anonyme Menschenmenge im Gegenlicht
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Hauptsache Gesund | 31.08.2017 | 21:00 Uhr Diabetes – Das versteckte Risiko

Rund sechs Millionen Menschen hierzulande sind Diabetiker, bei weiteren zwei Millionen ist die Krankheit noch nicht erkannt. Experten schlagen Alarm, denn nach ihren Schätzungen wird in der nächsten Generation jeder Zweite im Laufe seines Lebens an Diabetes Typ 2 erkranken. Doch wie lässt sich die gefährliche Volkskrankheit aufhalten? Der Schlüssel ist eine gesündere Lebensweise, die in den Alltag der Betroffenen passt.

von Ines Adam, Rita Kundt und Stefan Mugrauer

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"Viele Jüngere wissen gar nicht, dass sie 'Zucker' haben. Zusätzlich schlummert der Diabetes bei vielen noch bis zu zehn Jahre unerkannt", erklärt Prof. Peter Schwarz. Der Präventionsmediziner von der Uniklinik Dresden arbeitet daran, dass weniger Menschen an Diabetes erkranken und sie möglichst von den schweren Auswirkungen der Krankheit verschont werden. Denn noch bevor Diabetes erkannt wird, entstehen oft über Jahre schon erste Schäden an den Blutgefäßen, an Augen, Nieren oder den Füßen. Zu den langfristigen Folgen zählen Herzinfarkt, Schlaganfall oder schwere Nierenschäden, von denen Diabetiker viel häufiger als andere betroffen sind.

Schuld daran ist ein gestörter Zuckerstoffwechsel, der entweder im Laufe des Lebens entsteht (Diabetes Typ 2) oder angeboren ist (Diabetes Typ 1). Typ-2-Diabetes entsteht unter anderem durch fett- und zuckerreiche Ernährung sowie Bewegungsmangel. Wer seine hohen Blutzuckerwerte senkt, kann dem schweren Schicksal der Erkrankung entkommen.

Risiko für Typ 2 Diabetes? Check!

Sie fühlen sich gesund? Dann brauchen Sie den Risikocheck ja nicht zu fürchten! Beim Test der Deutschen Diabetes Stiftung geht das mit nur acht Fragen: www.diabetesstiftung.de/findrisk

Motivation ohne Verbote

Für Prof. Peter Schwarz steht fest: "Der beste Weg, Diabetes zu heilen, ist ihn zu verhindern. Mehrere große internationale Studien belegen, dass die Prävention des Diabetes mellitus und der Begleitkomplikationen erfolgreich durchführbar und kosteneffektiv ist." Denn wer seinen Lebensstil ändert, kann das Risiko zu erkranken drastisch senken – und nebenbei auch etwas gegen drohende oder bestehende Herz- Kreislauf-Erkrankungen tun.

Gegenlichtaufnahme eines Joggers, der auf einem Feld auf sein Smartphone schaut.
Bewegung hilft gegen Diabetes. Die App von Prof. Schwarz soll helfen, sich genügend zu bewegen. Bildrechte: IMAGO

Aber es ist sehr schwierig, sich immer wieder zu motivieren, beispielsweise mehr Sport zu treiben. Deshalb setzt Prof. Schwarz mit seinem Team auf einen gut funktionierenden Anreiz, auf Geld. Sie entwickelten eine Gesundheits-App für Smartphones, mit der jeder mehr Bewegung in sein Leben holen kann. Die Idee des Programms "Ankersteps": jeder wettet darauf, es zu schaffen, täglich 10.000 Schritte zu gehen. Darauf wird ein kleiner Geldbetrag gesetzt. Wer die Schritte schafft, kann seinen Einsatz behalten – und erhält zusätzlich anteilig Geld von denen, die unter ihrem Ziel geblieben sind. Das kostenlose Programm fürs Smartphone ist seit einem Jahr erhältlich und wurde laut Prof. Schwarz rund 12.000 Mal heruntergeladen.

Vorsicht, Diabetischer Fuß!

Die Füße eines Mannes werden am Strand von Wasser umspült.
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Diabetespatienten sollten sich so früh wie möglich mit ihren Füßen beschäftigen. Oberarzt Dr. Stefan Vehlow vom zertifizierten Wund-Zentrum an den Muldentalkliniken Grimma erklärt: "Wenn die ersten Infektionen und Probleme am Vorfuß auftreten, müssen die Patienten geschult und informiert werden. Am besten sollten sie dann von Hausarzt, Fußpflege, Örthopädietechnikern und Hautpflegern kontrolliert werden. So könnten Situationen verhindert werden, die zur Amputation führen."

Aber wie entsteht überhaupt ein Diabetischer Fuß und was macht ihn so gefährlich? Die Entwicklung beginnt mit einem dauerhaft erhöhten Blutzuckerspiegel und läuft in einer Art Kettenreaktion ab: Der hohe Blutzucker schädigt Gefäße und lässt Nerven unterversorgt. Dadurch merken Betroffene oft gar nicht, wenn die Haut an den Füßen eingerissen, entzündet oder anderweitig verletzt ist. So entstehen in kurzer Zeit Wunden, die nicht verheilen. Als Folge müssen oft Zehen oder Füße amputiert werden. Der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) zufolge werden jährlich 50.000 Füße in Deutschland als Folge einer Diabeteserkrankung amputiert, alle 15 Minuten verliert ein Mensch eine Extremität.

Die DDG weist darauf hin, dass das Ausmaß der Extremitäten-Entfernung Auswirkungen auf die Lebenserwartung hat. Denn es macht einen Unterschied, ob eine Majoramputation (große Amputation) durchgeführt wird, also eine Abtrennung oberhalb der Knöchelregion, oder eine Minoramputation (kleine Amputation) unterhalb des Knöchels: Nach einer Majoramputation überlebt nämlich nur ein Viertel der Patienten die nächsten fünf Jahre. Bei einer Minoramputation sind es dagegen 80 Prozent.

Wem eine Amputation bevorsteht, der sollte unbedingt eine Zweitmeinung einholen, um so viel Fuß wie möglich zu retten. Spezialisierte Zentren bieten rundum abgestimmte interdisziplinäre Leistungen von Wund- und Fußexperten, Hautpflegern und Örthopädietechnikern, die Leben retten können.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 31. August 2017 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. September 2017, 15:06 Uhr