Gotthold Ephraim Lessing
(1729-1781)
Als drittes Kind von Justine Salome und Johann Gottfried Lessing kam Gotthold Ephraim am 22. Januar 1729 in Kamenz zur Welt. Nachdem er in Meißen an der Fürstenschule St. Afra seine überaus strenge und elitäre Ausbildung mit glänzenden Leistungen abgeschlossen hatte, brach er radikal mit dem Geist seines patriarchalischen und streitbaren Elternhauses.
In den Freiräumen, die ihm sein Studium an der Theologischen Fakultät der Leipziger Universität bot, befreite er sich endgültig von überkommenen Traditionen. Hier gab er sich einem bohèmeartigen Literatenleben hin und machte, angeblich unter dem Eindruck einer Affäre mit einer Schauspielerin, mit den revolutionären Aufführungen des Neuberschen Theaters Bekanntschaft. Nach ersten schriftstellerischen Versuchen, die bereits in seine Schulzeit fielen, gelang Lessing ein kleiner Bühnenerfolg mit seinem Stück "Der junge Gelehrte", das von der Theatergruppe der Friederike Caroline Neuber aufgeführt wurde.
Den Wunsch des Vaters, das Studium der Theologie schnell zu beenden, erfüllte Lessing nicht. Er widmete sich eher verschiedenen Themen und Vorlesungen, zum Beispiel dem Besuch der Vorlesungen des berühmten Archäologen Johann Joachim Winckelmann.
Auf der Flucht vor seinen Gläubigern musste Lessing 1748 Leipzig verlassen. Nach einer kurzen Episode in Wittenberg kam der junge Gelehrte nach Berlin, in die Stadt des aufgeklärten Journalismus. Hier fand er eine Anstellung als Rezensent und Wissenschaftsredakteur bei der "Berlinischen Privilegierten Zeitung". Nebenbei beschäftigte sich Lessing mit Übersetzungen und gründete eine Theaterzeitschrift. Mit seinen Freunden Friedrich Nicolai und Moses Mendelssohn kam es bald zu aufklärerischen Diskursen, bei denen er Anregungen für seine schriftstellerischen Arbeiten fand.
Durch seine Beiträge in der Theaterzeitschrift und die Auseinandersetzung mit den Ideen Aristoteles’ und Shakespeares machte Lessing die Dramentheorie zu seinem Metier. Lessings Kritiken in den "Beiträgen zur Historie und Aufnahme des Theaters" verbanden Aufführungskriterien mit dramengeschichtlichen Erörterungen. In zahlreichen Briefen wandten sich die Leser an den Herausgeber Lessing, einige holten sich Ratschläge und Kritik zu ihren eigenen Werken. Bald war sein Einfluss so groß, dass von seinen Stellungnahmen Erfolg oder Misserfolg eines Stückes abhingen. "Sagt er die Schrift sey gut, so druckt sie jedermann", so ein Zeitgenosse Lessings 1755. Daneben schrieb er weiterhin Gedichte, Fabeln und Erzählungen und konnte bereits als 24jähriger eine sechsbändige Ausgabe seiner Werke herausgeben. Seine Bildungsreise durch Europa musste er wegen des Siebenjährigen Krieges abbrechen und von Amsterdam nach Berlin zurückkehren.
In seinen "Briefen die Neueste Litteratur betreffend", die er 1759 zusammen mit Friedrich Nicolai und Moses Mendelssohn herausgab, erklärte sich Lessing zum ersten Mal deutlich gegen die französische Klassik und Johann Christoph Gottsched und für Shakespeare. Mit der Herausgabe der "Briefe", die gemeinsam mit der "Hamburgischen Dramaturgie" zur eigentlichen theoretischen Grundlegung des deutschen Dramas wurden, beendete Lessing seine journalistische Laufbahn.
Geldschwierigkeiten bewegten ihn schließlich zur Annahme einer festen Stelle als Sekretär des preußischen Generals Bogislaw von Tauentzien in Breslau. Hier entstand 1767 sein berühmtes Drama "Minna von Barnhelm", dem die kunsttheoretische Schrift "Laokoon oder über die Grenzen der Malerei und Poesie" 1766 ideengeschichtlich vorausgegangen war.
1767, auf der Flucht vor sich selbst und den Zwängen des bürgerlichen Lebens verließ Lessing Breslau, um abermals nach Berlin zurückzukehren. Es hielt ihn aber nicht lange, denn in Hamburg bot man ihm die Chance, als Dramaturg und Stückeschreiber des neu gegründeten Hamburger Nationaltheaters ein Auskommen zu finden. Das ehrgeizige Projekt wollte deutsche Dramatiker fördern, die Ausbildung der Schauspieler garantieren und ein niveauvolles Repertoire bieten. Doch das Publikum und der finanzielle Erfolg blieben aus.
Lessing ging als Bibliothekar in das einsame Wolfenbüttel. Die Theologie und der Entschluss 1776 eine Familie zu gründen, erleichterten ihm diese Entscheidung, doch schon nach zwei Jahren wurde ihm die geliebte Frau, Eva König, entrissen. Lessing selbst plagte seit einigen Jahren eine Krankheit, die ihn mehr und mehr behinderte.
Dennoch hatte er Kraft genug, auch nach vielen literarischen Kämpfen sich dem gefährlichsten Gegner zu stellen: der lutherischen Orthodoxie. Lessing wurde in Hamburg ein antidogmatisches, radikal aufklärerisches Manuskript von Samuel Reimarus übergeben. Er ließ es, ohne mit seinem Inhalt voll überein zu stimmen, als "Fragmente eines Unbekannten" 1774 erscheinen. Die "Fragmente" führten zu einer ungeheuren Erregung, wurde in ihnen doch die göttliche Natur Christi bestritten. Der Hamburger Hauptpastor Johann Melchior Goeze gab eine heftige Antwort. Lessing erwiderte mit den sehr ironischen "Anti-Goezes". Der Herzog von Braunschweig schützte Lessing zwar, musste ihm aber die weitere theologische Publizistik unter dem Druck der Kirche untersagen.
Mit "Nathan der Weise", seinem wohl bekanntesten Drama, wich Lessing 1779 in die Dichtung aus. Nur zwei Jahre später, am 15. Februar 1781, starb er vereinsamt in Braunschweig.
Zuletzt aktualisiert: 18. September 2007, 10:56 Uhr
