Hauptsache Gesund | 04.02.2010 | 21:00 Uhr

Knochen und Immunsystem

Den Knochen sind nicht nur durch Osteoporose gefährdet, auch entzündliche Immunerkrankungen, wie Rheuma und andere Formen von Arthritis, lassen Knochen schwinden. Diesem Zusammenhang widmet sich die sogenannte Osteoimmunologie. Sie lässt vor allem Rheumatiker auf neue Behandlungsmöglichkeiten hoffen.

Im Institut für Immunologie des Uniklinikums Jena erschließen die Wissenschaftler dieses neue Forschungsgebiet: Sie wollen den Zusammenhang zwischen Knochen und Immunsystem verstehen. Besonders interessiert sie, wodurch Knochen und Gelenke bei Krankheiten wie Rheuma oder Arthritis geschädigt werden.

Das Knochenmark ist der Sitz des Immunsystems. Hier reifen Zellen heran, die beim Kontakt des Körpers mit Krankheitserregern Antikörper produzieren. Diese Fähigkeit bleibt erhalten, nachdem der Erreger bereits vernichtet ist. Auf diese Weise hat das Immunsystem eine Art Gedächtnis, das in den Knochen sitzt. Auch die Schutzimpulse, die durch Impfungen vermittelt werden, sind auf diese Weise gespeichert. Doch das ist nicht die einzige Verbindung zwischen Immunsystem und Skelett.

Rheuma und Arthritis bestehen in chronischen Entzündungen, die eine fehlerhafte Überreaktion unserer Abwehrkräfte sind. Sie schädigen Knochen und Gelenke. Durch die Entzündungen kommt es zu einem massiven Abbau von Knochen. Das geschieht, indem es durch die Entzündung zur Bildung von Botenstoffen kommt, die die Tätigkeit der Osteoklasten anfeuert. Auf diese Weise werden diese für den Knochenabbau zuständigen Zellen zu einer Überaktivität angestachelt. Die Folge ist der Verlust von Knochensubstanz als indirekte Folge rheumatisch-entzündlicher Krankheiten. Prof. Thomas Kamradt vom Universitätsklinikum Jena hält es deshalb für enorm wichtig, dass sich betroffene Menschen so zeitig wie möglich beim Rheumatologen vorstellen. Denn die Möglichkeiten erfolgreich zu behandeln, seien begrenzt: "Die meisten Medikamente, die wir heute haben, wirken gegen die Entzündung. Gegen den Knochenabbau selbst lässt sich wenig ausrichten", bedauert der Immunologe. "Wir haben aber die Hoffnung, ganz neue therapeutische Ansätze finden zu können, wenn wir erst einmal die genauen Wechselbeziehungen zwischen Entzündung und Knochenabbau noch besser verstehen", so Prof. Thomas Kamradt.

Zuletzt aktualisiert: 04. Februar 2010, 18:58 Uhr

 

 
 
 
 
 
 

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