Hauptsache Gesund | 28.01.2010 | 21:00 Uhr
Schmerzende Hände
Die Hände sind ein universelles Werkzeug. Meist wird das erst deutlich, wenn sie aufgrund von Beschwerden nicht zu gebrauchen sind. Schmerzen in der Hand können aber vielfältige Ursachen haben. "Hauptsache Gesund" stellt moderne Therapien und bewährte Heilmethoden vor.

Eine menschliche Hand besteht aus 27 Knochen und 33 Muskeln, dazu Gelenken, Nerven und Sehnen. Überall können Defekte auftreten. Dazu können Schmerzen in den Händen auch vom Arm oder der Schulter ausgehen. Besonders häufig sind Probleme mit den Gelenken. Die Finger werden steif, die Gelenke schwellen an, die Hände schmerzen oder werden heiß.
Arthrose
Mit zunehmendem Alter nutzen sich die Gelenke ab. In der Folge kommt es zu schmerzhaften Entzündungen. Überwiegend betrifft Arthrose die Großgelenke von Knie, Hüfte und Fußknöchel, prinzipiell kann aber jedes Gelenk von diesem vorzeitigen Verschleiß beeinträchtigt werden. An den Händen unterscheidet man diese Untertypen:
- Bouchard-Arthrose - Arthrose der Fingermittelgelenke mit vornehmlicher Anschwellung an der Streckseite (Bouchard-Knoten).
- Heberden-Arthrose - Arthrose der Fingerendgelenke mit zweihöckriger Anschwellung an der Streckseite (Heberden-Knoten). Tritt bevorzugt bei Frauen nach den Wechseljahren auf.
- Rhizarthrose - Arthrose des Daumensattelgelenks zwischen Handwurzel und erstem Mittelhandknochen.
Bei der Behandlung der Arthrose stehen entzündungshemmende und schmerzlindernde Medikamente im Mittelpunkt. Ein Wiederaufbau des verschlissenen Knorpels ist bislang nicht möglich.
Rheumatoide Arthritis
Auch bei der Arthritis kommt es zu Entzündungen der Gelenke. Ursache ist jedoch nicht deren Verschleiß, sondern eine Fehlreaktion des Immunsystems. Durch diese kommt es zu Entzündungsreaktionen, die die Gelenkinnenräume angreifen. Diese Art von Entzündungen bezeichnet man mit dem Sammelbegriff "Rheuma", das entgegen landläufiger Meinung keine Alterserscheinung ist. Die körperfernen Gelenke (Finger, Zehen) sind besonders häufig davon betroffen.
Typisch für Rheuma ist die morgendliche Steifheit der Finger. Außerdem sind im Gegensatz zur Arthrose mehrere Gelenke betroffen. Mit Fortschreiten der Krankheit verformen sich die Gelenke und es bilden sich Knoten. Wichtig ist, möglichst frühzeitig einzugreifen, da der Entzündungsprozess die Gelenke sonst völlig zerstört.
Rheumatoide Arthritis ist nicht heilbar. Medikamente können jedoch das Fortschreiten der Krankheit verzögern und Beschwerden lindern. Die Auswahl muss individuell erfolgen, da Rheuma bei jedem Patienten anders verläuft. Zusätzlich können Physiotherapie, Massagen und Gymnastik unterstützend eingesetzt werden. In schweren Fällen können Bestrahlung oder Operationen notwendig werden. Nicht jedem Patienten kann geholfen werden.
Neue Möglichkeiten verspricht man sich durch Biologica. Das sind gentechnisch hergestellte Medikamente, die direkt in den Erkrankungsprozess eingreifen. Sie lindern die Krankheit, schwächen aber zugleich die körpereigene Abwehr. Dadurch sind Patienten schlechter vor Infektionen geschützt. Die möglichen Nebenwirkungen dieser Medikamente sind erheblich und scheinen noch nicht ausreichend erforscht zu sein.
