Hauptsache gesund | 01.11.2012 | 21:00 Uhr : Fremdkörper in der Lunge
Manchmal haben Husten und Atemnot nichts mit Viren oder Bakterien zu tun. Dr. Peter Junghänel, Chefarzt am DRK-Krankenhaus Lichtenstein, erlebt häufiger Patienten, die mit einem Fremdkörper in der Lunge in die Notaufnahme kommen. Dabei handelt es sich übrigen gleichermaßen um Kinder und Erwachsene. Etliche "Andenken" an einige seiner Einsätze bewahrt er an seinem Arbeitsplatz auf: eine Erbse, ein Halmastein, Schmuckperlen oder auch ein Stück Zahn.
Der Zahn in der Lunge
Bei Annerose F. aus Hohenstein-Ernstthal musste Dr. Peter Junghänel zum Beispiel einen Backenzahn mit Plombe aus der Lunge holen. Was war passiert? Die heute 72-Jährige ging vor drei Jahren zu ihrer Zahnärztin. Sie hatte Schmerzen, der Zahn musste raus. Dabei passierte es: "Der Zahnärztin sprang der Zahn irgendwie weg und mir direkt in den Hals. Ich habe versucht, ihn wieder rauszuwürgen, aber es gelang mir nicht. Er war scheinbar weg." Frau F. hatte den Zahn allerdings nicht verschluckt, sie hatte ihn eingeatmet. Er war in die Lunge gerutscht. Die linke Lungenseite fiel komplett aus.
Der Zustand der Patientin verschlimmerte sich rasch. Sie kam in die Notaufnahme des DRK-Krankenhauses Lichtenstein. Über ein Bronchoskop gelang es dem Team um Dr. Junghänel, den Zahn zu fassen und herauszuholen. Damit verhinderte er eine bleibende Schädigung der Lunge. "Im schlimmsten Fall kann eine Lungenentzündung daraus werden, ein Abszess kann sich bilden, und das wiederum kann dann im ungünstigsten aller Fälle zu einer Blutvergiftung führen", erläutert der Arzt. Bei Annerose F. gab es zum Glück keine Komplikationen. Sie hat sich danach vollkommen wieder erholt.
Die Bronchoskopie: Diagnose und Therapie zugleich
Es kommt überraschend häufig vor, dass ein Fremdkörper in die Lunge eingeatmet wird. In einem solchen Fall wird er über eine Bronchoskopie entfernt. Privatdozent Dr. Wolfgang Schütte, Lungenfacharzt am Krankenhaus Martha-Maria in Halle-Dölau, erläutert wie eine Bronchoskopie abläuft: "Über die Nase oder den Mund wird ein Endoskop in die Bronchien der Lunge eingeführt. Ob der Patient eine Narkose bekommt, hängt von seinem Krankheitsbild und Gesundheitszustand ab. Der Moment, in dem das Endoskop an den Stimmlippen vorbeigeht, ist etwas unangenehm. Generell ist es aber keine Untersuchung, vor der man Angst haben muss. Eine Bronchoskopie wird nötig, wenn ein Husten länger als vier bis sechs Wochen dauert und nicht abgeklärt werden kann, oder wenn nicht erklärbare Atemnot oder blutiger Husten vorliegt." Neben der Entfernung von Fremdkörpern dient die Bronchoskopie der Diagnose von Lungentumoren, zudem können Gewebeproben entnommen werden und die Bronchien gespült werden.
