Echt oder Fake? - Sonderschau im Händel-Haus Halle Soll das Händel sein?

Eine Sonderschau am vermeintlich authentischen Ort zeigt, wie fließend mitunter die Grenzen zwischen Original und Fälschung sind. Ausgerechnet zum Geburtstag des Barock-Komponisten am 23. Februar wird sie eröffnet.

"Echt oder Fake - Bei uns ist alles Original" - klingt paradox, doch genau so ist es im Händel-Haus. Das Museum schaut genauer auf die eigenen Bestände und zeigt, wie fließend mitunter die Grenzen sind. Direktor Clemens Birnbaum findet die Schau, die am Donnerstag startet, vor dem Hintergrund der derzeitigen Debatten um Urheberrecht und Fake News hochaktuell.

"Korrigiert & verziert von seiner eigenen Hand"

Georg Friedrich Händel? Auf einer Auktion ersteigert, aber noch nicht verifiziert.
Händel oder nicht? Das Gemälde aus den Beständen. Bildrechte: Stiftung Händel-Haus

Um ein Beispiel zu geben, verweist er auf ein Bildnis des Barock-Komponisten. Die Stiftung Händel-Haus ersteigerte das Gemälde bei einer Auktion. Von den Farben her könnte es Birnbaum zufolge aus der Händel-Zeit stammen.

Nur sei noch nicht endgültig erforscht, ob auf dem Bild wirklich Händel zu sehen sei. Tatsächlich bekam der Maler ihn selbst nie zu Gesicht.

Echt oder Fake? Sonderschau im Händel-Haus.
Kurator Karl Altenburg an einer der Hörstationen, im Hintergrund eine Filmprojektion, die über Plagiate in der Komposition informiert. Bildrechte: Händel-Haus Halle

Auch musikalisch gesehen ist nicht alles der pure Händel, erklärt Birnbaum. Der Komponist "zitierte" öfter Zeitgenossen. Zugleich war er selbst clever genug, seine Werke vor Raubdrucken zu schützen. Oft waren die schon kurz nach der Uraufführung seiner Werke in Umlauf, so dass ihm und seinen Verlegern Einnahmen entgingen.

1720 ließ sich Händel ein Privileg des Königs ausstellen, das ihm für 14 Jahre das alleinige Recht zum Druck und Vertrieb seiner Werke sicherte.

Echt oder Fake? Sonderschau im Händel-Haus.
Das zierliche Virginal sieht altehrwürdig und ziemlich original aus. Nur der äußere Kasten nicht. Bildrechte: Händel-Haus Halle

"Korrigiert & verziert von seiner eigenen Hand" stand fortan auf den Titelseiten der Partituren. Auch Instrumente oder das Händel-Haus selber kommen in der Schau auf den Prüfstand. Das barocke Treppengeländer dürfte der junge Händel vielleicht täglich mit eigenen Händen berührt haben.

Doch wieviel originale Bausubstanz steckt noch heute im Geburtshaus, das sich als authentischer Ort präsentiert?

Ausblick auf die Händelfestspiele

Echt oder Fake? Sonderschau im Händel-Haus.
Kuratorin Christiane Barth schaut auf ein Modell des Händel-Hauses. Bildrechte: Händel-Haus Halle

Konzipiert ist die Schau, die bis zum 10. Januar 2018 zu sehen ist, im Hinblick auf die Händel-Festspiele, die vom 26. Mai bis zum 11. Juni unter dem Motto "Original? - Fälschung?" stehen. So werden zwei Fassungen von "Acis und Galatea" aufgeführt als Beispiel für ein Werk, zu dem sich Händel von anderen Künstlern inspirieren ließ. Zu hören sind außerdem zwei Fassungen seines Oratoriums "Messias", die beide von ihm stammen.

"Die Menschen sollen sich selbst ein Urteil bilden und auf die Musik hören", empfiehlt Birnbaum.

Malen Sie sich Ihren Händel!

Echt oder Fake? Sonderschau im Händel-Haus.
Händel, wie ihn die Hallenser Künstlerin Barbara Dimanski sieht Bildrechte: Händel-Haus Halle

Und - das darf natürlich, um hochaktuell zu sein, nicht fehlen: Sie können sich bei einer Mitmach-Aktion auch noch ihren alternativen Händel malen. Vier Motive, gestaltet von Rebekka Rauschhardt und Björn Hermann vom Verein "sichtbar - zeitgenössische Kunst", gibt es zur Anregung. Wer sein Werk bis zum 7. April einsendet, kann es später während der Händel-Festspiele vielleicht im Ratshof ausgestellt sehen.

Der Barock-Komponist Georg Friedrich Händel (1685-1759) wurde in Halle geboren, verbrachte aber den Großteil seines Lebens in Großbritannien. Sein Geburtshaus ist heute das städtische Musikmuseum. Laut Birnbaum kommen jährlich etwa 33.000 Besucher in das Haus.

Über dieses Thema berichtet MDR KULTUR auch im Radio: 23.02.2017 | 12:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Februar 2017, 13:18 Uhr

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