Die Beine einer Frau, die einen Kopfsprung macht.
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Hauptsache Gesund | 04.05.2017 | 21:00 Uhr Was hilft gegen Krampfadern und Besenreiser?

Endlich Frühling, endlich Sonne und milde Temperaturen! Viele Menschen freuen sich darauf, nun wieder lockere Kleidung, kurze Hosen und Röcke tragen zu können. Doch nicht jeder zeigt gern Bein. Ein Grund: Besenreiser oder sogar Krampfadern. Gerade letztere sind mehr als nur ein kosmetisches Problem.

von Jörg Simon

Die Beine einer Frau, die einen Kopfsprung macht.
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Der Name "Krampfadern" hat nichts mit "Krämpfen" zu tun, obschon die Folgen eines fortgeschrittenen Krampfaderleidens durchaus schmerzhaft sein können. "Krimpfan" ist das althochdeutsche Wort für "krümmen" – und daraus ist die Bezeichnung für die geschlängelten oder knotigen, sich an den Beinen abzeichnenden schadhaften Venen zustande gekommen.

Wie entstehen Krampfadern?

Beine von Flugbegleiterinnen auf einem spiegelnden Fußboden.
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Um zu verstehen, wie es zu Krampfadern kommen kann, muss man sich Aufbau und Funktion der Beinvenen verdeutlichen. Venen sind jene Blutgefäße, die das Blut zurück zum Herzen transportieren. In den Beinvenen muss es dafür eine beachtliche Strecke zurücklegen – gegen die Schwerkraft. Damit das klappt, hat sich die Natur zwei Tricks einfallen lassen. Zum einen pressen die Muskeln in unseren Beinen bei jedem Schritt die Venen so zusammen, dass das Blut darin nach oben gepumpt wird. Zum anderen gibt es in den Venen eine Art Schleusensystem, die Venenklappen. Sie verhindern, dass das Blut wieder zurück nach unten sackt. Wenn die Wände der Venen erschlaffen und die Venenklappen nicht richtig funktionieren, wird der Abtransport des Blutes erschwert. Blut "bleibt liegen" und drückt wiederum auf die Venenwände. Eine Krampfader entsteht – eine erweiterte Vene, die sich immer deutlicher durch die Haut abzeichnet.

Wer bekommt Krampfadern?

Bei vielen Menschen gibt es eine familiäre Neigung zu Krampfadern. Sie hängen offenbar mit einer gewissen Bindegewebsschwäche zusammen. Frauen sind davon häufiger betroffen als Männer, bei vielen kommt es in der Schwangerschaft zur Ausbildung von Krampfadern. Andererseits ist bekannt, dass häufiges Sitzen oder Stehen das Risiko für Krampfadern erhöht. Denn wenn wir unsere Beine nicht bewegen, wird auch die "Muskelpumpe" nicht betätigt, also der Druck unserer Beinmuskulatur auf die Venen. So erschlaffen auf Dauer die Wände der Blutgefäße.

Krampfadern können mitunter aber auch Folge eines anderen Venenleidens sein. Kommt es zu tiefen Beinvenenthrombosen, nimmt das Blut vermehrt "Umwege" über die hautnahen Beinvenen. Diese werden dadurch überlastet, Krampfadern entstehen.

Welche Folgen können nicht behandelte Krampfadern haben?

Ärzte mit OP-Kleidung
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Viele Menschen leiden unter kleineren Krampfadern, haben aber dadurch nur gelegentlich Beschwerden und empfinden sie eher als kosmetischen Makel. Ausgedehntere Krampfadern führen zu schweren, müden Beinen und zu Schwellungen. Symptome treten vor allem nach langem Sitzen oder Stehen auf.

Fortgeschrittene Krampfadern verursachen verschiedene Komplikationen. So kann es zu schmerzhaften Venenentzündungen kommen. Im schlimmsten Fall können chronische Wunden entstehen, die nur schwer zum Abheilen zu bringen sind – ein so genanntes "offenes Bein" ist die Folge.

Immer noch aktuell: die klassische Krampfader-OP

Das sogenannte Venen-Stripping ist eine Operationstechnik, die bereits mehr als 100 Jahre alt ist. Trotz vieler neuer Therapieansätze hat sie aber ihre Bedeutung nicht verloren. Bei dem Eingriff wird eine Art Sonde von oben in die Vene eingeführt. Mit einem Schnitt wird das erkrankte Blutgefäß abgetrennt und mit der Sonde nach oben herausgezogen.

Alternativen zum Venenstripping

Welche Behandlungsoption Ihnen Ihr Arzt empfiehlt, ist immer von der Ausdehnung des Leidens und Ihrer individuellen Situation abhängig. Bei manchen Patienten kann mit dem Tragen von Kompressionsstrümpfen zumindest ein Fortschreiten der Erkrankung gestoppt werden. Kleinere Krampfadern lassen sich mit eingespritztem Schaum veröden. Für ausgedehntere Varizen stehen Laserverfahren und eine Radiowellen-Therapie zur Verfügung. Dabei werden die erweiterten Venen gewissermaßen von innen verkocht oder verschweißt. Sie werden dabei also nicht entfernt, sondern verbleiben im Körper und werden anschließend abgebaut. Noch relativ neu ist ein Verfahren, bei dem ein Klebstoff in die betroffene Vene gespritzt wird. Der Arzt drückt die Vene dann von außen zusammen, und wie mit einem Sekundenkleber wird sie augenblicklich verschlossen.

Wichtig: Betroffene sollten vorab klären, ob ihre Krankenkasse die Kosten für den jeweiligen Eingriff übernimmt.

Was sind Besenreiser?

Die sogenannten "Besenreiser" haben nichts mit "reißen" zu tun. Der Name leitet sich von den Reisern ab, also den dünnen Zweigen, mit denen ein Reisigbesen gebunden wird. Besenreiser sind kleinste Blutgefäße in der Haut, die tiefdunkelrot sichtbar werden. Medizinisch sind die kleinen Hautveränderungen weniger bedeutsam, dennoch empfinden viele Betroffene sie als Belastung, vor allem dann, wenn sie nicht nur an den Beinen, sondern auch an anderen Körperstellen auftreten.

Was tun gegen die Entstehung und die Verschlimmerung von Krampfaderleiden?

Für viele Krampfaderleiden ist eine familiäre Vorbelastung verantwortlich, gegen die der Betroffene kaum etwas ausrichten kann. Generell aber kann man die Arbeit seiner Beinvenen unterstützen, ihnen beim Abtransport des Blutes helfen und ihrem Erschlaffen vorbeugen. Wie? Ganz einfach durch Bewegung. Gerade Menschen, die viel sitzen oder stehen, sollten immer mal rhythmisch in den Zehenstand gehen und damit die Wadenmuskeln kräftig anspannen. wie unser Studiogast, Gefäßchirurg Dr. Dirk Neubert von den Sana-Kliniken Leipziger Land erklärt: "Wir machen das auch im OP so, wo wir oft lange stehen müssen. Einfach immer wieder mal auf die Zehen stellen, dann werden die Beine auch weniger müde."

Über dieses Thema berichtet "Hauptsache Gesund" in der Sendung vom 04.05.2017, 21:00 Uhr, im MDR FERNSEHEN.

Zuletzt aktualisiert: 04. Mai 2017, 23:22 Uhr