Personen

Kaiserin Theophanu

(960-991)

Höfischer Luxus und Machtintrigen in Konstantinopel

Geboren um das Jahr 960, entstammte Theophanu einer hohen byzantinischen Adelsfamilie und hatte ihre Kindheit im Kaiserpalast von Konstantinopel verbracht. Aufgewachsen war sie in einer Welt des Luxus, aber auch voller Mord und Intrigen. Schon in jungen Jahren musste Theophanu miterleben, wie ihre Taufpatin Anastaso ihren eigenen Gemahl, den Kaiser, kaltblütig umbringen ließ, um so den Geliebten auf den Thron zu bringen – Johannes Tzimiskes, einen Onkel der Theophanu. Auf diese Weise erfuhr sie auch, zu welcher Macht es Frauen bringen konnten. Ihre intrigante Taufpatin hatte es immerhin vom einfachen Schankmädchen zur mächtigen Kaiserin geschafft. Doch Theophanu war zunächst nur ein Spielball der Diplomatie, Objekt groß angelegter Heiratspolitik zwischen dem (byzantinischen) Kaiser des Ostens und dem (römischen) Kaiser des Westens.

Schon zweimal hatte Kaiser Otto der Große Brautwerber von Magdeburg nach Konstantinopel geschickt. Nur eine Kaisertochter schien ihm die angemessene Braut für seinen Sohn und designierten Thronfolger zu sein. Mit solch einer Ehe würde Byzanz das Kaisertum Ottos als ebenbürtig anerkennen. Die Linie der byzantinischen Herrscher reichte bis in die Antike zurück. Otto hingegen hatte erst 962 vom Papst in Rom die Kaiserkrone empfangen. Doch auch er betrachtete sich als legitimer Nachfolger der römischen Cäsaren und wollte dies nun von Byzanz bestätigt haben.

Als im Jahr 972 erneut eine Gesandtschaft Ottos in Konstantinopel eintraf, versprach Johannes Tzimiskes die gewünschte Braut und erkannte damit Ottos Kaisertum offiziell an. Im Gegenzug bekam er von Otto den Süden Italiens zurück, den dieser zuvor erobert hatte. Im Gefolge der Gesandten kam die 12-jährige Theophanu als Braut von Konstantinopel nach Italien. Bis zu ihrer Ankunft ahnte Otto nicht, dass man ihm keine "Porphyrogenneta", keine im Purpurgemach des Kaiserpalastes geborene Tochter eines legitimen Herrschers, schickte, sondern die Nichte eines Thronräubers. Obwohl einige aus Ottos Gefolge die Rücksendung der Byzantinerin forderten, akzeptierte der Kaiser sie als Braut. Vielleicht überzeugte ihn der kostbare Brautschatz, den Theophanu mit sich führte.

Vom Papst in Rom zur Mitkaiserin gekrönt

Im April 972 segnete Papst Johannes XIII. in Rom die Ehe mit dem 17-jährigen Otto II., der bereits zum Kaiser designiert war. Jetzt wurde auch Theophanu zur Mitkaiserin – Coimperatrix – erhoben. Die Heiratsurkunde ist aus mit Purpur gefärbtem Pergament gefertigt und reich mit goldenen Malereien verziert. Sie gilt bis heute als eines der bedeutendsten Kunstwerke frühmittelalterlicher Diplomatik und ist im Original überliefert. Hierin ist auch der Besitz aufgelistet, den die junge Kaiserin zur eigenen Absicherung erhielt. Dazu gehörten Gebiete in Italien und am Rhein, sowie die Stadt Nordhausen und die Pfalz Tilleda in den Kernlanden Ottos des Großen.

Für Theophanu begann ein Leben auf Reisen. Die erste führte sie von Italien in den Reichsteil nördlich der Alpen. Beherrschten die Byzantiner ihr Reich vom Palast der Metropole Konstantinopel aus, so kannte man im Reich der Ottonen keine feste Residenz und regierte "aus dem Sattel". Der Herrscher zog mit Familie und großem Gefolge durch das Land, um seine Macht mit persönlicher Präsenz durchzusetzen. Man verweilte in Pfalzen und Klöstern, die längst nicht mit dem Luxus eines byzantinischen Palastes ausgestattet waren.

Keine willfährige Schwiegertochter

Auf dem Oster-Hoftag 973 in Quedlinburg stellte Kaiser Otto der Große den Gesandten aus ganz Europa stolz seine byzantinische Errungenschaft vor und zelebrierte damit den Höhepunkt seiner Laufbahn. Doch noch im selben Jahr starb er in seiner Lieblingspfalz Memleben.

An der Seite ihres Mannes, Kaiser Ottos II., übernahm Theophanu die Herrschaft im Reich. Das jugendliche Alter des neuen Herrscherpaares weckte schnell Begehrlichkeiten, und innenpolitische Konflikte bahnten sich an. Zudem kam es zum Zerwürfnis zwischen den Kaiserinnen Adelheid und Theophanu. Mit ihr hatte keine willfährige Schwiegertochter in die Familie eingeheiratet, sondern eine Frau, die mit Macht durchaus umzugehen wusste und die Verantwortung, die ihr übertragen wurde, annahm. Dies bekam auch Bayernherzog Heinrich, ein Vetter des Kaisers und Günstling der Adelheid, bald zu spüren. Bei der Neubesetzung des Herzogtums Schwaben überging man seine Interessen und vergab den Posten an einen anderen, was einem Affront gleichkam. Daraufhin zettelte Heinrich einen Aufstand an. Obwohl er gefangen genommen wurde und nach Utrecht in die Verbannung geschickt wurde, sollte das noch nicht das Ende des Konflikts sein. Adelheid zog sich zunächst in ihre Heimat, nach Burgund, und später in ihre italienische Pfalz Pavia zurück.

