Der Imker Siegurt Tilly begutachtet  in einem Rapsfeld Carnika Bienen an einer Wabe.
Bildrechte: IMAGO

Hauptsache Gesund | 31.08.2017 | 21:00 Uhr Medizin aus dem Bienenstock

Die Honigbiene ist unersetzbar. Ohne sie hätten wir kein Obst oder Gemüse, denn sie bestäubt rund 80 Prozent aller Pflanzen. Und Honig, Propolis und Bienenbrot machen den Bienenstock zu einem wahren Medizinschrank.

von Jana Olsen

Der Imker Siegurt Tilly begutachtet  in einem Rapsfeld Carnika Bienen an einer Wabe.
Bildrechte: IMAGO

Seit Jahrtausenden nutzt der Mensch die Heilkraft des Honigs. Für die alten Ägypter war Honig die Speise der Götter. Hippokrates, der berühmteste Arzt des Altertums, entwickelte einen Katalog mit 300 verschiedenen Honigrezepten gegen Krankheiten. Auch heute wird Honig medizinisch angewendet. Ein Allheilmittel ist er zwar nicht, aber er kann kleinere Beschwerden lindern. In Kombination mit kleingeschnittener Zwiebel etwa entsteht ein guter Hustensaft. Ein Tee mit Ingwer und Honig bringt verstopfte Schnupfnasen zum Laufen. Wissenschaftlich belegt ist sogar, dass ein Löffel Honig während einer Strahlentherapie im Kopfbereich Entzündungen im Mund lindert. Das wiederum führt dazu, dass die Patienten unter der Therapie besser essen können und schneller zu Kräften kommen.

Tipp: Achten Sie beim Honigkauf auf die Angaben auf dem Etikett. Ist vermerkt, dass der Honig aus "Nicht-EG-Ländern" stammt oder eine Mischung mit "Nicht EU-Ländern" ist, besteht das Risiko, dass der Honig Antibiotika-Rückstände enthält. In der EU dagegen ist der Einsatz von Antibiotika gegen Bienenerkrankungen verboten.

Medizinischer Honig: Hilfe für Problemwunden

Chronische Wunden heilen manchmal einfach nicht. Wenn selbst Antibiotika und das beste Wundmanagement versagen, setzen Spezialisten auf Medizinischen Honig. Mit dem normalen Frühstückshonig hat der wenig zu tun. Medizinischer Honig besteht aus einer Mischung australischer und neuseeländischer Honigsorten. Gemeinsam bilden sie aus Wasserstoffperoxid und Methylglyoxal einen Cocktail hochwirksamer, bakterientötender Substanzen. Zudem wird der medizinische Honig extra bestrahlt und keimfrei gemacht. Achtung: Medizinischen Honig gibt es zwar rezeptfrei in der Apotheke und im Internet zu kaufen, doch die Behandlung großer Wunden sollte immer von einem Arzt begleitet werden. Denn nicht bei jeder Wunde ist die Anwendung sinnvoll.

Pollen: Aufbaumittel für schlechte Esser

Eine Biene, deren Beinkörbchen mit Pollen gefüllt sind, fliegt eine Baumblüte an.
Mit ihren Beinwerkzeugen bürstet die Biene die Pollenkörner in ein kleines Körbchen am Bein. Bildrechte: IMAGO

Beim Flug von Blüte zu Blüte sammeln Bienen nicht nur Nektar, sondern auch Blütenpollen. Der feine Blütenstaub verfängt sich im Haarkleid der Biene. Mit ihren Beinen stellt sie daraus kleine Körner her und bringt sie in den Stock, wo sie als Eiweißnahrung und zur Aufzucht der Nachkommen dienen. Pollen sind reich an Kohlenhydraten, Eiweiß, Mineralstoffen und Vitaminen und werden vor allem Vegetariern als Eiweißquelle empfohlen. Zudem dienen sie schlechten Essern als Kraftfutter. Pollenhonig aus der Region wirkt desensibilisierend, er reduziert alsi die Allergieempfindlichkeit. Trockenpollen sind beim Imker, im Reformhaus, in der Apotheke oder im Naturkosthandel erhältlich.

Tipp: Vor dem Verzehr sollte Trockenpollen in milchsauren Lebensmitteln wie Joghurt oder Sauermilch etwa 20 Minuten eingerührt werden. Erst dann werden sie verträglich.

Bienenbrot: Gesunder Snack

Bienenbrot in einem Metallbehälter
Bienenbrot besteht aus Pollen, die mit einer dünnen Schicht Propolis überzogen sind. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK/Annett Böhm

Mit Bienenbrot ist nicht das Honigbrot zum Frühstück gemeint. Es ist vielmehr ein "Brot der Bienen", das sie im Bienenstock aus Pollen  "backen". Frische Pollen halten sich nicht lange, sind aber zur Ernährung des Bienennachwuchses enorm wichtig. Deswegen stampfen die Bienen die Pollen in der Wabenzelle fest und überziehen diese mit einer dünnen Schicht Propolis. Die Pollen fermentieren im Stock. Man kann Bienenbrot "roh" essen, es schmeckt angenehm mild und passt gut zu Milchprodukten wie Joghurt oder Quark. Bienenbrot ist ein gesunder Snack für zwischendurch, enthält viel Eiweiß, Vitamine und Mineralstoffe.

