Hauptsache Gesund | 04.05.2017 | 21:00 Uhr Bluthochdruck – Die leise Gefahr

Blutdruck ist gefährlich und weit verbreitet. Doch weil er lange ohne Beschwerden bleibt, merken ihn viele erst einmal gar nicht. Das macht ihn noch gefährlicher. Wir stellen neue und alte Behandlungsmethoden vor.

von Barbara Legner-Meesmann

Für die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist Bluthochdruck bedeutendste Gesundheitsgefahr weltweit. Er gilt als einer der größten Risikofaktoren für Demenz, Herz-Kreislauf- , Nieren- und Augenerkrankungen. Ungefähr ein Drittel der Deutschen leben damit.

Ab wann spricht man von Bluthochdruck? Der ideale Blutdruck liegt bei einem Wert von 120/80 mmHG (Millimeter Quecksilbersäule). Von Bluthochdruck wird gesprochen, wenn die Werte 140 mmHg zu 90 mmHG überschritten werden.

Dabei müssen viele Faktoren berücksichtigt werden: Ist die Blutdruckmessung in Ruhe erfolgt? Liegen andere Risikofaktoren für Herz-Kreislauferkrankungen vor? Dann nämlich kann auch ein niedrigerer Blutdruckwert behandlungsbedürftig sein. 

Am besten ist es, wenn Betroffene schon bei leicht erhöhten Blutdruckwerten selbst aktiv werden: Bei Werten zwischen 120-140/80-90 mmHG kann eine Lebensstiländerung viel bewirken: Runter mit dem Übergewicht, mehr bewegen, viel Obst und Gemüse essen und das Rauchen sein lassen.

Neue und neu entdeckte Behandlungsmethoden:

Mit einem Schrittmacher gegen Bluthochdruck

Es gibt Bluthochdruckpatienten, bei denen der Blutdruck trotz medikamentöser Behandlung und Lebensstiländerung nicht sinkt. So ist das auch bei Hans-Jürgen Szesny aus der Nähe von Naumburg. Er hat seit 30 Jahren Bluthochdruck. Da die Ärzte jederzeit mit einem Schlaganfall rechnen, schlagen sie ihm eine neue Behandlungsmethode vor: einen Schrittmacher gegen Bluthochdruck.

Stimulation der Barorezeptoren

Der Schrittmacher wird in einer Operation unterhalb des Schlüsselbeins eingesetzt. Die Elektrode wird zu jener Halsregion nahe der Halsschlagader geführt, in der ein dichtes Geflecht aus Nervenzellen sitzt, die sogenannten Barorezeptoren. Diese Rezeptoren registrieren den Druck in den Blutgefäßen des Körpers und leiten entsprechende Informationen an das Gehirn weiter. Dieses reagiert, indem es gemäß den erhaltenen Informationen den Blutgefäßen signalisiert,  ob sie sich weit oder eng stellen sollen. Werden die Barorezeptoren massiert oder stimuliert, sinkt der Blutdruck. Der implantierte Schrittmacher sendet regelmäßige Impulse an die Nervenzellen im Hals. Darauf erfolgt eine verstärkte Antwort des Gehirns und der Blutdruck sinkt.

Erste Studienergebnisse belegen die Wirksamkeit

Erste Studien zeigen, dass der Schrittmacher bei vielen betroffenen Patienten tatsächlich zu einer deutlichen Blutdrucksenkung führt. Auch bei Hans-Jürgen Szesny ist das der Fall. Er kann sein Leben jetzt viel entspannter genießen und muss nicht mehr ständig Angst vor einem Schlaganfall haben.

Allerdings sprechen längst nicht alle behandelten Patienten so gut auf den Schrittmacher an wie er. Woran das liegt, soll eine Studie des Leipziger Klinikums St. Georg zusammen mit der Medizinischen Hochschule Hannover noch klären. Das St. Georg ist die einzige Klinik in Mitteldeutschland, an der Schrittmacher gegen Bluthochdruck seit rund fünf Jahren eingesetzt werden.

