Glaubwürdig | MDR FERNSEHEN | samstags | 18:45 Uhr Die Porträts in den kommenden Wochen

"Glaubwürdig" zeigt Porträts von Menschen, die sich für etwas einsetzen oder sich für andere engagieren, die etwas Besonderes erlebt oder erlitten haben und die auf Zeichen der Hoffnung und der Nächstenliebe setzen. Diese Porträts sehen Sie demnächst.

Das Programm zu Weihnacht und Neujahr


14.01.2016: Susanna Nierth

Ein Polizeifahrzeug vor dem Ortseingangsschild von Tröglitz
Bildrechte: IMAGO

Susanna Nierth hat eine anstrengende Zeit hinter sich. Vergangenes Jahr im März trat ihr Mann Markus als ehrenamtlicher Bürgermeister im kleinen Dorf Tröglitz in Sachsen-Anhalt zurück. Rechtsextreme wollten direkt vor dem Wohnhaus der Nierths gegen eine geplante Flüchtlingsunterkunft im Ort demonstrieren. Polizei und Politik sahen sich nicht in der Lage, daran etwas zu ändern. Der Fall sorgte bundesweit für Aufsehen. Susanna Nierth und ihr Mann gaben ein Interview nach dem anderen, erklärten, dass es ihre christliche Pflicht sei, Flüchtlinge im Ort aufzunehmen.

Doch die geplante Neo-Nazi-Demo war erst der Anfang. Eines Tages fand Susanna Nierth in ihrem Postkasten einen Schmähbrief. Viele weitere solcher Sendungen folgten, unter ihnen auch Morddrohungen. Zu diesem Zeitpunkt begann auch die Christin Susanna zu zweifeln: Gott, sind wir in Tröglitz noch richtig?

Familie Nierth blieb und die Flüchtlinge kamen - trotz massiver Skepsis vieler Bürger im Ort. Die Nierths wollen, dass sich die rund 20 Flüchtlinge in dem Ort willkommen fühlen. Für sie steht ihre Tür immer offen. Fast täglich treffen sich auf ihrem Hof deutsche und Flüchtlingskinder zum Spielen.

Trotz all des Trubels fühlt sich Susanna Nierth isoliert. Nur noch selten traut sie sich, durch Tröglitz zu gehen. Zu oft schon musste sie Beleidigungen ertragen. Auch beruflich werden die Nierths gemieden. Die Kurse von Tanzlehrerin Susanna werden kaum noch gebucht. Auch ihr Mann Markus bekommt das bei seiner Arbeit als Trauerredner zu spüren. Doch Susanna Nierth will nicht aufgeben. Noch, sagt sie, gibt ihr Gott genügend Kraft.

Zuletzt aktualisiert: 07. Januar 2014, 11:46 Uhr