Als viertes Kind des Kaiserpaares kam 980 endlich der lang ersehnte Sohn zur Welt, der wie Vater und Großvater den Namen Otto erhielt. Anders als die drei Töchter, die schon früh in die klösterliche Erziehung der Stifte Quedlinburg, Gandersheim und Essen gegeben worden waren, blieb der Sohn und Thronfolger in der Obhut des Kaiserpaares. Noch im selben Jahr zog Otto II. mit einem großen Heer nach Italien, um dort seinen kaiserlichen Machtanspruch gegen arabische Übergriffe zu verteidigen. Zusammen mit dem vier Monate alten Sohn begleitete ihn Theophanu. Angesichts der drohenden Gefahr gelang in Pavia eine Aussöhnung mit Adelheid. Die Entscheidungsschlacht gegen die Araber am 13. Juli 982 bei Cotrone endete allerdings mit einer katastrophalen Niederlage. Nur knapp entrann der Kaiser dem Tod.

Im Angesicht dieser gefährlichen Situation wurde Pfingsten 983 in Verona ein großer Reichstag einberufen. Die deutschen und italienischen Großen wählten den dreijährigen Sohn Ottos II. zum Mitkönig. So sollte für den Fall, dass der Kaiser stirbt, ein Kampf um die Nachfolge verhindert werden. Vorsicht war geboten, denn Theophanus Gemahl hatte sich in Süditalien mit Malaria infiziert. Den jungen König vertraute man Erzbischof Willigis von Mainz an, der ihn mit nach Aachen, zum traditionellen Krönungsort des Reiches, nahm.

Heinrich der Zänker entführt den Thronfolger

Als Otto II. noch im Dezember des Jahres wirklich starb, brach für Theophanu eine Welt zusammen. Sie ließ ihn in Rom beisetzen und begab sich zu Adelheid nach Pavia. Ihr Sohn war zur selben Zeit als Otto III. in Aachen zum König gekrönt worden. Noch während der Feierlichkeiten soll die Nachricht vom Tod seines Vaters eingetroffen sein.

Die Ereignisse riefen abermals Heinrich von Bayern auf den Plan, welcher der nächste männliche Verwandte des Thronfolgers war. Der betrachtete sich nach germanischem Recht als legitimer Vormund und brachte den jungen König und dessen Schwester in seine Gewalt. Heinrich, dessen Beiname später "der Zänker" lauten würde, gelang es, viele Anhänger zu gewinnen. Ostern 984 ließ er sich in Quedlinburg bereits als König huldigen. Unterdessen organisierte Erzbischof Willigis den Widerstand gegen Heinrich, ließ die Fürsten auf Otto III. schwören und unterrichtete Theophanu, die sich noch immer in Italien aufhielt. Nach schweren Kämpfen und zähen Verhandlungen gab Heinrich schließlich sein Vorhaben auf. Am 29. Juni 984 gab er Theophanu in der thüringischen Pfalz Rohr bei Meiningen ihren Sohn zurück und huldigte Otto III.

Theophanu übernahm die Vormundschaft über den König und führte die Regierungsgeschäfte. Auf dem Hoftag in Quedlinburg 986 demonstrierte die Kaiserin ihre wiedererlangte Macht. Drei Jahre später zog sie mit nur kleinem Gefolge erneut über die Alpen nach Rom und gewann den Papst für die noch ausstehende Kaiserkrönung ihres Sohnes. Von dort aus knüpfte sie Kontakte nach Osteuropa – nach Böhmen, Russland, Ungarn und Polen. Theophanu schuf so erste Grundlagen für eine Art europäisches Staatensystem, auf welche Otto III. später aufbauen konnte.

Gebildete, selbstbewusste Herrscherin

Von nun an stellte sie Urkunden offiziell als "imperatrix augusta" oder gar in der männlichen Form als "theophanuius imperator augustus" aus. In ihren letzten Lebensjahren konnte sie die Herrschaft für ihren Sohn sichern und die Grenzen des Reiches verteidigen. Theophanu starb am 15. Juni 991 in der Pfalz Nimwegen Nijmegen). Auf eigenen Wunsch wurde sie im Kölner Kloster St. Pantaleon beigesetzt, wo heute noch ihr Grab zu sehen ist.

Theophanu ist eine der bedeutendsten weiblichen Herrschergestalten des Mittelalters, die sich mit ausgeprägtem Selbstbewusstsein in Konflikten durchzusetzen vermochte. Schilderungen ihrer Eleganz, ihrer fremdländischen Erscheinung, der Pracht ihrer Kleidung begegnen uns in den zeitgenössischen Quellen. Am byzantinischen Kaiserhof hatte sie eine ausgezeichnete Bildung genossen, beherrschte mehrere Sprachen und zeigte sich im Umgang mit Diplomaten und Staatsmännern sehr gewandt.

Dass ihr Nachruhm lange Zeit weit hinter dem großer Kriegsherren zurückstand, ist vielleicht gerade in der friedvollen, auf Versöhnung gerichteten Politik der stolzen und selbstbewussten Kaiserin begründet. So aber konnte sie ihrem Sohn Otto III. das Reich erhalten, Gegner im Innern wie Heinrich den Zänker bändigen und nach außen Stärke demonstrieren.


Geschichte Mitteldeutschlands 2004: Literatur zu Theophanu


Zuletzt aktualisiert: 08. Oktober 2010, 13:32 Uhr

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