Erhebliche Risiken

Ob sich das Schrittmacherverfahren letztlich durchsetzen wird, wird auch von diesen Studienergebnissen abhängen. Denn die Implantation eines Blutdruckschrittmachers birgt auch Risiken: Zum einen ist die Operation mit Narkose belastend für den Patienten, zum anderen ist auch das Infektionsrisiko immer sehr hoch. Nicht zuletzt muss der Schrittmacher alle zwei Jahre, wenn die Batterie alle ist, wieder ausgetauscht werden, was weitere Operationen mit sich bringt.

Aderlass – Mit der Kraft des Mittelalters gegen Bluthochdruck

Ein Labortablett mit Utensilien zur Blutentnahme
Bildrechte: IMAGO

Im Mittelalter galt der Aderlass den Ärzten als Therapie gegen fast alle Krankheiten. Mit den wissenschaftlichen Entdeckungen der Neuzeit, Impfungen und wirksamen Medikamenten wurde diese Behandlung zunehmend als wirkungsloser oder sogar gefährlicher Hokuspokus abgetan. Doch nun könnte er eine Wiedergeburt erleben. Ärzte am Immanuel-Krankenhaus der Berliner-Charité haben nämlich festgestellt, dass der verpönte Aderlass bei Bluthochdruck sehr wohl helfen kann.

Das ergab eine großangelegte Studie am Immanuel-Krankenhaus und  der Universität Witten-Herdecke. Dabei wurde bei 292 Blutspendern ein Jahr lang der Blutdruck überprüft. Die Hälfte der Probanden litt unter Bluthochdruck von über 140/90 mmHG. Bei diesen Hypertonikern sank der Bluthochdruck nach einem Jahr signifikant. Am deutlichsten zeigte sich der Effekt bei Spendern mit Bluthochdruck, die alle drei Monate Blut spendeten. Bei ihnen sank der systolische Blutdruck im Mittel von 156 auf 144 mmHG, der diastolische auf 85 mmHG.

Überraschung bei den Experten

Dieser deutliche Effekt des regelmäßigen Aderlasses oder der Blutspende kam selbst für die Studienväter überraschend. „Wir waren wirklich baff, als wir die ausgeprägte Blutdrucksenkung nach mehreren Wochen in der Statistik sahen“, erinnert sich Prof. Andreas Michalsen, Professor für klinische Naturheilkunde an der Berliner Charité. Ganz genau lässt sich die blutdrucksenkende Wirkung des Aderlasses noch nicht erklären. Prof. Michalsen vermutet, dass sie ähnlich wie eine Frischzellenkur wirkt. Durch die Blutspende wird neues Blut gebildet. Die neuen roten Blutkörperchen sind leichter und elastischer und können dadurch besser durch die Gefäße gepumpt werden.

Mit Schröpfen gegen den Bluthochdruck

Schröpftöpfe auf dem Rücken eines Mannes
Bildrechte: IMAGO

Auf einem ähnlichen Prinzip könnte auch die Wirksamkeit einer weiteren uralten Behandlungsmethode auf den Bluthochdruck beruhen: die Rede ist vom Schröpfen. Die Naturmedizinerin Dr. Anke Görgner in Leipzig behandelt sei Jahren Schmerzpatienten mit dem Schröpfen. Je nach Art der Symptome auch mit dem blutigen Schröpfen. Dabei wird die Haut des Patienten an bestimmten Stellen oberflächlich angeritzt. Dann werden die Schröpfgläser angesetzt und durch den Unterdruck herausgezogen.  Mehr oder minder per Zufall entdeckte Dr. Görgner, dass bei den Patienten nicht nur der Schmerz nachließ, sondern bei Patienten mit Hypertonie auch der Blutdruck sank. Bei rund 400 Patienten konnte sie den Effekt bislang feststellen. Einer von ihnen ist Stefan Kindt. Der 51-Jährige leidet seit Jahrzehnten unter Bluthochdruck. Zwei Schlaganfälle hätten ihn fast das Leben gekostet. Nichts half wirksam gegen die krankhafte Hypertonie. Jetzt hat er sie dank des regelmäßigen blutigen Schröpfens bei Dr. Görgner im Griff.


Über dieses Thema berichtet "Hauptsache Gesund"
in der Sendung vom 04.05.2017, 21:00 Uhr, im MDR FERNSEHEN.

Zuletzt aktualisiert: 05. Mai 2017, 11:27 Uhr

Grafische Darstellung einer Ader mit Blutgefäßen.
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