Maßband um Messer und Gabel gewickelt
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Hauptsache Gesund | 01.06.2017 | 21:00 Uhr Aktion Abnehmen!

Wer möchte Gewicht verlieren? Diese Frage hatten wir Anfang März gestellt. Innerhalb weniger Tage meldeten sich mehr als 300 TV-Zuschauer, Online-Nutzer und Facebook-Freunde. Darunter überraschend viele Thüringer! Ansonsten scheint das Interesse an weniger Körpergewicht nicht nur im Osten Deutschlands verbreitet zu sein: Uns erreichten Zuschriften von Büsum an der Nordsee bis aus Ostfildern bei Stuttgart.

von Matthias Toying

Maßband um Messer und Gabel gewickelt
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Mit einer Blutabnahme beim Hausarzt begann für unser hoch motiviertes Team aus Männern und Frauen im Alter von 25 bis 62 Jahren die "Aktion Abnehmen". Die Laborwerte sind wichtig, damit die Risiken einer Schlankheitskur besser eingeschätzt werden können. Bestimmte Stoffwechsel-Störungen könnten beim Abnehmen sogar eine Gefahr darstellen, zum Beispiel ein erhöhter Harnsäurespiegel, wie Dr. Carsten Lekutat erläutert: "Wenn ich abnehme, steigert sich der Harnsäurespiegel noch weiter und ich kann einen Gichtanfall bekommen. Das möchte ich nicht. Wir wollen schließlich gesund abnehmen."

Essen und trinken schwarz auf weiß

Alle ausgewählten Teilnehmer wurden aufgefordert, ein Ernährungstagebuch zu schreiben. Mindestens zwei Wochen lang haben sie jede Kartoffel, jedes Stück Schokolade, jedes Glas Cola notiert. Zudem sollten sie ausrechnen, wie viele Kalorien sie mit jeder Mahlzeit zu sich genommen haben. Denn erst wenn ich klar vor Augen habe, was mich dick macht, kann ich verstehen, was ich ändern muss.

Eine einzige Beere ...

Dann folgte ein zweitägiger Workshop. Hierfür hatten wir zu unserer "Hauptsache Gesund"-Ernährungsexpertin Nicole Lins nach Magdeburg eingeladen. Zum Start gab es eine ungewöhnliche Übung: Dr. Carsten Lekutat servierte den Teilnehmern jeweils nur eine einzige schrumpelige Moosbeere (auch Cranberry genannt). Angesichts der verwunderten Gesichter ringsum, lieferte er auch gleich die Erklärung: "Es geht bei dieser Übung nicht darum, dass wir Kalorien sparen oder dass wir durch diese Cranberry satt werden. Es geht darum, ihren Duft wahrzunehmen, das Gefühl auf der Zunge zu spüren. Empfindungen, die im Alltag leicht verloren gehen. Eine intensive Beziehung zu unserer Nahrung ist Voraussetzung dafür, dass wir gesund und schlank sind – oder werden."

Achtsamer essen

Als nächstes wurde jedem ein Stück Schokolade serviert. Wieder sollten die Teilnehmer daran riechen, vorsichtig daran lecken, dann ein kleines Stückchen abbeißen und langsam auf der Zunge zergehen lassen.

Schokolade
Nicht alles auf einmal: Achtsamkeit beim Essen erhöht den Genuss. Bildrechte: colourbox.com

"Solch achtsames Essen kann zu überraschenden Erkenntnissen führen", meint Teilnehmer Holger Fritsche (40) aus Ostfildern bei Stuttgart: "Mir fällt auf, dass die Schokolade eigentlich nicht das hält, was sie im ersten Moment verspricht. Vom Geruch war alles noch in Ordnung, aber der Geschmack war dann völlig enttäuschend." Max Meißner (25) aus Leipzig: "Ich hab auch gedacht, dass die Schokolade süßer ist als die Cranberry, was tatsächlich nicht der Fall ist."

