David Garrett, 2012
Vertieft am Instrument: David Garrett. Bildrechte: dpa

David Garrett bei der Goldenen Henne Wunderkind und Geigenrebell

Regelmäßig feiert die Klassik ihre Wunderkinder - außergewöhnliche Talente, die klassische Komponisten so einfühlsam interpretieren wie es vorher noch niemand vermochte. Auch David Garrett, Sohn eines Geigenlehrers und einer Ballett-Tänzerin, war ein solches Wunderkind - bis er sich mit der Geige den Vorlagen der größten Popstars angenommen hat.

David Garrett, 2012
Vertieft am Instrument: David Garrett. Bildrechte: dpa

Es war 2007 als David Garrett mit der Klassik im engeren Sinn Schluss machte und seine erste Crossover-Platte "Virtuoso" veröffentlichte. Die Jahre zuvor waren eine Zäsur im Leben des Sohnes eines Geigenlehrers, der ihn im Alter von vier Jahren begann an dem Instrument zu unterrichten. Denn bereits in den 90er-Jahren hatte Garrett alles erreicht: Der 1980 Geborene spielte Klassik-Alben ein - etwa Violinkonzerte und Sonaten von Mozart - für die ihn der Feuilleton feierte, ja hochleben ließ.

Im Korsett des Kulturbetriebs

Cover der CD 'Rock Revolution'
Die neue Rolle des David Garrett: der Geigenrebell. Bildrechte: Handout/Universal Music/dpa/Collage MDR.DE

Er stand bei der Deutschen Grammophon, der Instanz unter den deutschen Plattenfirmen für Klassik, unter Vertrag, spielte sowohl mit den Münchner als auch mit den Berliner Philharmonikern und wurde von Richard von Weizsäcker während dessen Amtszeit als Bundespräsident in die "Villa Hammerschmidt" eingeladen. Höher kann man in der bürgerlichen Kultur kaum aufsteigen.

Doch David Garrett wollte sich freimachen von der Enge der gestiegenen Anforderungen und Erwartungen an ihn. Er besuchte ab 1999 die renommierte Juilliard School in New York, nahm dort ein Musikstudium auf und begann damit seine Karriere in die eigenen Hände zu nehmen. Das teure Studium finanzierte er mit verschiedenen Jobs.

Raus aus dem Elfenbeinturm

Doch es sollte bis 2007 dauern, bis Garrett der erneute Durchbruch gelingen sollte - mit anderem Image und anderem Ansatz. Er öffnete sich einem größeren Publikum, indem er begann Crossover-Platten aufzunehmen, auf denen er Vorlagen aus der Pop-Welt mit klassischer Instrumentierung einspielt und indem er eine völlig neue Art Klassik-Konzert etablierte. Das war nicht nach dem Geschmack des Feuilletons, das begann, den Verlust eines der größten Talente der Klassik zu beklagen. Dass er in einer britischen Fernseh-Show Rimski-Korsakows "Hummelflug" so schnell spielte wie niemand vor ihm und er diesen Rekord später nochmals unterbot, half ihm nicht unbedingt seinen Ruf bei der Klassik-Kritik wiederherzustellen.

Von der Kritik verrissen, vom Publikum geliebt - mit diesem Schicksal kann sich David Garrett seither allerdings ganz gut anfreunden. Mit seiner Wunderkind-Geschichte fällt ihm dies sicher leichter als anderen, für das Publikum macht ihn seine Vergangenheit nur noch attraktiver. Und so reißt er die Grenzen zwischen Rock und Pop auf der einen und Klassik auf der anderen Seite mit jedem neuen Album ein Stück weiter ein.

Im September ist "Rock Revolution" erschienen, wo David Garrett absolute Klassiker der Pop- und Rockgeschichte mit seiner Violine intoniert. Einen Vorgeschmack auf das Album gab es bereits bei der letzten Henne-Gala, als Garrett das Publikum mit Prince' Hit "Purple Rain" von den Sitzen riss. Und dieses Jahr wird David Garrett ein weiteres Beispiel seiner Kunst geben, Denkmale der Popgeschichte mit seinen Mitteln neu zu interpretieren.

David Garret tritt auf bei der Goldenen Henne | MDR & rbb | 13.10.2017 | ab 19:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Oktober 2017, 15:52 Uhr