Arzt mit Gummihandschuhen tastet einer Patientin den Bauch ab.
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Hauptsache Gesund | 09.03.2017 | 21:00 Uhr Chronische Bauchschmerzen durch Verwachsungen

Viren, Unverträglichkeiten, zu viel gegessen: Bauchschmerzen können verschiedene Ursachen haben. Oft lassen sich die Beschwerden mit Hausmitteln behandeln oder verschwinden von selbst. Doch manchmal steckt mehr dahinter. In einige Fällen sogar eine Jahre zurückliegende Operation.

Arzt mit Gummihandschuhen tastet einer Patientin den Bauch ab.
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Jede große Operation, bei der das Bauchfell durchtrennt wird, ist für den Körper eine enorme Belastung. Es kann zu Störungen bei der Wundheilung kommen, mitunter ist auch die Beweglichkeit des Darms zumindest vorübergehend beeinträchtigt. Eine überstandene Bauchoperation kann aber auch längerfristig Probleme bereiten – dann nämlich, wenn es durch den Eingriff zu bestimmten Verwachsungen oder Verklebungen des Darmes im Bauchraum kommt.

Wie entstehen Verwachsungen?

Verwachsungen sind eigentlich eine Folge natürlicher Heilungsprozesse im Körper. Haben wir zum Beispiel eine Wunde auf der Haut, bildet sich schnell ein klebriger Belag, das sogenannte Fibrin. Dieser Eiweißstoff überzieht das verletzte Gewebe mit einer netzartigen Struktur und unterstützt vor allem die erste Phase der Heilung. Ähnlich verläuft es, wenn das Bauchfell bei einer Operation aufgetrennt werden musste. Auch hier verklebt Fibrin die Operationswunde. Häufig allerdings baut sich der Gewebekleber nicht wieder richtig ab, Bindegewebszellen wandern ein und es bilden sich Gewebebrücken, sogenannte Briden. Diese narbenartigen Stränge können innere Organe, die normalerweise unverbunden sind, miteinander oder mit der Bauchwand verbinden.

Warum bereiten Verwachsungen manchmal Schmerzen?

Geschäftsmann mit Bauchschmerzen, 2006
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Die entstandenen Gewebebrücken sind in der Regel harmlos und bereiten den Patienten keine Beschwerden. Manchmal beeinträchtigen sie aber die natürliche Beweglichkeit der Organe im Bauchraum, zum Beispiel, wenn der Darm dadurch abknickt und stark eingeengt wird. Das kann zu chronischen Bauchschmerzen führen, zu Unterleibsbeschwerden und zu Schmerzen, die eher aus dem Becken oder dem Hüftgelenk zu kommen scheinen. Wenn etwa der Darm über so eine Gewebebrücke mit dem Bauchfell verbunden ist, kann er bei der Verdauungstätigkeit immer wieder am Bauchfell "ziehen" und damit heftige Schmerzen auslösen. Weil die Verwachsungen bei normalen bildgebenden Verfahren wie Ultraschall oder CT kaum sichtbar sind, wird oft erst nach anderen Ursachen gesucht, bis der Verdacht auf die Verwachsungen fällt.

Starke Vernarbungen können aber auch akut lebensgefährliche Situationen auslösen, wenn sie zum Beispiel den Dünndarm abklemmen und so zu einem Verschluss führen. Darüber hinaus sind Verwachsungen eine mögliche Ursache für einen unerfüllten Kinderwunsch.

Wie werden Verwachsungen behandelt?

Eine ursächliche Behandlung des Problems ist nur durch eine erneute Operation möglich, bei der die Verwachsungen chirurgisch gelöst werden. Seit einigen Jahren arbeiten die Operateure dabei auch mit bestimmten Hilfsmitteln, welche die Bildung neuer Verwachsungen vermeiden sollen. Solche sogenannten "Adhäsionsbarrieren", die zum Beispiel in Form flüssiger "Schmiermittel" eingebracht werden, haben in aktuellen klinischen Studien jedoch keinen zusätzlichen Effekt gezeigt.

Entstehen Verwachsungen nur nach Operationen?

Bei gut einem Zehntel der Betroffenen wurden die Verwachsungen nicht durch einen operativen Eingriff ausgelöst. Bestimmte entzündliche Baucherkrankungen können nämlich ebenfalls die Bildung schmerzhafter Gewebebrücken auslösen. Es handelt sich dabei vor allem um gynäkologische Leiden, etwa Eierstock- und Eileiterentzündungen. Auch die sogenannte Endometriose, eine Wucherung der Gebärmutterschleimhaut, kann zu Verwachsungen im Bauchraum führen.

Was kann der Chirurg tun, um eine zu starke Vernarbung zu verhindern?

Illustration zeigt Schritt zwei einer Brustrekonstruktion mit Hilfe von Unterbauchhautfettlappen
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Weil die Entstehung von Verwachsungen im Grunde Teil des natürlichen Heilungsprozesses ist, lassen sie sich kaum vermeiden. Prinzipiell gilt das Risiko für die Bildung dieser Gewebebrücken als geringer, wenn minimal-invasiv operiert wird. Völlig ausgeschlossen ist die Gefahr aber auch hier nicht, zumal sich viele größere Eingriffe von vornherein nicht minimal-invasiv durchführen lassen. Bei der OP kann der Chirurg darauf achten, dass die freigelegten Schleimhäute nicht austrocknen. Außerdem lassen sich Reizungen des Bauchfells bei der OP vermeiden, wenn puderfreie Handschuhe eingesetzt werden und das OP-Team auf den sogenannten "Scheuereffekt" durch Tücher und Tupfer achtet, weil das Bauchfell schon auf leichte Schädigungen oder Druck sehr empfindlich reagiert.

Wann sollte ich mit meinen Schmerzen zum Arzt?

Länger anhaltende Bauchschmerzen sollten in jedem Fall medizinisch abgeklärt werden. Hinter ihnen kann sich unter Umständen eine lebensgefährliche Erkrankung verbergen – oder es kann akut zu einer Verschlimmerung kommen.

Zuletzt aktualisiert: 09. März 2017, 22:03 Uhr