Herzog Johann Adolph I., seit 1680 Nachfolger seines Vaters August, verlegte den Hof nach Weißenfels und ernannte Krieger zum Kapellmeister. In dieser Anstellung konnte er endlich seine künstlerischen Fähigkeiten voll entfalten.

Am 25. Mai 1684 heiratete der 33jährige Rosine Helene, die Tochter des verstorbenen Sekretärs Johann Nicolai aus Halle. Durch diese Heirat entstand eine Verwandtschaft zur Familie Händel. Die poetischen Dichtungen, welche ihm nach Sitte der Zeit zu diesem Ereignis von Freunden gewidmet wurden, sind beredte Zeugnisse für die Wertschätzung, derer sich Krieger in den wenigen Jahren seines Wirkens in Halle und Weißenfels erfreute. In denselben hohen Gesellschaftskreisen suchte Krieger auch Paten für seine neun Kinder, mit denen seine Ehe gesegnet war.

1692 besuchte der Hallenser Chirurgus Georg Händel die benachbarte Stadt Weißenfels mit seinem siebenjährigen Sohn Georg Friedrich, dem Gelegenheit gegeben wurde, beim Fest-Gottesdienst ein Orgelstück zu spielen. Die Bewunderung sowohl des Herzogs als auch seines Onkels Johann Philipp Krieger gab den Anstoss dazu, dass der junge Händel trotz der Bedenken seines Vaters in Halle Musikunterricht erhielt.

Kurz vor seinem 76. Geburtstag starb Johann Philipp Krieger am 6. Februar 1725 in Weißenfels. Obwohl er als einer der wenigen vor Bach in unermüdlicher Arbeit zur deutschen Musik zurückfand, sie prägte und der Bachschen Kantate unmittelbar den Boden bereitete, ist er heute fast vergessen.

Zuletzt aktualisiert: 16. September 2010, 09:44 Uhr

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