Hauptsache gesund

Hauptsache gesund | 10.01.2013 | 21:00 Uhr : Polyneuropathie

Kribbeln, Taubheitsgefühle, Schmerzen oder Brennen in den Beinen machen manchem den Alltag zur Qual und die Nacht zum Albtraum. Oft verbergen sich hinter diesen Symptomen geschädigte Nervenbahnen, Fehlsteuerungen im Gehirn oder schlecht durchblutete Gefäße.

Bei einer Polyneuropathie ist das periphere Nervensystem mit seinen Empfindungsnerven und zum Teil auch mit den motorischen Nerven geschädigt. Diese Nerven leiten Signale von Armen und Beinen zum Gehirn. Sind sie erkrankt, kommt es zunächst zu Kribbeln und Taubheitsgefühlen, später zu Schmerzen. Oft ist eine Polyneuropathie Ausdruck einer Erkrankung, welche den gesamten Organismus betrifft. Mögliche Auslöser sind Diabetes, Rheumatische Erkrankungen, Alkoholismus, Gefäßerkrankungen, Nierenerkrankungen oder Tumore.

Der Fall Peter Achim T.

Auch bei Peter Achim T. fing es mit einem leichten Kribbeln in den Zehen an. Am Ende musste er sich mit dem Rollstuhl zu den Untersuchungen fahren lassen, weil die Schmerzen in den Beinen inzwischen so stark geworden waren, dass er kaum noch laufen konnte.

Sechs Jahre hat es gedauert, bis der ehemalige Außendienstmitarbeiter die richtige Diagnose für sein Leiden bekam. Anfangs meinten die Ärzte, seine Taubheitsgefühle und das Kribbeln rührten von einer Nervenschädigung her, verursacht durch sein früheres Fußballspielen. Eine normale Alterserscheinung, bei der man nichts machen könne. Doch dann wandelte sich das Kribbeln in Schmerzen, die am Ende so stark waren, dass der Mittfünfziger nicht einmal mehr Auto fahren konnte.

Dr. med. Rolf Malessa
Dr. med. Rolf Malessa konnte Achim T. helfen.

Es war Zufall, dass Peter Achim T. an einem Abend im Jahr 2011 "Hauptsache gesund" sah. Das Thema "Schmerzen beim Gehen" erregte seine Aufmerksamkeit, denn es ging genau um sein Problem. Studioexperte war damals Dr. Rolf Malessa vom Sophien- und Hufeland-Klinikum in Weimar. Er behandelt häufig Patienten, die schon einen langen Leidensweg hinter sich haben. Als Chefarzt der Neurologie im Klinikum weiß er, dass es manchmal nicht einfach ist, die Ursache der Beschwerden herauszufinden. Wie ein Detektiv begibt er sich dabei auf Spurensuche, denn sein Berufsmotto lautet: "Es gibt keine Symptome, die man nicht erklären kann, sondern nur Diagnosen, die nicht stimmen."

Nach der Sendung stand für Peter Achim T. fest: Ich muss nach Weimar zur Behandlung. Er bekam einen Termin und fuhr voller Hoffnung los. Dr. Malessa fand erst einmal die richtige Ursache für seine Beschwerden. Nach sechs Jahren der Ungewissheit lautete die Diagnose: Polyneuropathie, allerdings eine besondere entzündliche Form.

Zunächst wurde Peter Achim T. mit Capsaicin-Salbe behandelt. Capsaicin ist der Stoff, der auch die Chilischote scharf macht. Der Extrakt wirkt durchblutungsfördernd und wird medizinisch auf der Haut angewendet. Begleitend wurde eine Immunglobulintherapie verordnet. Immunglobuline sind Antikörper, mit denen gesunde Menschen eindringende Krankheitserreger abwehren. Die Immunglobuline werden in diesem Fall gegeben, um das Immunsystem gewissermaßen davon abzulenken, sich überaktiv gegen die eigenen Nerven zu richten. Bei Peter Achim T. schlug diese Therapie an und er ist nicht mehr auf den Rollstuhl angewiesen.

Ursächliche oder symptomatische Behandlung

Untersuchung am Fuß
Polyneuropathie wird auf unterschiedliche Weise behandelt.

Bei der Behandlung einer Polyneuropathie verfolgen Ärzte zwei verschiedene Ansätze – die kausale und die symptomatische Therapie. Kausal bedeutet, dass nach den Ursachen oder Auslösern der Krankheit gesucht wird. Lassen sich diese eindeutig identifizieren und abstellen, verschwindet damit auch die Polyneuropathie. Kann die Ursache nicht gefunden und abgestellt werden, greift die symptomatische Therapie. Dabei werden Medikamente eingesetzt, welche die Reizentstehung in den Nerven hemmen oder das körpereigene System zu Schmerzhemmung aktivieren.

Parallel dazu wird eine sogenannte multimodale Schmerztherapie verordnet. Hierbei lernt der Patient, mit seinen Schmerzen umzugehen und diese durch gezielte Strategien zu mindern. Dazu zählen Bewegungstraining, Stressbewältigungsprogramme, Entspannungsübungen und Psychotherapie.

Zuletzt aktualisiert: 14. Januar 2013, 13:35 Uhr

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