Zwei Hände stoßen mit zwei Biergläsern an.
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Hauptsache Gesund | 10.08.2017 | 21:00 Uhr Bier: Kühl, blond – aber auch gesund?

Bier ist ein erstaunliches Getränk: Aus nur drei Zutaten hergestellt entwickelt es eine Fülle an Inhaltsstoffen. Die haben zum Teil auch eine gesundheitsfördernde Wirkung. Wäre da nur nicht der Alkohol ...

von Jörg Simon

Zwei Hände stoßen mit zwei Biergläsern an.
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Vom aus der Schweiz stammenden Arzt Paracelsus  (1493–1541) stammt das Zitat, Bier sei eine "göttliche Medizin". Ein Satz, den Mediziner von heute sicher so nicht mehr äußern würden. Einige Gesundheitswirkungen des Biers lassen sich aber tatsächlich belegen. So sollen bestimmte Inhaltsstoffe Entzündungen hemmen. Den enthaltenen ätherischen Ölen wird eine positive Wirkung bei Erkältungen nachgesagt – vor allem dann, wenn das Bier warm getrunken wird. Außerdem gibt es die Legende, dass Pflanzenöstrogene im Bier bei Frauen zu einer größeren Oberweite führen. Diese Behauptung lässt sich wissenschaftlich nur schwer belegen. Sicher ist allerdings, dass Hopfenwirkstoffe bei Frauen eine luststeigernde Wirkung haben.

Nur drei Zutaten

Fast jeder kennt die Jahreszahl 1516. In diesem Jahr, genauer am 23. April 1516, erließ der Bayerische Landständetag den ersten Entwurf des berühmten Reinheitsgebots. Dieses Gebot, die älteste noch gültige lebensmittelrechtliche Vorschrift, verfügte damals: Bier darf nur drei Zutaten enthalten. Wasser, Malz und Hopfen.

Hopfenpflanze
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In der Brauerei wird Gerstenmalz zunächst eingemaischt, also mit Wasser vermischt und erwärmt. Das setzt einen Fermentationsprozess in Gang. Die Getreidestärke wandelt sich dabei in Zucker um. Anschließend trennt der Brauer die Malzrückstände von der sogenannten Würze. Diese Würze, der flüssige Anteil, wird dann mit Hopfen aufgekocht, gefiltert und gekühlt. Hopfen verleiht dem Bier den typischen Geschmack, trägt aber mit seinen antibakteriell wirkenden Inhaltsstoffen auch zu dessen Haltbarkeit bei.

Schließlich kommt Hefe in die Mischung. Als das Reinheitsgebot entstand, wurde Hefe nicht explizit erwähnt – man verließ sich damals auf Spontangärung durch Hefen aus der Luft. Gleichwohl gäbe es ohne Hefe keine alkoholische Gärung und auch kein Kohlendioxid. Dieses Gas sorgt später für den Schaum auf dem Bier.

Der für den Geschmack wichtige Hopfen wächst in Deutschland in sechs größeren Anbaugebieten. Lange Zeit galt Deutschland als wichtigstes Hopfenanbaugebiet der Welt. Inzwischen haben sich die USA an die Spitze gesetzt. Auf dem dritten Platz: Tschechien.

Auch beim weltweiten Bierkonsum liegen die Deutschen mit rund 104 Litern pro Kopf und Jahr auf dem zweiten Platz. Platz 1 wird von den Tschechen belegt.

Ein Getränk, das voller Energie steckt

Bier schmeckt kaum süß, sondern durch das Hopfenaroma angenehm bitter. Wer aber meint, Bier enthielte keinen Zucker, der täuscht sich. Je nach Biersorte kann in einem halben Liter des Getränks der Gegenwert von zwölf bis zwanzig Stück Würfelzucker stecken. Der Zucker liegt im Bier vorwiegend als Maltose, also als Malzzucker vor. Dieser hohe Kohlenhydratgehalt ist, neben dem enthaltenen Alkohol, dafür verantwortlich, dass Bier kräftig zur Kalorienzufuhr beiträgt. Nicht umsonst sprechen viele von dem Getränk als einer "Flüssigmahlzeit". Und es ist auch kein Zufall, dass das Bier aus den Klosterbrauereien den Mönchen über die Fastenzeit helfen sollte.

