Glaubwürdig vom 04.02.2012 : Lutz Rathenow - Aus der Opposition "ins Amt"
In der DDR ein aktiver Oppositioneller, war der Schriftsteller Lutz Rathenow ab Mitte der 1970er-Jahre im Visier der Staatssicherheit. Über 20 Jahre später wurde er Sächsischer Landesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen.
Lutz Rathenow ist 59 Jahre alt, als er erstmals ein "richtiges" Amt einnimmt. Die neue Position als Landesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen in Sachsen scheint gleichwohl eine passende Fortsetzung seines Lebens als Schriftsteller:
In der DDR tat er sich keinen Zwang an, schrieb so frei über die Dinge, dass er zwangsläufig in der Opposition landen musste. Dort brachte er schon früh die zwei Gruppen zusammen, die ihm wichtig waren: Die Szene der unabhängigen jungen Künstler und Dichter mit regimekritischen Kirchenkreisen. In Jena fiel er der Staatsmacht damit schon auf, später in Ost-Berlin gehörte er zu den namhaften Akteuren der Opposition. Er sprach bei kirchlichen Veranstaltungen, las in evangelischen und katholischen Studentengemeinden.
Lutz Rathenow ließ sich nicht in den Westen drängen und strebte auch nach 1990 kein Amt an. Lieber wollte er Schriftsteller sein und sich in die Debatten einmischen. Doch zu Jahresbeginn 2011 entdeckten ihn sächsische Landespolitiker als rettende Besetzung für den vakanten Posten des Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen. Seine Glaubwürdigkeit sollte das Amt retten, dessen Ansehen zuvor in kleinlichem Parteienstreit schwer angeschlagen wurde. Rathenow nahm die Herausforderung im März 2011 an.
Neben der Betroffenen-Beratung kümmert er sich als Landesbeauftragter für die Stasi-Auflagen auch um die weitere Aufklärung der DDR-Vergangenheit, besucht Schulen und begleitet Wanderausstellungen rund ums Thema. Was es heißt, überwacht, verhaftet und von der Stasi verhört zu werden, weiß er schließlich aus eigenem Erleben.
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