Personen

Konrad von Wettin

(1098-1157)

Konrad kam 1098 als Sohn der Ida von Northeim und des Grafen Thimo von Wettin zur Welt. War seine Mutter eine bayrische Herzogstochter, so entstammte Vater Thimo einer Adelsfamilie, die vor allem im Raum zwischen Saale und Elbe, im Osten des Römisch-Deutschen Reiches, begütert war. Nach dem frühen Tod des Vaters geboten Konrad und sein älterer Bruder Dedo zunächst nur über das Gebiet um die Burg Wettin nördlich von Halle.

Daneben war Konrad Vogt des Wettin nahe gelegenen Klosters Gerbstedt, der alten Grablege seiner Familie. Wie schon sein Vater, war er auch Vogt der Bischofskirche in Naumburg. Die Verbindungen der frühen Wettiner zum Naumburger Bistum waren eng und so verwundert es kaum, dass sowohl Konrads Vater als auch zwei seiner Vettern zum Ensemble der Stifterfiguren des Naumburger Doms gehören. Um das Jahr 1116 erbte er von jenen Vettern die Grafschaften Brehna und Camburg und heiratete Liutgard, die Tochter eines süddeutschen Grafen.

In den kommenden Jahren vergrößerte Konrad stetig seinen Besitz. Profitierte er zum einen vom frühen Ableben seiner Verwandten, so stand er zum anderen beim politischen Taktieren zumeist auf der richtigen Seite.

Überraschend starb 1123 Markgraf Heinrich von Meißen und der Lausitz – ebenfalls ein Verwandter von Konrad. Doch nicht er, sondern Graf Wiprecht von Groitzsch, erhielt die beiden Gebiete aus der Hand des Kaisers. Dieser Entscheidung widersetzte sich Konrad, und zusammen mit anderen sächsischen Fürsten, angeführt von Herzog Lothar, vertrieb er den Groitzscher. Einem Putsch gleich kam die anschließende Belehnung Konrads mit der Mark Meißen durch Lothar, denn dies war allein kaiserliches Recht. Doch mit dem Tode Wiprechts und des Kaisers in den folgenden zwei Jahren, sowie der anschließenden Königswahl Lothars festigte sich Konrads Position sehr schnell.

Neben der Erweiterung seiner weltlichen Güter widmete sich Konrad der Pflege seines Seelenheils und vollendete 1124, nach dem Tod seines Bruders Dedo, die Gründung des Augustiner-Chorherrenstifts auf dem Petersberg bei Halle. Dieses Stift, von Konrad und seiner Gemahlin mit reichlich Land und anderen Gütern beschenkt, sollte Kloster Gerbstedt als religiösen Mittelpunkt des Familienverbandes ablösen. Dort sollte für das Seelenheil der Stifterfamilie gebetet werden, dort sollten später Konrad und seine Nachkommen ihr Grab finden. Gleichzeitig gedachte der Markgraf, die Chorherren für die Mission zu engagieren, um das überwiegend von "heidnischen" Slawen besiedelte Gebiet östlich der Saale zu christianisieren. Diese Absicht verfolgte Konrad später auch auf dem so genannten "Wendenkreuzzug" von 1147, als er zusammen mit Markgraf Albrecht dem Bären in das Slawengebiet nordöstlich der Elbe einfiel. Eigentliches Ziel der Unternehmung war jedoch die Eroberung des Landes. Doch nach erfolgloser Belagerung der Burg Demmin scheiterte der Kreuzzug kläglich.

Konrad, der seit 1136 auch über die Mark Lausitz und seit 1143 über die Grafschaften Rochlitz und Groitzsch gebot, nahm durch die Niederlage keinen wesentlichen Schaden. Sein Selbstbewusstsein äußerte sich in einem Schreiben an den Papst, in dem er sich als "durch Gottes Gnade unter den Fürsten Sachsens alleiniger Besitzer und Schützer der Meißnischen Mark" bezeichnete. Damit betonte Konrad klar, seine Macht nicht von Kaisers oder Königs Gnaden erhalten zu haben und unterstrich die Unabhängigkeit von seinem obersten Lehnsherrn. Es war kein zusammenhängendes Gebiet im heutigen Sinne, über das Konrad von Wettin gebot, vielmehr eine verstreute Zahl von Ländern, Gütern und Ämtern. Doch legte er damit das Fundament für den späteren Aufbau einer wettinischen Landesherrschaft.

