Symbolbild zeigt Schere im Körper eines Menschen auf einem Röngenbild
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Hauptsache Gesund | 20.10.2016 | 21:00 Uhr Was tun bei Verdacht auf einen Behandlungsfehler?

Immer häufiger wenden sich Patienten wegen eines Verdachts auf einen Behandlungsfehler an Ihre Krankenkassen. Im letzten Jahr gingen Gutachter 14.828 Verdachtsfällen nach. In mehr als 4.000 Fällen bestätigte sich der Verdacht. Die meisten Vorwürfe bezogen sich auf Operationen.

Symbolbild zeigt Schere im Körper eines Menschen auf einem Röngenbild
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Wann spricht man von einem Behandlungsfehler?

Es gibt allgemein anerkannte fachliche Standards, welche laufend neuen Erkenntnissen und Studienlagen angepasst werden. Jeder Arzt muss seine Patienten gemäß diesem aktuellen Standard behandeln. Abweichen darf er davon nur, wenn er dies vorher ausdrücklich mit dem Patienten abgestimmt hat. Das heißt, eine nicht abgestimmte Abweichung vom Standard stellt schon einen Behandlungsfehler dar.

Dazu kommen Mängel in der Diagnose oder der Therapie, aber auch Hygienemängel oder Organisationsfehler, etwa bei der Vorbereitung und Durchführung eines körperlichen Eingriffs. Auch muss ein Arzt dafür sorgen, dass seine Geräte den aktuellen Standards entsprechen, ein Röntgengerät zum Beispiel keine zu hohe Strahlenbelastung hat.

Ein Behandlungsfehler im weiteren Sinne kann aber auch darin liegen, dass der Arzt es schlicht versäumt, den Patienten aufzuklären (§ 630e Abs. 1 BGB). Er muss über Art, Umfang, Durchführung, zu erwartende Folgen und Risiken der Maßnahme sowie ihre Notwendigkeit, Dringlichkeit, Eignung und Erfolgsaussichten im Hinblick auf die Diagnose oder die Therapie unterrichten. Bei der Aufklärung hat der Arzt auch auf Alternativen zur Maßnahme hinzuweisen, wenn mehrere medizinisch gleichermaßen indizierte und übliche Methoden zu wesentlich unterschiedlichen Belastungen, Risiken oder Heilungschancen führen können.

Wann haftet ein Arzt?

Es mag für die Betroffenen bitter klingen, aber nicht jeder Behandlungsfehler führt automatisch zu einem Ersatzanspruch. Ein Arzt haftet nur, wenn dem Patienten ein Schaden entstanden ist. Dieser Schaden muss mit Sicherheit auf den Behandlungsfehler zurückzuführen sein. Der Haken ist: Der Patient steht in der Beweispflicht, wenn er Schadensersatzansprüche geltend machen will. Allerdings ist das oft sehr schwierig, weil Patienten in den seltensten Fällen über medizinisches Hintergrundwissen verfügen und Zweifel zu seinen Lasten gehen. Nur dann, wenn ein besonders schwerer Behandlungsfehler vorliegt, dreht sich die Beweislast: Der Arzt muss nun beweisen, dass der eingetretene Schaden auch ohne Fehler passiert wäre. Das Gericht hört in aller Regel einen medizinischen Sachverständigen an, um zu klären, ob ein Behandlungsfehler vorliegt und ob dieser die Ursache für den Schaden ist.

An wen kann ich mich bei einem Verdacht auf einen Behandlungsfehler wenden?

Suchen Sie zunächst das Gespräch mit dem behandelnden Arzt. In so einem Fall ist es sinnvoll, eine Vertrauensperson zu diesem Gespräch mitzunehmen. Diese hat einen sachlicheren Außenblick und kann eine gute – auch psychische – Stütze sein.

Stethoskop mit zerbrochenem Äskulapstab, Spritze und Warnschild
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Manche Krankenkassen bieten ihren Versicherten bei einem Verdacht auf einen Behandlungsfehler entsprechende Beratungsleistungen an. Allerdings sind diese Beratungsleistungen von Krankenkasse zu Krankenkasse sehr unterschiedlich. Handelt es sich eher um eine unverbindliche Beratung am Telefon oder ist die Krankenkasse auch bereit, kostenlose medizinische Gutachten zu erstellen und den Patienten notfalls gerichtlich zu vertreten? Fragen Sie bei Ihrer Krankenkasse nach.

Parallel dazu gibt es die Unabhängige Patientenberatung (UPD). Das ist eine gemeinnützige GmbH mit drei Gesellschaftern: dem Bundesverband der Verbraucherzentralen, dem Sozialverband VdK und dem Verbund unabhängige Patientenberatung. Sie ist eine Beratungsinstanz, welche unabhängig von Ärzten, Krankenkassen und Kliniken operiert. Hier kann sich jeder Rat und Hilfe holen. In vielen Städten gibt es Beratungsstellen der UPD vor Ort. Dabei ist gesetzlich gesichert, dass die UPD neutral, unabhängig und kostenfrei berät. 2014 hat die UPD circa 7.000 Mal zu Behandlungsfehlern beraten.

Wer über keine Rechtsschutzversicherung verfügt, sollte erst alle kostenlosen Beratungsleistungen ausschöpfen. Erst zum Schluss sollten Patienten eine rechtsanwaltliche Beratung in Erwägung ziehen. Achten Sie darauf, einen Fachanwalt für Medizinrecht zu konsultieren.

Zuletzt aktualisiert: 21. Oktober 2016, 09:30 Uhr