Personen

Fritz Reuter

(1810-1874)

Als Sohn des Bürgermeisters kam Fritz Reuter am 7. November 1810 im mecklenburgischen Stavenhagen zur Welt. Im Schatten des Vaters, eines autoritären und strengen Mannes, wuchs er heran, ausgebildet und erzogen von Privatlehrern. Besonders genoss er den Unterricht seines Lehrers Karl Horn, Mitbegründer der Jenaer Burschenschaft, der seine Schüler im patriotischen Sinne und mit dem Streben nach Ehre und Freiheit erzog. Ab 1824 besuchte der junge Reuter die Gymnasien in Friedland und Parchim.

Während seiner Schulzeit richtete sich sein hauptsächliches Interesse auf das Zeichnen, was in ihm den Wunsch reifen ließ, Maler zu werden. Sein Vater war jedoch dagegen und drängte ihn zum Jurastudium.

Zum Wintersemester 1831/32 immatrikulierte sich Reuter widerstrebend für das Studium der Rechte in Rostock, wechselte aber schon ein Semester später in die Saalestadt Jena, weil es ihn zur Burschenschaft zog. Bereits 14 Tage nach seinem Eintreffen in Jena schrieb er am 25. Mai 1832 an seinen Vater: "Hier ist alles ganz anders als bei uns, das Volk lebendiger, aufgeklärter; ich möchte Dir bloß gönnen, wie richtig so ein jenischer Bürger über Staat und Staatsverwaltung räsoniert; überhaupt herrscht hier im Weimarischen eine große Spannung in politischer Hinsicht (...) und Jena scheint der Mittelpunkt der Liberalen zu sein". Angezogen von den Grundsätzen "Einheit, Freiheit und Gleichheit aller Burschen" wurde Fritz Reuter begeisterter Burschenschafter.

Er gehörte jedoch nicht zu den politischen Wortführern, dies belegt vor allem sein Austritt zu Beginn des Jahres 1833, als sich die Absichten der Germania radikalisierten. An die Stelle der Forderungen nach liberal-demokratischen Veränderungen war der Wille nach Umsturz des Staates getreten. Den Höhepunkt dieser Bewegung bildete die Erstürmung der Frankfurter Hauptwache am 3. Mai 1833, an der auch die Jenenser Burschenschafter beteiligt waren. Aufgrund dieses Putschversuches leitete Friedrich Wilhelm III. die so genannten Demagogenverfolgungen ein. Wegen seiner burschenschaftlichen Aktivitäten wurde auch Reuter verhaftet. Das zunächst gefällte Todesurteil wandelte der König in 30jährige Festungshaft um. Bereits 1840 begnadigte man Reuter nach siebenjähriger Kerkerhaft.

Die Wiederaufnahme seines Jurastudiums in Heidelberg missglückte und Reuter kehrte inzwischen 30jährig in seine niederdeutsche Heimat zurück, wo er zunächst als Volontär der Landwirtschaft und dann als Inspektorenassistent arbeitete. Es sollte ihm jedoch nicht vergönnt sein, eine eigene Gutsherrschaft zu erwerben, da das Testament des 1845 verstorbenen Vaters die Schwester begünstigte.

Jung verheiratet, übersiedelte er 1850 mit seiner Frau Luise Kuntze, einer Pastorentochter aus Roggenstorf, nach Treptow (heute Altentreptow) nahe der mecklenburgischen Grenze. Dort ließ er sich als Privatlehrer für Zeichnen und Turnen nieder. In dieser Zeit entstanden unterhaltende, aber auch gesellschaftskritische Gedichte und Reiseberichte in niederdeutscher Mundart. Den Schritt zum freien Schriftsteller machte er 1856 mit seinem Wohnortwechsel nach Neubrandenburg. Vor allem durch die politischen Ereignisse ab 1859 beflügelt, in denen der deutsche Nationalstaat auf friedlichem, reformerischem Weg zu erreichen schien, schrieb er seine großen Werke: Meine Vaterstadt Stavenhagen (1856), Ut de Franzosentid (1859) und Ut mine Festungstid (1862).

Den Höhepunkt seiner humoristischen Prosa bildete der dreibändige Roman Ut mine Stromtid (Leben auf dem Lande, 1862-64). In ihm schildert er umfassend und sozial engagiert die dörflich-kleinstädtischen Verhältnisse Mecklenburgs zwischen 1830 und 1850 und die mecklenburgischen Ereignisse der Revolution von 1848. Der letzte Teil des Werkes entstand bereits in Eisenach, wohin das Ehepaar Reuter, auf Drängen von Luise Reuter, gezogen war.

Der gesundheitliche Zustand Fritz Reuters verschlechterte sich stetig: Er beeinträchtigte nicht nur sein Leben, sondern auch die Werke des Dichters, die nicht annähernd an die großen Arbeiten der Neubrandenburger Zeit heranreichten. Bis zu seinem Tod blieb Fritz Reuter Bürger Eisenachs. Hier starb er am 12.Juli 1874 an den Folgen eines Schlaganfalls.

Zuletzt aktualisiert: 05. Dezember 2005, 16:10 Uhr

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