Hauptsache Gesund | 27.05.2010 | 21:00 Uhr

Ausweg Wundbehandlungszentrum

Experten beklagen die starken Qualitätsunterschiede beim Wundmanagement in Deutschland. Die Behandlung chronischer Wunden ist deshalb so kompliziert, weil mehrere Faktoren für ihre Entstehung verantwortlich sind. Neben der ursächlichen Grunderkrankung hat sich die Wunde zu einem eigenen Problem entwickelt. Hinzu kommen Entzündungen, Schmerzen und psychische Probleme. Eine Wundbehandlung kann daher nur erfolgreich sein, wenn verschiedene Spezialisten gemeinsam und fachübergreifend für den Patienten da sind.

Deswegen sind in vielen Städten und Kliniken spezielle Behandlungszentren für Patienten mit schlecht heilenden Wunden entstanden. Dort arbeiten Chirurgen, Gefäßexperten, Diabetologen, Wundschwestern und Schmerztherapeuten zusammen. Ein Vorteil solcher Zentren besteht darin, dass sie die Patienten nach standardisierten Leitlinien behandeln, große Erfahrungen mit der Problematik haben und eng mit den überweisenden Hausärzten zusammenarbeiten. Erstes Ziel der Ärzte ist es immer, die genaue Ursache der Wunde zu ermitteln. Die Diagnose ist Voraussetzung für die richtige Versorgung und eine effektive Therapie, die immer individuell auf den Einzelfall abgestimmt werden muss. Grundlage ist immer auch die Behandlung der Grunderkrankung. Die Erfahrungen belegen, dass die Zusammenarbeit von Spezialisten im Wundzentrum selbst bei langwierigen und scheinbar aussichtslosen Fällen helfen und zu einer Heilung beitragen kann. Dies bedeutet für die Patienten eine höhere Lebensqualität, schnellere Schmerzfreiheit und verbesserte Mobilität.

Mehrere Ärzte stehen an einem Krankenbett mit einem patienten.
Die Diagnose ist Voraussetzung für die richtige Versorgung und eine effektive Therapie, die immer individuell auf den Einzelfall abgestimmt werden muss.

Moderne Wundauflagen

Für eine erfolgreiche Behandlung ist es wichtig, die jeweils passende Wundauflage zu verwenden. Die Auswahl hängt vom Ausmaß und Zustand der Wunde ab. Traditionelle Verbandsmaterialien finden heute kaum noch Verwendung. Die klassische Mullbinde, direkt auf die Wunde gelegt, saugt sich rasch mit Blut und Sekret voll und trocknet an. Dies lässt Keime in die Wunde gelangen; außerdem ist der Verbandswechsel sehr schmerzhaft und führt zu neuen Mikro-Verletzungen.

Moderne Materialien enthalten keine Stoffe, die in die Wunde gelangen können, halten Mikroorganismen fern, verkleben nicht und sind leicht zu wechseln. Das Wichtigste ist, ein feuchtes Klima zu schaffen, da darin die Heilung am besten erfolgt. Je nach Heilungsphase und Zustand haben die Auflagen unterschiedliche Aufgaben. Sie können zum Beispiel die Selbstreinigungsmechanismen der Wunde unterstützen oder bei Infektionen Sekret und Eiter aufnehmen.

Zunehmend setzen sich auch Behandlungsmaterialien durch, die heilungsfördernde Substanzen enthalten. Bisher mussten solche Wirkstoffe immer extra aufgetragen werden – zum Beispiel in Form einer Salbe. Eine Wundauflage, die von den Hohenstein-Instituten in Bönnigheim gemeinsam mit der Gesellschaft zur Förderung von Medizin-, Bio- und Umwelttechnologien e. V. in Dresden entwickelt wurde, eröffnet neue Möglichkeiten. Mithilfe der sogenannten Nanosol-Technik werden verschiedene Wirkstoffe in das textile Material eingebunden und schrittweise an die Wunde abgegeben. Wirkstoffe können je nach Bedarf Vitaminvorläufer, heilungsfördernde Enzyme oder Antibiotika sein. Die jeweiligen Substanzen werden durch die Nanosol-Technik nach und nach genau in der erforderlichen Dosierung abgegeben.

Zuletzt aktualisiert: 27. Mai 2010, 16:59 Uhr

 

 
 
 
 
 
 

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