Hauptsache Gesund | 11.02.2010 | 21:00 Uhr
Schmerz in Schulter und Nacken
Wiederholung der Sendung vom 05.03.2009
Dauerschmerzen im Nacken und im Bereich der Schultern: Jeder zehnte Patient, der einen Orthopäden aufsucht, klagt über dieses Leiden. Nicht immer müssen Arthrose oder Rheuma dahinterstecken.

Abnutzungserscheinungen oder Bandscheibenschäden der Halswirbelsäule, ein schiefen Rücken, Rheuma, Osteoporose oder eine Gehirnhautentzündung können die Gründe für Hals- und Schulterschmerzen sein. Ferner kann es nach Unfällen oder Stürzen zu Schmerzen in der Schulterregion kommen. Meist sind es jedoch verspannte Muskeln, welche die Beschwerden hervorrufen.
Nackenschmerzen sind jedoch größtenteils die Folge von Muskelverspannungen. Gründe hierfür können zu langes Arbeiten vor dem Computer in verkrampfter Haltung oder falsches Liegen sein. Insbesondere Frauen leiden unter verspannten Nackenmuskeln. Zum einen sind sie besonders von langer Büroarbeit betroffen, zum anderen sitzt bei ihnen auch buchstäblich der Stress im Genick. In Stress- oder Angstsituationen steigt die Muskelspannung, wodurch die Rückenmuskulatur krampfartig zusammen gezogen wird. Auch die Kopfhaltung ändert sich. Die Folge ist der schmerzende und verspannte Nacken. Die Ursachen von Schmerzen in den Schultern sind weitaus vielfältiger und oftmals auch schwerer zu diagnostizieren.
Die Schulter: außerordentlich beweglich, aber anfällig
Die Schulter ist das beweglichste Gelenk des Körpers. Kein anderer Wirbelsäulenabschnitt ermöglicht derartige Drehungen und Neigungen. Bei der Gelenkkonstruktion liegt der Kopf des Oberarmknochens in der kleinen Schulterpfanne. Daher kann sich dieses Kugelgelenk in einem sehr großen Winkel und somit in viele verschiedene Richtungen drehen. Stabilität gewährleisten zahlreiche Bänder, Sehnen sowie etwa 30 Muskeln. Diese komplexe Struktur bietet ein große Bewegungsfreiheit, ist aber auch besonders anfällig für Verletzungen, Verschleiß und Überbelastungen.
Anhand der Krankengeschichte, körperlichen Untersuchung, Ultraschalldiagnostik, Röntgendiagnostik und möglicherweise Athroskopie, Magnetresonanztomographie, Computertomographie oder kernspintomographischer Untersuchung kann der Spezialist die genaue Ursache für Schulterschmerzen feststellen. Oftmals können erste Hinweise auf die Schmerzursachen jedoch bereits über einen Bewegungstest ermittelt werden.
Ursachen für Schulterbeschwerden
Allgemein können drei Ursachen für Schulterbeschwerden unterschieden werden:
1. Verletzungen
Ein Aus- bzw.- Verrenken der Schulter (Luxation) kann infolge von übermäßiger Krafteinwirkung, insbesondere bei einem Sturz auf den Arm auftreten. Dabei werden die Haltestrukturen des komplizierten Muskel-Sehnen-Systems außer Kraft gesetzt und der Oberarmkopf nicht mehr in der Schulterpfanne gehalten. Eine weitere mögliche Verletzung der Schulter ist die Folge eines Knochenbruchs.
2. Arthrose
Bei einer Arthrose ist das Gelenk durch Verschleiß, Entzündung oder durch einen schlecht verheilten Bruch geschädigt. Sie ruft in der Regel nur mäßige Schmerzen und Einschränkungen der Beweglichkeit in der Schulter hervor. Diese treten dann vor allem nach stärkeren körperlichen Belastungen auf. Kommt es in den Weichteilen, die das Schultergelenk umgeben, zu Veränderungen, führen diese zu einer sehr schmerzhaften Schultersteife. Dann lässt sich der Arm, wenn überhaupt, nur noch unter starken Schmerzen bewegen.