Abgesehen vom gescheiterten Kreuzzug gegen die Slawen, beteiligte sich Konrad nur selten an militärischen Unternehmungen. Vor allem als Gegenleistung für die Belehnung mit der Mark Lausitz zog er 1136 mit Kaiser Lothar nach Italien. Als der auf der Rückreise starb, verlor Konrad einen engen Verbündeten. Doch auch mit dem neuen König, dem Staufer Konrad III., verbindet ihn alsbald das Bemühen um die Machterhaltung im Osten des Reiches. Es gehörte zu seinem Konzept, sich die Sympathien der Herrscher zu sichern, sei es durch Schenkungen oder geschickte Heiratspolitik. So überließ er dem Staufer das süddeutsche Kloster Elchingen aus dem Besitz seiner Gemahlin Liutgard.

Auch mit anderen bedeutenden Fürsten spann Konrad ein feinmaschiges Netz verwandtschaftlicher Beziehungen. So vermählte er seinen ältesten Sohn Otto mit der Tochter Albrechts des Bären, des Markgrafen der Nordmark. Dessen Sohn wiederum ehelichte später Konrads Tochter Adela. Geschickt verband der Wettiner damit sein Haus mit dem der Askanier und schuf eine starke Allianz der damals mächtigsten Adelshäuser im Osten des Reiches. Ebenfalls durch Heirat zweier seiner Kinder baute er Kontakte nach Dänemark und Polen auf. Weitere Verwandte lancierte Konrad geschickt auf einflussreiche Posten. So unterstützte er 1149 als Vogt in Naumburg seinen Neffen Wichmann bei der Wahl zum dortigen Bischof und drei Jahre später auch dessen Aufstieg zum Erzbischof von Magdeburg.

Ende des Jahres 1156 legte Markgraf Konrad im Dom zu Meißen im Beisein der dortigen Geistlichkeit und seiner adligen Gefolgsleute in einem symbolischen Akt Schild und Schwert, die Zeichen seiner Macht, nieder und begab sich zum Petersberg, um als Laienbruder in das Stift der Augustiner-Chorherren einzutreten.
Konrads fünf Söhne, Markgraf Albrecht der Bär, Erzbischof Wichmann und andere Verbündete und Verwandte waren zugegen, als er dort am 30. November 1156 das weltliche Gewand mit dem geistlichen tauschte. Sorgfältig hatte er zuvor die Nachfolge geregelt und alle Güter unter seinen Söhnen aufgeteilt. Otto, der älteste, erhielt die Mark Meißen, die Lausitz und Eilenburg fielen an Dietrich, Groitzsch und Rochlitz an Dedo, Brehna gehörte fortan Friedrich, und Sohn Heinrich durfte sich nun Graf von Wettin nennen.

Konrad gab auch seine Lehen ohne Zustimmung des Königs an die Söhne weiter, er vererbte sie wie persönliches Eigentum. Die stillschweigende Tolerierung des Akts unterstreicht einmal mehr die Macht des Wettiners. Die Sorge für das Petersberger Stift übertrug er allen Söhnen, denn es sollte weiterhin religiöses Zentrum und Grabstätte aller Nachkommen des Hauses sein. Nur zwei Monate, nachdem er der Macht entsagte, starb Konrad von Wettin am 5. Februar 1157 im für damalige Zeiten gesegneten Alter von knapp 60 Jahren. Begraben wurde er neben seiner Frau Liutgard in der Stiftskirche auf dem Petersberg.

Mit Tatkraft legte Konrad den Grundstein für den Aufstieg seiner Familie zu einem der führenden Adelshäuser des Römisch-Deutschen Reiches. Ihm letztendlich verdanken die Wettiner überhaupt erst ihren Namen. Zu Recht sieht ihn die Nachwelt als Stammvater der sächsischen Könige – bildhaft manifestiert im Dresdner Fürstenzug, den niemand anderes als Konrad von Wettin anführt.

Zuletzt aktualisiert: 08. Oktober 2010, 13:39 Uhr

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