Hauptsache gesund

Hauptsache gesund | 01.03.2012 | 21:00 Uhr : Mit Skalpell oder Turnschuhen: Raus aus der Diabetesfalle!

Die Diabetesfalle schnappt immer öfter zu. Ihr zu entkommen, ist schwer. Alle acht Minuten stirbt ein Mensch an den Folgen der Zuckerkrankheit. "Hauptsache gesund" zeigt mögliche Auswege. Sind neue spektakuläre Diabetes-Operationen die Lösung? Oder lässt sich der Zucker allein durch eine andere Lebensweise besiegen?

Eien Frau spritzt sich in den Arm.

Der Typ-2-Diabetes tritt häufig zusammen mit Übergewicht, Bluthochdruck und erhöhten Blutfettwerten auf. Oft wird Diabetes erst erkannt, wenn es schon Schädigungen gibt. Zuckerkranke Menschen erleiden viel häufiger schwere Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Nierenleiden bis hin zu den Spätfolgen wie den gefürchteten diabetischen Fuß. Damit es nicht so weit kommt, müssen die Zuckerwerte gesenkt werden. Neben der medikamentösen Therapie steht dabei eine Gewichtsreduktion im Vordergrund. Doch gerade die misslingt wegen des gestörten Stoffwechsels sehr häufig.

Mit dem Skalpell Diabetes besiegen?

Blick in den geöffneten Bauchraum. Man erkennt rosafarbene "Würste" zwischen gelblich weißem Gewebe.
Ist demnächst eine Magen-OP das Mittel der Wahl, um Diabetes 2 zu heilen?

Könnte eine Magen-OP das Mittel der Wahl werden? Verspricht eine Operation, bei der ein sogenannter Magen-Bypass konstruiert wird und die eigentlich zur Behandlung stark Übergewichtiger entwickelt wurde, auch einen Ausweg aus der Diabetesfalle? Am Universitätsklinikum in Heidelberg forscht man daran. "Man hat dabei entdeckt, dass bei Patienten, die gleichzeitig Übergewicht und Diabetes hatten, der Diabetes unmittelbar nach der Operation verschwunden war, obwohl die Patienten noch gar kein Gewicht abgenommen hatten", berichtet Dr. Beat Müller, Chirurg am Klinikum. Eine Entdeckung, die viele Fragen aufwirft. Erste Erklärungsversuche: "Dadurch kommt es wahrscheinlich zu hormonellen Umstellungen, die die Bauchspeicheldrüse positiv beeinflussen, sie sich erholen lassen und damit den Diabetes zum Verschwinden bringen", vermuten Müller und seine Kollegen. "Ganz genau kennt man die Mechanik des Gesamten nicht." Deswegen studieren Heidelberger Chirurgen und Diabetes-Spezialisten nun an 20 Patienten den Erfolg der Methode. "Es gehört viel, viel mehr zum Diabetes als nur der Zucker. Und deswegen sucht man nach Verfahren, die tiefer in den Körper eingreifen, die mehrere Facetten der Biologie des Diabetes aufgreifen, um dann vielleicht wirklich einmal Spätschäden verhindern zu können", so Prof. Dr. Peter Nawroth, Diabetologe am Heidelberger Uniklinikum.

Erste große Erfolge

Grafik: Ein rosafarbener Schlauch führt über einen rosabarbenen Beutel.
Den Magen ausschalten: Nach der OP gelangt der Speisebrei direkt in den Dünndarm. Der Diabetes verschwindet.

Was geschieht bei dem Eingriff? Der obere Teil des Magens wird abgetrennt. Der Dünndarm wird nach oben gezogen und direkt mit dem Mageneingang verbunden. Das heißt, der Speisebrei nimmt künftig eine Umleitung, einen Bypass. Er wird nicht mehr im Magen gespeichert. Das führt dazu, dass der Patient stark an Gewicht verliert. In den USA wird die OP häufig eingesetzt, in Deutschland ist man zurückhaltender. Langzeiterfahrungen gibt es noch nicht. Auch Nebenwirkungen und Risiken gilt es, im Blick zu haben. Neben der allgegenwärtigen Gefahr von Infektionen und Wundheilungsstörungen – wegen schlechter Durchblutung gerade bei Diabetikern ein ernst zu nehmendes Problem – sind abhängig von der OP-Methode auch Durchfall, Magenschmerzen oder Völlegefühl zu erwarten. Die Ernährung muss danach umgestellt werden. Und man fragt sich: Bleibt der Effekt der OP auf Dauer erhalten? Kommt es durch den verkleinerten Magen später zu Komplikationen? "Nach den bisherigen Ergebnissen, und ich sehe die Patienten alle selber, bin ich begeistert von den ersten Erfolgen. Aber wie gesagt, wir müssen Jahre warten, bis wir wirklich wissen, wie gut es ist", dämpft Nawroth die Erwartungen. Chirurgie gegen Diabetes – eine heiß diskutierte Behandlungsmethode. In Heidelberg plant man bereits die nächsten Studien, um die Therapie weiter zu erforschen.

Gefahr Bauchfett

Bauchpartie eines Mannes. Zwei Hände halten ein gelbes Maßband, das um den Buch geschlungen ist.
Bauchpartie eines Mannes. Zwei Hände halten ein gelbes Maßband, das um den Bauch geschlungen ist.

Übergewicht ist nicht gleich Übergewicht. Vor allem das Bauchfett gilt als gefährlich. Es produziert wie eine Körperdrüse rund 200 Hormone. Die hohe Stoffwechselaktivität hat Störungen unter anderem des Immunsystems zur Folge, die zu Entzündungen in den Gefäßen und zu Ablagerungen führen. Daraus freigesetzte Substanzen können somit zu Bluthochdruck, aber auch Depressionen, Demenz und eben auch zu Diabetes führen. Experten vermuten, dass toxische Zwischenprodukte des Fettstoffwechsels für die Störung der insulinproduzierenden Zellen und die Unempfindlichkeit von Muskelzellen für Insulin verantwortlich sind. Dies sind die beiden wesentlichen Auslöser des Typ-2-Diabetes mellitus.

So messen Sie Ihren Bauchumfang

So messen Sie den Bauchumfang richtig: Legen Sie das Maßband im Stehen in der Mitte zwischen dem unteren Rippenbogen und dem Beckenkamm um den nackten Bauch herum, leicht ausatmen und den Wert auf Nabelhöhe ablesen. Frauen mit mehr als 80 und Männer mit mehr als 94 Zentimetern Bauchumfang haben eine erhöhtes Risiko, an Diabetes zu erkranken.

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Zuletzt aktualisiert: 27. Juli 2012, 14:27 Uhr

Experte im Studio

Prof. Dr. med. Peter Schwarz, Lehrstuhl für Prävention und Versorgung am Universitätsklinikum der TU Dresden

Empfehlenswerte Internetadressen

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