Personen

Friedrich von Raumer

(1781-1873)

Zur Welt kam Friedrich von Raumer am 14. Mai 1781 in Wörlitz bei Dessau. Hier wuchs er auf bis er im Alter von zwölf Jahren zu seinem Onkel Leopold von Gerlach nach Berlin kam. Gerlach, der spätere Oberbürgermeister von Berlin, brachte den jungen Raumer erstmals mit der „großen Welt" in Berührung. Im Sommer 1798 begann er in Halle mit dem Jurastudium. Jedoch ließ sich sein historisches Interesse schon in jungen Jahren nicht durch dieses „fachfremde" Studium unterdrücken. Nach seinem Wechsel an die Universität Göttingen im Jahre 1800 kam Raumer erstmals in Kontakt mit der literarischen Romantik, die ihn tief prägen sollte.

Zwar war mit Leopold von Ranke an der Spitze, die Rankesche Schule der Geschichtsforschung, also die rationale, wertfreie Geschichtsforschung auf dem Vormarsch. Raumer vertrat dennoch die Position, auch wissenschaftliche Texte müssten verständlich und lesbar sein. Dabei betrachtete er allgemeine Verständlichkeit nicht als Zeichen fehlender Seriosität. Er kritisierte vielmehr an Rankes Werken deren „holprigen Stil".

Schon vor der Veröffentlichung der „Geschichte der Hohenstaufen und ihrer Zeit" hatte Raumer mehr und mehr sein Hobby zum Beruf gemacht. Nach nur einem Jahr der Zusammenarbeit mit dem neu ernannten Staatskanzler Hardenberg als dessen persönlicher Adjutant, schied er aus dem Dienst. Er konnte seine adelige Herkunft nicht mehr mit seiner Arbeit vereinbaren. Einige in adeligen Schichten unpopuläre Entscheidungen, wie die von Hardenberg angestrebte Gleichbesteuerung aller Bürger, hatten ihn in einen Zwiespalt getrieben, aus dem er nicht anders als mit einem Rücktritt entkommen konnte. 1811 schied er aus dem Staatsdienst und nahm wenig später eine Professur für Staatswissenschaft an der Universität Breslau an. Während der Befreiungskriege entschied sich Friedrich, anders als sein Bruder Karl von Raumer, gegen den Kriegsdienst. Die Universität in Breslau blieb nach dem Wiener Friedensschluss nicht von studentischen Unruhen verschont. Auch die Spannungen unter den Professoren wuchsen in Folge der allseits erstarkenden liberalen Strömungen. In diesem Umfeld war Forschung nicht möglich. Raumer ergriff die Flucht und nahm 1819 einen Ruf an die Universität von Berlin dankend an. Schon 1822 wurde er zum Rektor der Universität ernannt und kurz darauf erschien sein erfolgreichstes Werk: die „Geschichte der Hohenstaufen".

Nach einigen Jahren der Ruhe holte ihn auch in Berlin der Alltag wieder ein. Die März-Revolutionen des Jahres 1848 bescherten ihm einen weiteren Umzug. Er erhielt ein Mandat für die Frankfurter Nationalversammlung gleich in drei verschiedenen Wahlkreisen, ein weiterer Beweis für seine nach wie vor große Popularität. Im folgenden Jahr veröffentlichte er die „Briefe aus Frankfurt und Paris". Sie geben einen guten Überblick über das Auf und Ab der Verhandlungen in der Nationalversammlung und verdeutlichen außerdem die politische Stellung Raumers. Anfangs mit einer großdeutschen Gesinnung nach Frankfurt gekommen, zeigte sich schon bald, dass einige Überzeugungen zum Wohl des Ganzen aufgegeben werden mussten.

Enttäuscht zog Raumer sich mehr und mehr aus dem politischen Leben zurück. Er selber war der Meinung, er habe durch die politische Tätigkeit „viel gelernt, aber keinen belehrt und nichts bewirkt." In den 1850er Jahren konzentrierte er sich darauf, die Welt zu entdecken. Er reiste in die Schweiz, nach Holland und Dresden, aber auch zu so weit entfernten Orten wie Konstantinopel, Smyrna und Athen.

Am Ende seines Lebens war Raumers wissenschaftliche Leistung durch neue Forschungen überholt. Auch am politischen Leben nahm er nicht mehr teil. Aber die „Geschichte der Hohenstaufen und ihrer Zeit" war noch immer in weiten Kreisen bekannt. Am 14. Juni 1873 ist Raumer hoch betagt in Berlin gestorben.

Zuletzt aktualisiert: 05. Dezember 2005, 16:05 Uhr

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