3. Periarthritis
Als Periarthritis werden Entzündungen im Weichteilbereich des Gelenks, insbesondere auch in den Sehnenansätzen oder im Verlauf der Sehnen, an Schleimbeuteln und an Muskeln im gelenknahen Bereich beschrieben. Zu den häufigsten Diagnosen gehört dabei das Engpasssyndrom (Impingement Syndrom). Der Begriff beschreibt eine Einengung zwischen Schulterdach und Oberarmkopf, so dass die dort verankerten Sehnen nicht mehr frei gleiten können. Zudem werden die Schleimbeutel gereizt, die auf diesen Sehnen liegen. Auch der Platz unter dem Schulterdach kann durch verschiedene Erkrankungen oder anatomische Verhältnisse eingeengt sein.
Durch wiederkehrende Reizungen beim Bewegen kommt es zu einer Entzündung der Sehne und des Schleimbeutels. Sie schwellen an, aber der Platz ist beengt, was den Schmerz auslöst. Das Engpasssyndrom wird durch ständige Überlastung der Sehne durch Überanstrengungen begünstigst. Aber auch eine Fehlhaltung am Arbeitsplatz kann durchaus die alleinige Ursache der Einengung sein.
Eine weitere häufige Form der Periarthritis ist die sogenannte Kalkschulter (Tendinosis calcera) oder Sehnenverkalkung. Es bilden sich Kalkdepots in den Strukturen, die das Schulterblatt umgeben – vor allen in den Sehnen. Ursache für die erbsen- bis mandelgroßen Ablagerungen ist möglicherweise eine anlagebedingte schlechtere Durchblutung dieser Sehnen. Kommt die lokale Durchblutung manchmal ganz zum Erliegen sterben vermutlich Knorpelzellen ab, und es bilden sich feine Kalkstrukturen. Ab einer bestimmten Größe verursachen die Einlagerungen bei Drehbewegungen des Arms über Schulter- oder Kopfhöhe Reizungen und Schmerzen. Wiederholte heftige Schmerzattacken oder in schweren Fällen eine dauerhafte Kalkschulter sind möglich. Mit zunehmender Ablagerung von Kalk kommt es zu einer Einengung (Engpasssyndrom) unter dem Schulterdach.
Sonderfall Schulter-Arm-Syndrom
Mit diesem Begriff werden verschiedene Beschwerden umfasst, die schwer zuzuordnen sind. Der Betroffene spürt plötzlich einen tief bohrenden, gelegentlich ziehenden Schmerz im Arm, welcher durch Bewegungen des Armes oder Drehungen des Kopfes schlimmer wird. Die Schmerzen werden von der Halswirbelsäule her verursacht und gehen von dort aus in Schulter und Arm. Ursache können Bandscheibenvorfälle der Halswirbelsäule sein. Aber auch Verspannungen der Muskulatur verursachen diese Schmerzen.
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Zuletzt aktualisiert: 11. Februar 2010, 16:16 Uhr
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Zu Gast im Studio:
Prof. Dr. Ulf Schlegelmilch, Orthopäde und Unfallchirurg am Zentralklinikum Suhl
Gitte Baumeister, Physiotherapeutin
Selbstdiagnose - Periathritis
Mit einem leichten Selbsttest kann ein Verdacht auf Periathritis bestärkt oder entkräftigt werden. Kann der Arm nicht schmerzfrei nach oben und nach unten bewegt werden, während die Schmerzen auf mittlerer Höhe ausbleiben, deutet dies auf eine Entzündung, also eine Periathritis hin. Schmerzt die Schulter auch im mittleren Bereich besteht der Verdacht auf eine Arthrose.
