Das Denkmal Georg Friedrich Händels, neben einem Notenständer mit dem Messias in Halle (Saale)
Auch auf dem Denkmal von Georg Friedrich Händel in Halle ist der "Messias" zu sehen. Bildrechte: dpa

17. April 1742: Händels "Messias" wird in Dublin uraufgeführt "Das vollendetste Werk der Musikgeschichte"

Was dem deutschen Musikliebhaber zu Ostern Bachs "Matthäus-Passion" ist, das ist für den englischen Gläubigen der "Messias". Händels Oratorium ist das erfolgreichste der vielen Opern und Oratorien, die der Hallenser schrieb. Und mit dem "Halleluja" aus dem Werk hat Händel DEN Hit der klassischen Musik geschrieben. Ostern 1742 wurde der "Messias" das erste Mal aufgeführt und begründete eine Tradition in der englischsprachigen Welt.

von Hartmut Schade

Das Denkmal Georg Friedrich Händels, neben einem Notenständer mit dem Messias in Halle (Saale)
Auch auf dem Denkmal von Georg Friedrich Händel in Halle ist der "Messias" zu sehen. Bildrechte: dpa

Es ist ein ganz großer Wurf. Davon ist Librettist Charles Jennens fest überzeugt. Besser noch als sein Text "Saul", den Händel bereits erfolgreich vertont hat.

Ich hoffe, er wird sein ganzes Genie und sein ganzes Können darauf verwenden, und die Komposition wird alle seine vorhergehenden in den Schatten stellen. Denn das Thema übertrifft alle anderen Themen. Das Thema ist der Messias.

Charles Jennens, Librettist
Georg Friedrich Händel
Georg Friedrich Händel (1685-1759) Bildrechte: IMAGO

Monatelang ignoriert Georg Friedrich Händel das Textkonvolut. Eine simple Kompilation von Texten aus dem Alten und Neuen Testament – ohne Handlung, ohne Dramatik. Händel braucht aber auch Geld. Seine letzten Opern sind beim Publikum durchgefallen. Schon überlegt er, wieder zurück in die Heimat zu gehen, da bekommt er eine Einladung nach Dublin.

Der Adel erwies mir die Ehre, eine Subskription für sechs Abende zu veranstalten, wobei ein Saal von 600 Personen gefüllt war, sodass ich kein einziges Billett am Eingang zu verkaufen brauchte.

Georg Friedrich Händel, Komponist

Ein neues Werk muss her. Also greift er doch zu Jennens "Scripture collections". Schnell hat Händel schon immer komponiert. Jetzt packt ihn ein Schaffensrausch. Auch wenn Schriftsteller Stefan Zweig in seinen "Sternstunden der Menschheit" kräftig übertreibt, beeindruckend ist Händels Leistung allemal. 24 Tage genügen ihm – dann ist der "Messias" fertig, und Händel reist ab.

1742 fährt er mit seinen Londoner Gesangsstars nach Dublin und feiert dort die Triumphe, die in London ausgeblieben sind. Als letztes Werk hat er sich sein jüngstes aufgehoben: "Messias". Die Erwartungen sind derartig groß, dass das "Dublin Journal" bittet, ...

... dass die Damen, welche die Aufführung mit ihrer Anwesenheit beehren, gütigerweise ohne Reifröcke erscheinen möchten, da auf diese Weise mehr Platz im Saal geschaffen werden könnte.

"Dublin Journal", Zeitung

700 statt der üblichen 600 Menschen drängeln sich in den Saal und werden Augen- und Ohrenzeuge einer Musik, die der Kritiker des "Dublin Journal" bejubelt als "das vollendetste Werk der Musikgeschichte".

Gelobt wird "ein neues geistliches Oratorium". Den nichtssagenden Titel wählt Händel bewusst, feinden ihn doch Puritaner an. In Dublin hat Jonathan Swift, Autor von Gullivers Reisen, als Kanonikus der Kathedrale allen Geistlichen verboten, mitzusingen. Und ein anonymer Autor schreibt im "Universal Spectator":

Ich frage mich, ob das Theater der geeignete Tempel für eine heilige Handlung ist und ob Schauspieler die geeigneten Vermittler von Gottes Wort sind? Was ist das für eine Profanierung von Gottes Namen und seinen Worten, wenn man sie so leichtfertig verwendet!

Anonym "Universal Spectator", Magazin

Der Erfolg in Dublin bleibt singulär. In London fällt der "Messias" durch – auch bei Textdichter Charles Jennens.

Ich werde ihm keinen meiner heiligen Texte mehr überlassen, nur damit er sie so missbraucht. Was den 'Messias' betrifft, so liegt es immer noch an ihm, ob er die schwachen Stellen überarbeitet, damit das Werk für eine öffentliche Aufführung tauglich ist. Ich habe über dieses Thema viel mit ihm gesprochen, aber er ist träge und stur.

Charles Jennens, Librettist

Ist es das Zetern des gekränkten Autors oder eigene Einsicht? Händel überarbeitet den "Messias" für die zweite Londoner Aufführung. Und in dieser wird es seither zu Weihnachten und Ostern in der englischsprachigen Welt gesungen.

Zuletzt aktualisiert: 17. April 2017, 00:00 Uhr

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