Glaubwürdig vom 14.07.2012 : Reglindis Schütze: An die eigene Stärke glauben
Acht Jahre hat Reglindis Schütze ihre demenzkranke Mutter gepflegt - bis zu deren Tod. Ein Spagat für die freischaffende Keramikerin und alleinerziehende Mutter. Kraft fand sie im Glauben und einer Selbsthilfegruppe, deren Leitung sie schließlich übernahm.
Reglindis Schütze leitet die Alzheimer-Selbsthilfegruppe Merseburg. Bis zur Wende arbeitete sie als festangestellte Keramikerin. Dann wagte sie den Sprung in die freiberufliche Existenz, baute ein Haus um, eröffnete ein Geschäft. Ohne ihre Mutter hätte sie all das niemals geschafft.
Die Mutter - einst Lehrerin - war immer die starke Frau in der Familie, sie zog die Tochter groß und erfüllte sich den Traum vom kleinen Haus im Grünen, verputzte die Wände selbst, deckte das Dach. Doch dann wurde aus der energischen Mutter plötzlich eine zänkische Frau, die sich merkwürdig verhielt, Streit suchte, den beiden Enkeln vorwarf, ihre Sachen zu verstecken. Reglindis Schütze musste erkennen, dass ihre Mutter an Alzheimer erkrankt ist. Schleichend verschlimmerte sich ihr Zustand. So suchte Reglindis Schütze Rat beim Paritätischen Wohlfahrtsverband Sachsen-Anhalt, der Angehörige von Demenzkranken berät. In einer Selbsthilfegruppe erfuhr sie, wie es anderen geht.
Acht Jahre hat Reglindis Schütze ihre demenzkranke Mutter gepflegt - bis zu deren Tod. Das war ein Spagat für die alleinerziehende Mutter und Keramikerin, die am Wochenende ihre Kunst auf den Märkten in Sachsen-Anhalt anbietet. Sie hatte immer das Gefühl, entweder der kranken Mutter, den beiden Kindern oder der Arbeit nicht gerecht zu werden. Dabei ist Reglindis Schütze überzeugt: Vielen verzweifelten Angehörigen könnte besser geholfen werden, wenn sie mehr über diese Krankheit wüssten, die man allgemein mit "Demenz" umschreibt. Selbst die Hausärzte wüssten oft zu wenig über diese Entwicklung, die aus einem geliebten Angehörigen urplötzlich ein kindhaftes Wesen macht.
Die Protestantin beschloss, nicht nur für ihre Mutter da zu sein. Als die Selbsthilfegruppe auseinanderzubrechen drohte, übernahm sie die Leitung. Auch als ihre Mutter starb, blieb sie bei ihrem Engagement, weil sie andere ermutigen will, an die eigene Stärke zu glauben.
