Zeitreise Mitteldeutschland | Station 10 : Neuanfang 1989 bis heute
Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen im wiedervereinigten Deutschland und in Europa.
Die Jahre 1989 und 1990 bedeuten zum einen den Sturz der SED-Herrschaft und das Scheitern eines "sozialistischen Traums", zum anderen das Ende der Deutschen Demokratischen Republik als Staat und die Vereinigung mit der Bundesrepublik Deutschland.
Die 1952 nach fünfjähriger Existenz wieder abgeschafften mitteldeutschen Länder entstehen als Freistaaten Sachsen und Thüringen und Land Sachsen-Anhalt neu. Politisch-geographisch wird an die Festlegungen von 1947 angeknüpft, verfassungsrechtlich orientiert man sich an der Zeit vor 1933. Das Gebiet Thüringens ist um den Regierungsbezirk Erfurt vergrößert, der früher zur preußischen Provinz Sachsen gehörte. Diese und der ehemalige Freistaat Anhalt bilden das Land Sachsen-Anhalt.
Mitteldeutschland befindet sich noch immer in einem umfassenden Wandlungsprozess, der sich nun vor allem im wirtschaftlichen und auch sozialen Bereich vollzieht. Äußerlich finden sich kaum noch Spuren des untergegangenen Gesellschaftssystems DDR. Doch bereitet die Angleichung an marktwirtschaftliche Bedingungen große Schwierigkeiten. Der überwiegende Teil der Industriebetriebe und landwirtschaftlichen Einrichtungen der DDR existiert nicht mehr. Das Wirtschaftsleben vollzieht sich heute zunehmend in kleineren und mittelständischen Dimensionen. Die Ansiedlung, Neugründung und der laufende Betrieb großer Industriekomplexe bedarf oft enormer Fördersummen. Zukunftsträchtig für die hiesige Region scheint vor allem der Dienstleistungssektor zu sein, wobei namhafte Unternehmen der Automobilbranche und der Mikroelektronik den Weg (zurück) nach Mitteldeutschland gefunden haben. Die Arbeitslosigkeit bleibt damit in Mitteldeutschland eines der brisantesten Themen. Daraus resultiert die noch immer anhaltende Wanderungsbewegung von Ost nach West, verbunden mit Problemen der Identitätsfindung.
Andererseits ist der mitteldeutsche Raum auch Bestandteil der europäischen Integrationsbewegung und steht damit auf Grund seiner geographischen Lage vor der großen Aufgabe, ein Bindeglied zwischen dem westlichen und dem östlichen Europa zu werden.
