Hauptsache gesund | 07.07.2011 | 21:00 Uhr : Schmerzzone Rücken
Jede fünfte Frau und jeder siebte Mann leiden unter Rückenschmerzen. Es handelt sich um die häufigste Schmerzart in Deutschland, noch vor Kopf-, Nacken- und Schulterschmerzen. Je älter die Menschen sind, umso häufiger treten die Probleme im Kreuz auf. Frauen sind dabei häufiger davon betroffen und nehmen den Schmerz intensiver wahr als Männer.
Die Ursache lässt sich nur selten finden
Rückenschmerzen (Dorsopathien) können durch eine Vielzahl von sehr unterschiedlichen Krankheiten ausgelöst werden. Sie können von den Knochen, den Gelenken, dem Bindegewebe, den Muskeln oder den Nerven des Rückens ausgehen. Aberauch Verletzungen, Erkrankungen innerer Organe, bösartige Neubildungen, gynäkologische Störungen oder Erkrankungen des Rückenmarks können Auslöser sein. Die Rückenschmerzen werden als "spezifisch" bezeichnet, wenn sich die Beschwerden auf eine oder mehrere der eben genannten Ursachen zurückführen lassen. Doch bei lediglich 20 Prozent aller Rückenpatienten ist das so. Bei 80 Prozent der Betroffenen lässt sich hingegen kein Auslöser feststellen. Wie die Schmerzen im Rücken bei ihnen dennoch entstehen und sich zu chronischen Leiden entwickeln, ist weitgehend unklar.
Wann zum Arzt?
Frühestens nach sechs Wochen, spätestens jedoch nach drei Monaten anhaltender, starker Rückenschmerzen ist eine umfassende medizinische und psychologische Abklärung angezeigt. Je früher die richtigen Maßnahmen einsetzen, umso besser kann verhindert werden, dass die Schmerzen chronisch werden.
Vor Ort am Universitätsklinikum Halle: Der Fall Hartmut R.
Hartmut R. kann seit etwa einem halben Jahr keinen Schritt mehr ohne Rückenschmerzen machen. Alles begann mit einer Attacke, die ihn nachts aus dem Schlaf riss: "Das war ein Schmerz, als ob man zerreißt innen. Und gebrannt hat das, als wenn der Körper auseinander fliegen wollte." Der Befund: Bei Hartmut R. lag eine Spinalkanalstenose vor, eine Verengung des Wirbelkanals, bei der Druck auf das Rückenmark entsteht.
In diesem Fall drückte es im Bereich der Lendenwirbelsäule mit Schmerzen im unteren Rücken, im Becken und in die Beine ausstrahlend. Der behandelnde Arzt, Dr. Alexander Zeh, Facharzt für Orthopädie am Uniklinikum Halle, erklärt: "Die Nervenfasern werden gequetscht und auch die Durchblutung des Rückenmarks kann beeinträchtigt werden. Daraus können verschiedene Beschwerden entstehen." Dazu gehört auch eine Schwäche im linken Bein, die Hartmut R. schwer zu schaffen macht. Obwohl mit Physiotherapie solche Beschwerden durchaus abklingen können, fand der 66-Jährige damit keine Linderung. Physiotherapeutin Silke Zander am Uniklinikum Halle weiß, dass leider nicht jedem so geholfen werden kann: "Man kann durch krankengymnastische Übungen oder manchmal auch durch manuelle Therapie gegen diese Beschwerden angehen und dadurch wirklich eine gute Linderung erreichen. Aber leider reicht das nicht bei jedem Patienten aus, sodass manche einen operativen Weg gehen müssen."
Hartmut R. musste die Physiotherapie unterbrechen. Manchmal hält er es trotz Schmerzmittel nur noch sitzend in nach vorn gebeugter Haltung aus, weil das den Rücken etwas entlastet: "Das ist eigentlich die beste Sitzhaltung, die ich habe, also schmerzfrei. Wenn ich gerade sitzen soll, geht das nicht lange gut." Durch die schmerz- und schwächebedingte Schonhaltung hat sich einseitig bereits seine Beinmuskulatur zurückgebildet. Das linke Bein ist vom Umfang her vier Zentimeter dünner als das rechte. Um wieder dauerhaft schmerzfrei zu werden, kann Hartmut R. nur noch eine Operation helfen, bei der die Engstelle im Wirbelkanal operativ erweitert wird.
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Gäste im Studio
Prof. Dr. Karl-Stefan Delank Universitätsklinikum Halle (Saale), Klinik für Orthopädie, Unfall- und Wiederherstellungschirurgie,
Gitte Baumeier, Physiotherapeutin, Halle,
Kerstin Müller, Dipl. Sportlehrerin, Barmer GEK, Dresden,
Susann Patzak, Sportwissenschaftlerin, Barmer GEK, Dresden
Spinalkanalstenose (Wirbelkanalenge)
Das Krankheitsbild tritt vor allem bei älteren Menschen ab 60 und zumeist im Bereich der Lendenwirbelsäule auf. Der Wirbel- oder auch Spinalkanal ist der von den Wirbelkörpern gebildete Kanal innerhalb der Wirbelsäule. In ihm verläuft das Rückenmark. Durch Alterungsprozesse und Verschleiß können Bandscheiben oder knöcherne Veränderungen den Wirbelkanal einengen und Nerven drücken oder sogar abklemmen. Anfangs sind die Beschwerden uncharakteristisch. Später kann ein typisches Symptom auftreten: Der Patient bekommt schon nach wenigen Schritten beim Gehen an der Vorder- oder Rückseite der Beine ziehende Schmerzen, die sich nur verbessern, wenn er sich hinsetzt oder vorn überbeugt.
