Hauptsache gesund | 04.08.2011 | 21:00 Uhr : Fit ins Alter
"Die Deutschen werden immer älter." Diesen Satz liest oder hört man oft mit einem klagenden Unterton. Von Demenz, Gebrechlichkeit und Pflegenotstand ist dann die Rede. Doch was wissen wir überhaupt über das Altern? Die Forschung hat gerade erst begonnen.
Befragt man Menschen zu ihren Lebenswünschen, so steht das Ziel, möglichst alt zu werden, nicht an erster Stelle. Viel wichtiger ist der Wunsch, möglichst lange gesund zu bleiben, mobil zu sein, sich selbst versorgen und somit in der eigenen Wohnung alt werden zu können. Keine Vorstellung schreckt die Menschen mehr ab, als Jahre voller Schmerzen ans Bett gefesselt in einem Pflegeheim fristen zu müssen. Ob man ein solches Dasein verhindern kann, hängt von vielen Faktoren ab. Schicksalsschläge wie Unfälle lassen sich nicht immer vermeiden, doch unsere Gesundheit im Alter haben wir zu einem großen Teil selbst in der Hand.
Zigaretten, Whisky, wilde Frauen
"Räucherware hält sich länger." Dieser ironische Spruch der Zigarettenkonsumenten ist längst von der Medizin widerlegt. Dennoch verblüffen uns immer wieder Menschen, die ihn scheinbar bestätigen. Am 29. März 2009 starb Henry Allingham im Alter von 113 Jahren. Er war damit der älteste Brite, den es je gegeben hat. Er war der letzte Überlebende der Skagerrakschlacht, der größten Seeschlacht des ersten Weltkrieges und gehörte zu den Mitbegründern der Royal Airforce. Er kämpfte in zwei Weltkriegen und durchlebte die entbehrungsreichen Zeiten danach. Im Alter von 108 war er körperlich bereits sehr gebrechlich, doch sein Geist war noch fit. Er konnte sich mühelos an Ereignisse erinnern, die hundert Jahre zurücklagen. Wer nun glaubt, Allingham sei ein Gesundheitsfanatiker gewesen, der auf Sport und gesunde Ernährung Wert legte, der irrt. Sein Lebensmotto lautete stattdessen: "Zigaretten, Whisky, wilde Frauen". Mit einer solchen Lebensweise scheint er alle medizinischen Weisheiten Lügen zu strafen. Doch oft kennt man solche Geschichten nur vom Hörensagen, da sie viel lieber erzählt werden als die von Verwandten, die leidend und traurig zu Grunde gingen. Menschen wie Henry Allingham sind die Ausnahme: Nur 25 Prozent unserer Lebenserwartung, des Risikos von Erkrankungen und des Abbaus der Leistungsfähigkeit im Alter sind genetisch vorprogrammiert. 75 Prozent haben wir dagegen selbst in der Hand.
Weiterführende Beiträge zum Thema:
Steigende Lebenserwartung
Die Lebenserwartung steigt nicht nur für Menschen, die jetzt geboren werden, sondern auch für ältere. Jeder zweite Mann wird heute mindestens 80 Jahre alt, jede zweite Frau sogar 85. Zum Vergleich: Als mit der Statistik Ende des 19. Jahrhunderts im Deutschen Reich begonnen wurde, durften neu geborene Jungen nur mit einer Lebenserwartung von etwa 35, Mädchen mit 38 Jahren rechnen.
Studiogast:
Dr. med. Joachim Zeeh, Facharzt für Innere Medizin/Klinische Geriatrie
Geriatrische Fachklinik Georgenhaus, Meiningen
Buchtipps:
Norbert Bachl u.a.: Aktiv ins Alter: Mit richtiger Bewegung jung bleiben. Springer 2007.
Monika Mildenberg-Schneider: Seniorenkrafttraining. Meyer 2007.