Tipp: Fragen Sie Ihren Imker von nebenan, ob er Bienenbrot hat. Da können Sie sich genau anschauen, ob die Qualität stimmt. Im Handel gibt es oft Bienenbrot aus Osteuropa. Dort werden vielfach die Herstellungsbedingungen nicht so streng kontrolliert wie bei uns.

Propolis: Der Entzündungshemmer

Im Bienenstock herrschen ideale Bedingungen für die Ausbreitung von Krankheiten. Zehntausende Tiere leben auf engstem Raum, beständig werden Keime von außen eingeschleppt. Den Bienen gelingt es jedoch, die drohende Seuchengefahr einzudämmen – und zwar mit Propolis. Die harzige Substanz besitzt nämlich antibiotische Eigenschaften. Die kann auch der Mensch medizinisch nutzen.

Ein Imker kratzt Propolis vom Rand eines Bienenkastens, der sogenannten Bienenbeute.
Imker kratzen Propolis von der sogenannten Bienenbeute. Bildrechte: IMAGO

Propolis gibt es in sehr unterschiedlichen Darreichungsformen. Roh-Propolis ist direkt beim Imker erhältlich. In Apotheken und Reformhäusern findet man Propolis als Tinktur, in Salben, Lutschtabletten, Kapseln und Zäpfchen. Propolis kann zudem in speziellen Verdampfern vernebelt und bei chronischen Erkrankungen der Atemwege (Asthma, Bronchitis, Allergien) eingesetzt werden. Bei Halsschmerzen kann man zum Beispiel mit verdünnter Propolistinktur gurgeln. Bei Herpes soll die Tinktur bei ersten Beschwerden auf die betroffene Stelle getupft werden.

Tipp: Bei der Erstanwendung sollte man Vorsicht walten lassen, da manche Menschen allergisch auf Propolis reagieren. Im Zweifelsfall schafft ein vorheriger Allergietest Klarheit.

Gelée royale: Das königliche Aufbaumittel

Die Larve einer Bienenkönigin liegt in einem weißen Saft, dem sogenannten Gelée royale.
Die Bienenkönigin wird ihr ganzes Leben lang mit Gelée royale ernährt. Bildrechte: IMAGO

Schlüpft eine Bienenlarve, kommt sie in ein Schlaraffenland. Sie ist umgeben von einer dicken Suppe aus Gelée royale. In den ersten Tagen bekommen alle Larven diesen Futtersaft: Die Königin dagegen wird ihr Leben lang damit ernährt. Dank des hochwertigen Futters kann eine Königin am Tag bis zu 2.000 Eier legen. Als Speise der Königin haftet Gelée royale der Ruf eines heilsamen Wundermittels an. Es wird als Nahrungsergänzungsmittel zur allgemeinen Stärkung angeboten. Erhältlich ist es pur, als Trinkampulle und in Kapselform. Es soll in Zeiten körperlicher und seelischer Belastungen für frische Kräfte sorgen, in der Erkältungssaison das Immunsystem stärken, den Stoffwechsel anregen und den weiblichen Hormonhaushalt normalisieren. Die Heilwirkungen von Gelée royale beruhen jedoch vorwiegend auf Einzelberichten und Erfahrungswerten als auf wissenschaftlichen Belegen.

Tipp: Gelée royale schmeckt pur ziemlich sauer und kratzt beim Herunterschlucken kratzt bitter im Rachen. Am besten also mit einem Löffel Ihres Lieblingshonigs "nachspülen".

Stocklufttherapie: Nicht nur heiße Luft

Ein Imker steht an seinen Bienenstöcken.
Imker Jürgen Schmiedgen Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK/Annett Böhm

Die Luft im Bienenstock hat konstant eine Temperatur von rund 35 Grad. Mit Pollen, Propolis, Harzen, Honig, Wachs und anderen natürlichen Substanzen bildet sie ein einzigartiges Dampfgemisch. Dem wird auch ein heilender Effekt für den Menschen nachgesagt, insbesondere für Atemwegspatienten mit Asthma, chronischer Bronchitis oder Heuschnupfen. Doch wie lässt sich die Luft aus dem Bienenstock zu bekommen, ohne dabei Mensch und Biene zu schaden? Das war bisher eine große Herausforderung. Einige Amtsärzte untersagten sogar die Durchführung der Bienenstocklufttherapie, da kein entsprechendes medizinisches Gerät zugelassen war. Das hat sich mittlerweile geändert. Der Ingenieur und Imker Jürgen Schmiedgen aus dem erzgebirgischen Walthersdorf hat ein System entwickelt, das jetzt auch als Medizinprodukt zugelassen ist. Erste Kliniken arbeiten bereits mit dem neuen Therapiemodul, zum Beispiel im sächsischen Thermalbad Wiesenbad, in Oberwiesenthal und im bayrischen Bad Königshofen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 31. August 2017 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. September 2017, 09:38 Uhr