Hauptsache gesund | 20.12.2012 | 21:00 Uhr : Berührende Patientenschicksale: Wie Ärztekunst hilft
Es gibt Momente im Leben, da sind Menschen darauf angewiesen, nicht nur einen guten Arzt an ihrer Seite zu wissen, sondern auch jemanden, der sie auf ihrem manchmal langwierigen Weg aus einer schweren Krankheit begleitet.
Das zweite Leben des Lutz Raub
Irgendwo in Europa stirbt in der Silvesternacht 2009 ein Mensch. Sein Tod bedeutet für Lutz Raub aus Bad Köstritz ein neues Leben. Er erhält am 31. Dezember 2009 zwei Spenderorgane - ein neues Herz und eine neue Lunge. Deshalb feiert der Thüringer bis heute am Silvestertag seinen zweiten Geburtstag: "Ich habe ein Herz und eine Lunge von einem fremden Menschen, das sind jetzt meine Organe und nur dadurch kann ich weiterleben. Sonst wäre ich vor drei Jahren gestorben."
Schon mit 31 Jahren hatte Lutz Raub seinen ersten Herzinfarkt. Danach folgten ein zweiter und dann gar ein dritter Infarkt. Seine Herzleistung sank auf 22 Prozent. Der gelernte Drucker wurde in die Frührente geschickt. 2009 war sein Zustand bereits so schlecht, dass er kaum noch das Haus verlassen konnte. Er erinnert sich: "Laufen konnte ich noch fünfzig Meter ohne Pause. Treppensteigen ging gar nicht mehr. Vielleicht eine halbe Etage. Alles wie bei einem alten Mann. Ich war nicht mehr belastbar, konnte nichts mehr tragen beim Einkaufen. Ich saß halt nur noch rum", erinnert sich Lutz Raub an die beschwerliche Zeit.
Im November 2009 stand fest - Lutz Raub braucht ein neues Herz und eine neue Lunge. Wochenlang überlebte er nur mit Hilfe von Geräten. Fast wäre jede Hilfe zu spät gekommen: "Ich hatte einen kompletten Organausfall. Ich war eigentlich nur noch vom Gehirn her am Leben. Körperlich war ich tot."
Anfang Dezember 2009 fiel Lutz Raub ins Koma. Silvester endlich die Nachricht - Spenderherz und Spenderlunge sind auf dem Weg. Für die Transplantationsmediziner im Uniklinikum Jena war das alles andere als ein Routineeingriff, denn eine Transplantation ist und bleibt eine besondere Operation, weiß Professor Torsten Doenst vom Uniklinikum in Jena und fügt hinzu: "Wir transplantieren in Deutschland derzeit zwischen 350 und 400 Herzen pro Jahr. Wenn dann noch die Lunge dazu kommt, ist das noch seltener. So selten, dass man das in Deutschland vielleicht zehn, zwanzig Mal im Jahr macht."
Auch nach der OP lag Lutz Raub weiter im Koma auf der Intensivstation. In dieser Zeit nahm er 40 Kilogramm ab. Als er im Februar endlich erwachte, kam er zur Reha. Erst im Frühling 2010 ging es ihm merklich besser. Heute, im Dezember 2012, ist Lutz Raub vollkommen wiederhergestellt. Die Mediziner sind zufrieden: Raub hat keine Infektionen und Abstoßungsreaktionen, Herz und Lunge arbeiten problemlos. Der 53-Jährige hat sich so weit stabilisiert, dass er sogar wieder arbeiten kann - als Kurierfahrer, drei Stunden am Tag.
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