Personen

Novalis (Georg Philipp Friedrich Freiherr von Hardenberg)

(1772-1801)

Als zweites Kind des Gutsbesitzers Heinrich Ulrich von Hardenberg und seiner Frau Auguste Bernhardine kam Friedrich von Hardenberg am 2. Mai 1772 auf dem väterlichen Gut in Oberwiederstedt zur Welt. Der Vater, der mit den Auffassungen der Herrnhuter Brüdergemeine sympathisierte, erzog den Sohn in streng pietistischem Sinn und legte Wert auf Familienbindung und Religiosität - nicht auf eine aristokratische Lebensführung.

1784 zogen die Hardenbergs nach Weißenfels, wo der Vater als Salinendirektor in kursächsische Dienste trat. Nach dem Besuch des Luthergymnasiums in Eisleben begann Friedrich von Hardenberg 1790 in Jena mit dem Studium der Rechtswissenschaften, wobei er aber bevorzugt philosophische und historische Vorlesungen hörte. Nach einigen Studiensemestern in Leipzig legte er 1794 in Wittenberg sein juristisches Examen ab.Während dieser Jahre hatte Friedrich von Hardenberg so bedeutende Repräsentanten des geistigen Lebens kennen gelernt wie: Gottfried August Bürger, Friedrich Schiller, Christoph Martin Wieland und Friedrich Schlegel. Obwohl er nach seinem Studium die Anstellung als Aktuarius beim Kreisamt in Tennstedt angenommen hatte, war die geistige Inspiration durch jene Begegnungen so stark, dass er sich intensiv mit zeitgenössischer Philosophie und Dichtung auseinandersetzte.

Grüningen bei Tennstedt wurde für Friedrich von Hardenberg zum Ort einer schicksalhaften Begegnung. Er lernte die zwölfjährige Sophie von Kühn kennen, mit der er sich 1795 verlobte. Durch Sophie fand er die Bestimmung seines Lebens, die Möglichkeit, Individuelles und Menschheitliches, Lebenspraktisches und Ideelles zu verbinden.

Nach der Verlobung trat Friedrich von Hardenberg, weil er in der Nähe Sophies und seiner Familie bleiben wollte, in den Geschäftsbereich des Vaters am Salinenamt in Weißenfels ein. Parallel zu seinem Beruf, für den er sich zunehmend engagierte, pflegte er den Kontakt zum Jenaer Kreis der Frühromantiker um Fichte, Schlegel, Schelling und Tieck.

Monate bevor sich von Hardenberg Ende 1797 als Student an der Freiberger Bergakademie immatrikulieren ließ, um seine Kenntnisse über den Bergbau und die Naturwissenschaften zu vertiefen, hatte ihn der Tod seiner geliebten Braut schwer erschüttert. Durch ihren Tod schien dem Dichter, Philosophen und Naturwissenschaftler die Verwirklichung seines irdischen Glückes verwehrt. Zwar beruflich eng mit praktischen und wirtschaftlichen Fragen des Lebens beschäftigt, wandte er sich in seinem Denken seit dem Tod der Geliebten von der ihm trügerisch anmutenden Wirklichkeit ab. Das Mittel, seinen Traum von einer künftigen Welt der Harmonie zwischen Mensch und Natur, von der Vergöttlichung des Menschen zu zeigen, war aber weder Naturwissenschaft noch Technik, auch nicht die Philosophie. Sein Mittel war die Poesie.

Die vier Jahre nach Sophies Tod bis zum 25. März 1801, als Novalis 28-jährig an Tuberkulose starb, waren Jahre hoher dichterischer Produktivität. Von Friedrich von Hardenberg, der unter dem Pseudonym Novalis veröffentlichte und unter diesem Namen in die Literaturgeschichte einging, entstanden so bedeutende Werke wie die "Geistlichen Lieder", "Die Christenheit und Europa", die "Hymnen an die Nacht" und das Romanfragment "Heinrich von Ofterdingen". Noch drei Monate vor seinem frühen Tod stieg Novalis zudem zum Amtshauptmann in Weißenfels auf.

Sowohl von seiner Person als auch von seinen Werken geht bis heute eine eigentümliche Faszination aus. Er war das überragende dichterische Genie der Frühromantik. Seine Werke lassen den weltfernen Mystiker ebenso erkennen, wie den hochintellektuellen Denker. Mit seinen umfangreichen Notizen und Aufzeichnungen gilt er inzwischen als ein Vorläufer der literarischen Moderne.

Friedrich Schlegel sagte im Frühjahr 1792 über ihn: "Das Schicksal hat einen jungen Mann in meine Hand gegeben, aus dem Alles werden kann.- Er gefiel mir sehr wohl und ich kam ihm entgegen; da er mir dann bald das Heiligthum seines Herzens weit öffnete... Ein noch sehr junger Mensch - von schlanker guter Bildung, sehr feinem Gesicht mit schwarzen Augen, von herrlichem Ausdruck wenn er mit Feuer von etwas schönem redet - unbeschreiblich viel Feuer - er redet dreymal mehr und dreymal schneller als wir andre - die schnellste Fassungskraft und Empfänglichkeit. Das Studium der Philosophie hat ihm üppige Leichtigkeit gegeben, schöne philosophische Gedanken zu bilden... Seine Empfindung hat eine gewisse Keuschheit die ihren Grund in der Seele hat nicht in der Unerfahrenheit. Denn er ist schon sehr viel in Gesellschaft gewesen (er wird gleich mit jedermann bekannt) ein Jahr in Jena wo er die schönen Geister und Philosophen wohl gekannt hat, besonders Schiller. Doch ist er auch in Jena ganz Student gewesen, und hat sich...oft geschlagen. - Er ist sehr fröhlich sehr weich und nimmt für itzt noch jede Form an, die ihm aufgedrückt wird."

Zuletzt aktualisiert: 05. Dezember 2005, 15:54 Uhr

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