Von Nicole Lins lernten die Teilnehmer manches, das sie überraschte: "Wir hören immer, wir sollen ausreichend trinken", wendet sich die Ernährungsberaterin an ihre Zuhörer und fragt: "Wie viel aber ist ausreichend? Wir sagen immer, so ein bis zwei Liter trinken am Tag reicht. Doch damit sind Personen gemeint, die etwa 1,70m groß und 65 Kilo leicht sind." Ein Schweigen im Raum, die Teilnehmer schauen einander an. Die meisten hier wiegen mehr als 100 Kilo. Nicole Lins erklärt weiter: "Zellmasse und Blutvolumen sind bei den meisten Übergewichtigen höher. Also müssen sie mehr trinken, nämlich bis zu vier Liter am Tag." Wenn der Körper zu wenig Flüssigkeit erhält, kann er Abbauprodukte nicht abtransportieren und ausscheiden. Stattdessen lagert er sie zwischen, in Zellen oder Gelenken. Erstaunlich ist auch, wie viele Ernährungsirrtümer sich bis heute hartnäckig halten. Teilnehmer Hans-Joachim Ernst (62), aus Torgau: "Ich habe mindestens vier bis fünf Äpfel am Tag gegessen. Für mich war sehr überraschend zu erfahren, dass es wegen des Zuckergehalts gar nicht gut so ist, wenn ich ständig Obst esse."

Bei praktischen Übungen in der Küche lernten die Teilnehmer, dass Fertiggerichte in der Regel viele dickmachende Inhaltsstoffe enthalten und dass sie darum gesunde Kost möglichst selbst zubereiten sollten.

Weitere leckere Rezepte finden Sie in Nicole Lins' Kochbuch "Die schnelle Genussküche", das sie eigens für unsere Abnehm-Aktion zusammengestellt hat und das Sie hier herunterladen können:

Bewegung hilft

Sporttherapeut Jürgen Reif
Sporttherapeut Jürgen Reif Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Bewegung macht Abnehmen leichter. Warum ist das so? "Hauptsache Gesund"-Sporttherapeut Jürgen Reif trainierte unsere Teilnehmer und erklärte: "Bewegung regt den Stoffwechsel an. Sie macht die Muskulatur leistungsfähiger. Trainierte Muskeln verbrennen Kalorien. Sogar im Ruhezustand verzehrt jedes Kilo Muskelmasse rund 100 Kalorien pro Tag. Das ist wie ein Motor, der auch im Leerlauf Energie verbraucht." Allerdings werde oft überschätzt, wie viele Kalorien durch Bewegung verbraucht werden, und unterschätzt, wie schnell die Kalorien wieder auf den Hüften landen: "Nach einer Stunde Nordic Walking zum Beispiel sind etwa 400 Kilokalorien verbrannt. Das ist ungefähr eine Bratwurst, aber ohne Brötchen." Als Trainingsdisziplin eignet sich Nordic Walking dennoch besonders gut. Holger Fritsche weiß warum: "Es ist ein Sport für jedes Alter, bei dem auch der Oberkörper mit trainiert wird. Beim normalen Laufen werden nur die Beine beansprucht."

Ob die Belastung für den Körper optimal ist, lässt sich mittels einer einfachen Methode klären: Man misst den Puls, während des Trainings und löst dann eine Rechenaufgabe, so Jürgen Reif: "Es gibt eine Formel, die besagt: 180 minus Alter. Wer zum Beispiel 50 Jahre alt ist, der rechnet 180–50=130. Er darf also maximal einen Puls von 130 Schlägen pro Minute während des Trainings haben. Liegt der Puls aber darunter, dann ist das ein Zeichen dafür, dass eigentlich intensiver trainiert werden sollte."

Eine Aufgabe fürs Leben

Eine Waage zeigt ein Smiley an.
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Am Ende fasst Dr. Carsten Lekutat zusammen: "Wenn es ans Abnehmen geht, dann sind die bunten Blätter und auch das Internet voll von Wunder-Diäten: Von der Nulldiät oder der Hollywood-Stardiät bis hin zur Vollweib-Diät. Nichts davon funktioniert auf Dauer wirklich. Abnehmen bedeutet, sich auf den Weg machen, ein Leben lang Ernährung und Bewegung umstellen." Er weiß, wovon er spricht. Er war selbst vor zehn Jahren noch übergewichtig und hat damals 23 (!) Kilogramm abgenommen.

Über dieses Thema berichtet "Hauptsache Gesund" MDR FERNSEHEN | 01.06.2017 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Juni 2017, 14:19 Uhr

Grafische Darstellung von Herz und Blutgefäßen
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