Personen

Johann Bartholomäus Trommsdorff

(1770-1837)

Am 8. Mai 1770 in Erfurt als Sohn eines Arztes und Medizinprofessors geboren, besuchte Johann Bartholomäus Trommsdorff in Erfurt zunächst die Kaufmännerschule und später das Evangelische Ratsgymnasium. Nach dem frühen Tod seines Vaters war es der Mutter nicht mehr möglich, dem Heranwachsenden eine höhere Schulbildung zu finanzieren. Der 13-jährige Trommsdorff musste deshalb das Gymnasium verlassen. Zunächst half er in der väterlichen Apotheke aus, bis er im darauf folgenden Jahr eine Apothekerlehre in der Weimarer Hofapotheke bei dem einflussreichen Wilhelm Heinrich Sebastian Bucholz begann.

In seiner Weimarer Lehrzeit entstand 1787 Trommsdorffs erste wissenschaftliche Arbeit: "Chemische Untersuchung des sauren Salzes der rothen Beeren des Sumach oder Gerberbaums (Rhus coriaria Linn)".

1787 kehrte Trommsdorff nach Erfurt zurück. Durch die Heirat seiner Mutter mit dem an der Erfurter Universität tätigen Professor für Medizin, Chemie und Botanik Jacob Planer hatte sich vorübergehend die finanzielle Situation der Familie verbessert. Trommsdorff konnte nun seinen privaten Studien nachgehen und auf einer längeren Wanderschaft, die ihn nach Stettin und Stargard führte, seine Kenntnisse erweitern. Als im Dezember 1789 sein Stiefvater verstarb, kehrte Trommsdorff sofort nach Erfurt zurück.

Er übernahm die väterliche Apotheke vorerst zur Pacht. Zwei Jahre später wurde der 22-jährige Mitglied der "Churfürstlichen Mayntzischen Akademie nützlicher Wissenschaften" zu Erfurt. Wenig später gab Trommsdorff mit dem "Journal der Pharmacie für Aerzte Apotheker" die erste regelmäßig erscheinende pharmazeutische Fachzeitschrift heraus, die sich zu einem Diskussionsforum der Naturforscher Europas entwickelte.

Im Januar 1794 bewarb sich Trommsdorff an der Medizinischen Fakultät der Erfurter Universität um die Professur für Chemie. Dazu war aber unbedingt die Promotion erforderlich, eine Hürde, die der Autodidakt im September 1794 erfolgreich meisterte. Die Ernennung zum unbesoldeten, außerordentlichen Professor für Chemie erfolgte zu Beginn des nächsten Jahres. 1811 erhielt er die Berufung zum ordentlichen Professor für Chemie.

Trommsdorff war ein vielseitig engagierter Lehrer, Forscher und Praktiker, der fest im öffentlichen Leben stand. Zwischen 1795 und 1816 hielt er an der Universität Erfurt Vorlesungen über Pharmazeutische Chemie, Chemische Mineralogie, Chemische Philosophie, Geschichte der Chemie, Rezeptierkunst und Allgemeine Chemie.

25-jährig begründete er in der Erfurter Schwan-Ring-Apotheke seine berühmte "Chemisch-physikalisch-pharmaceutische Pensionsanstalt für Jünglinge". Sie gilt als das erste pharmazeutisch-chemische Institut in Deutschland. Trommsdorff unterrichtet hier seine Schüler nicht nur in Chemie und Pharmazie, sondern auch in Botanik, Zoologie, Mineralogie, Mathematik und Naturlehre. Dabei strebte er stets eine gesunde Mischung von Theorie und praktischer Anwendung an. Als er 1828 sein Institut aus gesundheitlichen Gründen schließen musste, hatten es 303 Schüler, 24 davon aus dem Ausland, erfolgreich absolviert.

Trommsdorff war aber nicht nur auf wissenschaftlichem Gebiet aktiv. Er setzte sich zum Beispiel für eine durchgreifende Reform des Apothekenwesens ein und entwickelte dazu ein umfangreiches Programm. 1808 zählte er zu den Mitbegründern des "Erfurter Apothekerkränzchens", einer der ersten Apothekervereinigungen Deutschlands. Durch fachgerechte Analysen der Quellwässer von Langensalza, Tennstedt und Salzungen legte er den Grundstein für deren Entwicklung als Heilbäder. Außerdem machte sich Trommsdorff um die Rübenzuckergewinnung, um die Agrikulturchemie und um die einheimische Opiumherstellung verdient und förderte in Tollwitz bei Bad Dürrenberg den Bau einer der ersten chemisch-pharmazeutischen Fabriken.

Beeindruckend ist die Fülle von Trommsdorffs Veröffentlichungen. In mehr als 500 Artikeln und Monographien stellte er seine wissenschaftlichen Ergebnisse wie auch seine Ansichten und Vorschläge zur Organisation des Apothekenwesens, zur Ausbildung und Altersversorgung des Apothekerstandes oder zur sozialen Sicherheit der Apothekergehilfen zur Diskussion. Darüber hinaus verfasste er fünfzehn größere Werke, darunter zahlreiche Lehr- und Handbücher. Das umfangreiche Lebenswerk des Autodidakten wurde von der internationalen Fachwelt auch dann noch anerkannt, als Trommsdorff aufgrund seiner patriotischen Gesinnung in Schwierigkeiten geraten war. 1806 hatte die Stadt Erfurt als Folge der historischen Doppelschlacht von Jena und Auerstedt vor den Franzosen kapituliert. Trommsdorff widersetzte sich der französischen Besetzung, was dem 36-jährigen Kerkerhaft, Demütigungen und wirtschaftliche Repressalien einerseits, Achtung und Anerkennung von patriotisch gesonnenen Bürgern Erfurts andererseits einbrachte. Trommsdorffs aufrechte Haltung bei seiner denkwürdigen Unterredung mit Napoleon im Juli 1807 in Erfurt, bei der er den im Gefolge der Französischen Revolution enthaupteten Chemiker Antoine Laurent Lavoisier als den größten Chemiker bezeichnete, ist in die Geschichte eingegangen.

Von den physischen und psychischen Schäden der Haft hat sich Trommsdorff nie ganz erholt. Hinzu kamen der ständige Kampf um die Existenz sowie das Streben nach wissenschaftlicher Anerkennung. Auch familiäre Schicksalsschläge schwächten Trommsdorffs Kräfte. Als er im Winter 1836/37 an einer Grippe erkrankte, vermochte er deren Folgen nicht zu überwinden. Am 8. März 1837 ist er in Erfurt verstorben.

Zuletzt aktualisiert: 05. Dezember 2005, 16:32 Uhr

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