Kaloriengehalt im Vergleich

Ein Teller mit Currywurst und Pommes und ein Glas Bier stehen auf einem Couchtisch. Im Hintergrund läuft der Fernseher.
Bier enthält zwar weniger Kalorien als Saft oder Milch, allerdings wird auch mehr davon getrunken. Meist wird auch etwas dazu gegessen, denn der Alkohol und die Bitterstoffe regen den Appetit an. Bildrechte: IMAGO

Vergleicht man Bier mit Milch, klassischer Cola oder Fruchtsaft, stößt man auf ein erstaunliches Ergebnis. Denn diese Getränke enthalten zum Teil sogar mehr Energie als Bier. Ein halber Liter Bier schlägt (je nach Sorte) mit etwa 210 kcal zu Buche, die gleiche Menge Vollmilch mit 320 kcal. Apfelsaft bringt pro halbem Liter 230 kcal mit, zuckerhaltige Cola (also nicht das Light-Getränk mit Süßstoff) 185 kcal. Entwarnung für die Biertrinker? Nur zum Teil. Denn kennen Sie jemanden, der abends beim Fernsehen mal eben zwei oder drei halbe Liter Milch oder die gleiche Menge Apfelsaft trinkt? Mit Bier wird diese Menge aber schnell erreicht. Und damit nicht genug – die Bitterstoffe im Bier wirken auch noch appetitanregend. Für viele gehört ein "kleiner Snack" zum Bier daher wie selbstverständlich dazu. In der Summe treibt das die Kalorienbilanz ordentlich in die Höhe. Also bitte Maß halten – nicht nur wegen des Alkoholgehaltes, sondern vor allem auch wegen der zusätzlichen Energiezufuhr. Wichtig ist aber auch der Hinweis: Als alkoholhaltiges Getränk kann Bier zu psychischer und später auch körperlicher Abhängigkeit führen.

Bier als Vitaminlieferant?

Tatsächlich liefert Bier eine Auswahl wasserlöslicher Vitamine aus der B-Gruppe, vor allem Vitamin B2. Außerdem ist sein Gehalt an Mineralstoffen erwähnenswert, namentlich Kalium, Magnesium, Selen oder Silizium. Bestimmte sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe, die Polyphenole, sind im Bier ebenfalls zu finden – ihnen wird eine Schutzwirkung gegen Arteriosklerose nachgesagt. Die positiven Gesundheitswirkungen des Biers sollten wegen seines Alkoholgehalts jedoch mit Skepsis betrachtet werden.

Alkoholfrei – und Spaß dabei?

Bierglas
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In den letzten Jahren ist alkoholfreies Bier immer beliebter geworden. Fast alle Brauereien haben auch ein Bier im Angebot, das als "alkoholfrei" vermarktet wird. Bei der Herstellung dieser Biere wird meist der Gärungsprozess unterbrochen, bevor Alkohol entsteht. Damit bleibt mehr unvergorener Zucker in der Flüssigkeit. Diese Biere haben trotz des fehlenden Alkohols also einen recht hohen Energiegehalt und taugen nicht als normale Durstlöscher. Geschmacklich hat sich viel getan – in Blindtests fällt es vielen Menschen mittlerweile schwer, alkoholhaltige und alkoholfreie Biere zu unterscheiden.

Wirklich frei von Alkohol sind die meisten dieser Biere allerdings trotzdem nicht. Laut Gesetz dürfen sie bis zu 0,5 Prozent Alkohol enthalten. Mehrere Hersteller haben inzwischen aber ein Bier im Programm, für das ein Alkoholgehalt von 0,0 Prozent versprochen wird.

Alkoholfreies Bier als Sportgetränk?

Die Hersteller von alkoholfreiem Bier preisen ihr Produkt als ideales Sportgetränk, denn alkoholfreies Bier gilt als "isotonisch". Das bedeutet, dass Nährstoffe und Wasser in dem Getränk im gleichen Mischungsverhältnis wie im Blut enthalten sind. Dadurch können die Nährstoffe besonders schnell vom Körper aufgenommen werden. Das macht isotonische Getränke prinzipiell besonders geeignet für die Regeneration nach körperlichen Anstrengungen. Wie deutlich dieser Effekt ist, darüber wird noch gestritten.

Alkoholfreies Bier jedenfalls gilt bei vielen Sportlern als die beste Wahl, um nach dem Training oder nach einem Wettkampf schnell die verbrauchte Energie wieder auszugleichen und auch den Vorrat an Mineralstoffen aufzufüllen. Unsere Ernährungsexpertin Nicole Lins stimmt dem zu: "In diesem Fall ist der hohe Gehalt an Kohlenhydraten im alkoholfreien Bier sogar willkommen. Wenn man im Training vorher viel Energie verbrannt hat, bringt so ein Bier dann die Kalorienbilanz nicht durcheinander."

Über dieses Thema berichtet "Hauptsache Gesund" MDR FERNSEHEN | 10.08.2017 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. August 2017, 22:48 Uhr