Psoriasis-Arthritis
Ebenfalls auf einer Fehlsteuerung des Immunsystems basiert die Schuppenflechte (Psoriasis). Bei etwa jedem zehnten Patienten ist nicht nur die Haut von der Krankheit betroffen, sondern auch die Gelenke. Man spricht dann von Psoriasis-Arthritis. Weil es nicht ungewöhnlich ist, dass die Gelenkerkrankung auftritt noch bevor sich an der Haut irgendwelche Veränderungen zeigen, sollte bei Problemen mit den Händen auch dann an diese Möglichkeit gedacht werden, wenn nichts auf eine Hautkrankheit hinzudeuten scheint.
Die Psoriasis-Arthritis zählt zu den rheumatischen Erkrankungen und ähnelt stark der rheumatoiden Arthritis. Auch die Behandlung ist ähnlich, indem entzündungshemmende Medikamente im Mittelpunkt stehen. Nach Bedarf können Injektionen mit Kortison, physikalische Therapien und chirurgische Eingriffe weitere Optionen sein. Da psychische Faktoren großen Einfluss auf den Krankheitsverlauf haben, ist außerdem das Erlernen von Entspannungstechniken sinnvoll. Die Psoriasis-Arthritis ist nicht heilbar, lässt sich aber besser kontrollieren als die rheumatoide Arthritis.
Neue Früherkennung verhindert Rheumaschäden
Um zu verhindern, dass es durch die Entzündungen zu Schädigungen der Gelenke kommt, ist es wichtig, die Krankheit so früh wie möglich zu behandeln. Wissenschaftler der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Berlin haben nun in einer Kooperation mit verschiedenen Partnern eine neue Methode entwickelt, um Entzündungsherde früher und preiswerter als bislang aufspüren zu können.
Die Untersuchung dauert nur wenige Minuten. Zunächst wird ein Farbstoff in die Hände injiziert, der diese entsprechend ihrer Durchblutung durchdringt. Dieser Vorgang lässt sich beobachten, allerdings nicht mit bloßem Auge. Möglich wird das durch den Einsatz von Nah-Infrarotlicht. Dieses mit bloßem Auge nicht sichtbare Licht dringt wie Wärme in die Haut ein. Trifft es auf den Farbstoff, dann beginnt dieser zu leuchten. So wird der Weg des Farbstoffes im Blut sichtbar. Weil Rheuma-Herde besonders stark durchblutet sind, sammelt sich dort Farbstoff an. Der Arzt kann so mit Hilfe der Farbe erkennen, ob Rheuma vorliegt.
Derzeit arbeiten die Forscher daran, dieses vielversprechende Verfahren weiter zu optimieren. Ziel ist die Entwicklung eines Farbstoffes, der nicht passiv im Blut schwimmt, sondern auf die entzündlichen Prozesse im Gewebe selbst reagiert und diese damit noch präziser sichtbar macht. Erste Versuche brachten überzeugende Ergebnisse, sodass nun eine große Studie die Voraussetzungen für eine Zulassung erbringen soll.
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Zuletzt aktualisiert: 28. Januar 2010, 17:43 Uhr
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Buchtipps:
Udo Zifko: Karpaltunnel-Syndrom: Lindern und heilen - Alle anerkannten Behandlungsmöglichkeiten. Goldmann 2009.
Daniela Loisl, Rudolf Puchner: Rheuma: Lebensqualität mit einer entzündlichen Gelenkerkrankung. Springer 2008.
Adressen:
Deutsche Rheuma-Liga Bundesverband e. V.
Maximilianstr. 14
53111 Bonn
Tel.: 0228 766060
Sklerodermie Selbsthilfe e.V.
Am Wollhaus 2
74072 Heilbronn
Tel.: 07131 3902425
Expertin im Studio:
Dr. Brigit Retetzki, St. Salvator-Krankenhaus Halberstadt
