Hauptsache gesund

Hauptsache gesund | 01.11.2012 | 21:00 Uhr : Letzter Ausweg Lungentransplantation

Christiane H. ist 30, eine sportliche junge Frau, die gern Tennis und Badminton spielt. Wer sie so sieht, ahnt nicht, dass sie nur dank eines Spenderorgans lebt, denn sie mit einer fremden Lunge: "Es ist schon etwas Besonderes, nach einer Transplantation so eine Leistungsfähigkeit zu erreichen, Tennis spielen zu können, anderen Hobbys nachgehen und arbeiten gehen zu können. Ich muss ehrlich sagen, das ist auch Glück. Diese Umstände schafft nicht jeder, der lungentransplantiert wird." Als Christiane H. zwei Jahre alt war, wurde bei ihr Mukoviszidose diagnostiziert. Bei dieser vererbbaren Stoffwechselerkrankung werden alle körpereigenen Sekrete eingedickt produziert. Ein zäher Schleim verklebt vor allem die Lunge, zieht aber auch andere Organe in Mitleidenschaft. Rund 8.000 Menschen leiden in Deutschland an der bislang unheilbaren Krankheit. Die Symptome werden anfangs oft mit Keuchhusten, Asthma oder Bronchitis verwechselt.

Mit 15 verschlimmerten sich Christiane H.s Beschwerden. Sie benötigte jetzt zu Hause ein Sauerstoffgerät. Später musste sie ihre Ausbildung abbrechen. Mit 20 konnte sie sich kaum noch bewegen. "Ich konnte nicht allein Treppen steigen, mein Vati hat mich Huckepack die Treppen hochgetragen. Ich hab für die elementarsten Dinge wie Zähneputzen, Haare waschen Stunden gebraucht, ehe ich fertig war. Wenn wirklich mal ein Ausflug mit dem Rollstuhl vor die Tür geplant war, stand ich vor einer Riesenaufgabe. Ich nicht wusste, wie ich die Treppe herunterkomme, geschweige denn, wie ich sie wieder hoch komme ", erzählt die Leipzigerin. Doch lange hatte sie Angst vor der Transplantation. 2006 blieb kein anderer Ausweg. Nach Wochen in der Klinik wachte Frau H. mit neuer Lunge auf. "Das war einfach gigantisch. Ich konnte richtig tief Luft holen. Ich konnte es mir zwar kurz nach dem Aufwachen nicht erklären, warum es so ist, aber es war ein tolles Gefühl, wieder Luft zu kriegen."

Heute fühlt sich Christiane H. unabhängig und kann aus eigener Kraft ihr Leben bestreiten. Die Leipzigerin begleitet hauptberuflich andere Menschen, die ein Spenderorgan bekommen. Am Herzzentrum Leipzig arbeitet sie als Transplantations-Koordinatorin. In der Klinik begegnet Christiane H. ihrer eigenen Geschichte Tag für Tag wieder. "Die Patienten kommen zu mir mit vielen Fragen: Wie lebt es sich mit einem Spenderorgan? Sind die Schmerzen auszuhalten? Wann ist man wieder belastbar? Ich versuche aufzuklären und Ängste zu nehmen", erzählt sie. Für ihre Patienten ist die junge Frau Ansprechpartner und Vorbild zugleich. "Die meisten Patienten sind älter als ich, haben COPD oder eine Lungenfibrose. Immer häufiger werden auch wiederholte Transplantationen nötig." Im Durchschnitt können Lungentransplantierte fünf bis sieben Jahre mit dem Spenderorgan leben. Bei jungen Patienten wie Christiane H. kann ein Spenderorgan auch zehn bis fünfzehn Jahre seinen Dienst tun.

Zuletzt aktualisiert: 01. November 2012, 18:07 Uhr

Neuregelung zur Organspende

Seit 1 November gilt eine Neuregelung zur Organspende. Die neue Regelung sieht vor, dass die Krankenkassen jeden Versicherten ab 16 Jahren in regelmäßigen Abständen fragen, ob er zur Organspende bereit ist. Einen Entscheidungszwang gibt es jedoch nicht.

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