Im Vordergrund eine Frau, die aus einem Weinglas trinkt und im Hintergrund ein Autounfall mit Rettungswagen.
Immer wieder kommt es durch alkoholisierte Fahrer auch zu tragischen Unfällen im Straßenverkehr. Bildrechte: colourbox.com

Hauptsache Gesund | 03.11.2016 | 21:00 Uhr Alkohol - die unterschätzte Gefahr

"Ein Tröpfchen in Ehren" heißt es im Volksmund. Doch oft wird es mehr als das. Wann wird Alkoholkonsum gesundheitlich bedenklich? Wie werden die Organe geschädigt? Kann kontrolliertes Trinken ein Weg aus der Sucht sein?

Im Vordergrund eine Frau, die aus einem Weinglas trinkt und im Hintergrund ein Autounfall mit Rettungswagen.
Immer wieder kommt es durch alkoholisierte Fahrer auch zu tragischen Unfällen im Straßenverkehr. Bildrechte: colourbox.com

Nicht nur die Nase wird bei Alkoholmissbrauch rot und knollig. Auch Gehirnzellen sterben ab und lassen so Gedächtnislücken entstehen, das führt zu Konzentrationsverlust und zu Demenz. Dazu verursacht Alkohol zahlreiche Schäden an inneren Organen. Die Bauchspeicheldrüse kann sich entzünden, der Blutdruck erhöht sich, es kommt zu Herz-Rhythmusstörungen. Alkohol ist eine mögliche Ursache für Brustkrebs, Darmkrebs, Magenkrebs oder Speiseröhrenkrebs. Um seine Gesundheit nicht zu gefährden, sollten Frauen nicht mehr als zwölf Gramm reinen Alkohol pro Tag trinken. Für Männer gilt die doppelte Menge als Grenzwert.

Alkohol in Zahlen • Pro-Kopf-Verbrauch:
Im Jahr 2014 betrug der Pro-Kopf-Konsum an alkoholischen Getränken in der Bundesrepublik 135,4 Liter. Das entspricht 9,6 Liter reinem Alkohol.

• Stichwort Alkoholmissbrauch:
Etwa 1,61 Millionen Männer und Frauen im Alter zwischen 18 und 64 Jahren trinken missbräuchlich Alkohol. Sie nehmen körperliche, psychische und soziale Folgen in Kauf. Männer trinken durchschnittlich deutlich mehr als Frauen.

• Stichwort Alkoholabhängigkeit:
Rund 1,77 Millionen Männer und Frauen im Alter zwischen 18 und 64 Jahren sind alkoholabhängig.

• Todesfälle durch Alkoholkonsum:
Schätzungen für Deutschland belaufen sich auf etwa 74.000 Todesfälle, die durch riskanten Alkoholkonsum oder durch den kombinierten Konsum von Alkohol und Tabak verursacht werden.

• Behandlungsfälle durch Alkohol:
Eine psychische oder verhaltensbezogene Störung durch Alkohol wurde im Jahr 2014 mit 340.500 Behandlungsfällen als zweithäufigste Einzeldiagnose in Krankenhäusern diagnostiziert. Davon waren 247.918 Patienten Männer.

•Unfälle im Straßenverkehr:
Insgesamt wurden 2014 bei Alkoholunfällen 260 Menschen getötet und 16.856 Personen verletzt.

(Quelle: Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen, Jahrbuch Sucht 2016)

Kontrolliertes Trinken - neue Wege aus der Alkoholsucht

Galt bislang das strenge Ziel vom absoluten Verzicht auf Alkohol nach einer Therapie, gibt es seit kurzem eine modifizierte Variante der Suchttherapie: das kontrollierte Trinken. Dieses Konzept bietet den Betroffenen mehr Freiräume in der Therapie. Will doch mindestens jeder Dritte nicht ganz auf Alkohol verzichten, sondern ab und zu trinken, ohne in einen Exzess zu geraten. Dazu kommt, dass die Zahlen der "strengen" Suchttherapie alles andere als überzeugend klingen: 70 Prozent aller Alkoholabhängigen erleiden im ersten Jahr nach der Therapie einen Rückfall, im zweiten Jahr trinken sogar fast 90 Prozent wieder. Deshalb setzte sich langsam unter Ärzten, Wissenschaftlern und Therapeuten die Erkenntnis durch, dass weniger in diesem Falle mehr ist. Weniger zu trinken, bedeutet weniger gesundheitliche Schäden und weniger Tote durch Alkoholmissbrauch.

Symbolisch: Alkoholismus
Nur jeder zehnte Alkoholiker begibt sich in therapeutische Hilfe. Bildrechte: Colourbox.de

Obwohl die Zahl der Rückfälle ähnlich hoch ist, bleibt ein entscheidender Fakt: Zwischen zehn und 30 Prozent aller Patienten, die das kontrollierte Trinken als Option wählen, wollen nach einem neuerlichen Alkoholexzess zukünftig ganz auf Alkohol verzichten. Diese Patientengruppe hat eine ganz wichtige Motivation: Sie ist allein zu dem Schluss gekommen, dass völliger Verzicht auf Alkohol die bessere Lösung ist. Damit ist die Chance eine neuerliche Therapie durchzuhalten und möglicherweise zukünftig tatsächlich völlig auf Alkohol zu verzichten extrem hoch. Ein wichtiger Schritt angesichts der Tatsache, dass sich nur jeder zehnte Alkoholiker überhaupt in Behandlung begibt.

Zuletzt aktualisiert: 03. November 2016, 16:54 Uhr