Hauptsache gesund | 20.12.2012 | 21:00 Uhr : Mit beiden Händen wieder kraftvoll zupacken können
Jens Uhl arbeitete als Maler und Fußbodenleger, als er plötzlich Schmerzen in der linken Hand bekam. Natürlich dachte er sofort an eine Sehnenscheidenentzündung. Doch als die Schmerzen nicht mehr nachließen und die Hand auch noch anschwoll, ging der damals 30-Jährige zum Arzt: "Dort wurde anhand einer Röntgenaufnahme festgestellt, dass es ein Riesenzelltumor ist, also eine Form von Knochenkrebs." Seinem Beruf konnte er nun nicht mehr nachgehen.
Der schnell wachsende Tumor im Handgelenk musste radikal entfernt werden - samt befallenen Muskeln, Gelenkanteilen und Knochen. Häufig lässt sich das durch Knochenmaterial aus dem Wadenbein ersetzen. Das hätte aber bedeutet, dass Jens Uhls Handgelenk steif geblieben wäre. Deshalb fragte er seinen behandelnden Arzt nach Alternativen und Dr. Hans-Georg Damert, Handchirurg an der Universitätsklinik Magdeburg, und seine Kollegen fanden eine: "Wir hatten dann die Idee, Herrn Uhl eine speziell angefertigte Tumorprothese zu implantieren."
Das Problem war in seinem Falle aber, dass herkömmliche Prothesen zu kurz waren, um das fehlende Stück zu überbrücken. Die Magdeburger Mediziner konnten eine Schweizer Firma dafür gewinnen, eine extra für Jens Uhl entworfene Spezialprothese zu fertigen. Im April 2009 wurde sie in Deutschland das erste Mal eingesetzt. Im November 2011 besuchte "Hauptsache gesund" Jens Uhl und den Handchirurgen Hans-Georg Damert bei einer Nachuntersuchung. Tests zeigten, dass Uhl wieder Kraft in seiner Hand hatte und sie recht gut bewegen konnte. Er und sein Arzt waren zufrieden.
Überraschend gute Genesung
Ein Jahr später, im Dezember 2012, haben wir uns wieder mit Jens Uhl verabredet. Jens Uhl hat nun noch einmal an Muskelkraft deutlich zugelegt. Darüber ist selbst Handchirurg Dr. Hans-Georg Damert erstaunt: "Der Patient hat schon das Doppelte erreicht, was wir sonst von Handgelenksprothesen erwarten."
Die Beweglichkeit einer gesunden Hand wird Jens Uhl nicht mehr zurückbekommen. Es besteht zudem das Risiko, dass die Prothese sich eines Tages lockert. Auch die Gefahr, dass der Tumor zurückkehrt, ist nicht komplett gebannt. Jens Uhl freut sich dennoch über das, was erreicht werden konnte: "Ich bin den Ärzten immer noch wahnsinnig und unendlich dankbar für diese Leistung. Für mich eine Meisterleistung von Dr. Damert. Und ich bin absolut wunschlos glücklich und zufrieden mit dieser Situation, die wir jetzt haben.
Inzwischen plant der Malermeister sogar, sich selbständig zu machen und nächstes Jahr wieder ins Berufsleben einzusteigen.
