Ein Mädchen leistet erste Hilfe
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Hauptsache Gesund | 13.10.2016 Erste Hilfe: Mit diesen Tipps sind Sie sicher

Erste Hilfe kann Leben retten! Doch viele Menschen haben Angst, etwas falsch zu machen - und handeln dann lieber gar nicht. Damit Sie im Notfall das Richtige tun, fassen wir hier die wichtigsten Punkte zusammen.

Ein Mädchen leistet erste Hilfe
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Erste Hilfe kann vieles umfassen: Es kann das Blutstillen einer Wunde sein, das richtige Lagern einer Person, deren Kreislauf kurzzeitig zu schwach wurde, das Versorgen und Beruhigen ansprechbarer verletzter Personen sowie gegebenenfalls das geeignete Absichern einer Unfallstelle.

Meist verbindet man mit Erster Hilfe jedoch lebensrettende Sofortmaßnahmen. Das Wissen hierüber ist wenig verbreitet, auch wenn mindestens jeder Führerschein-Inhaber im Laufe seines Lebens einen entsprechenden Kurs absolvieren musste. Darüber hinaus ist unverzügliches Handeln notwendig, wenn sich andere Menschen in einem lebensbedrohlichen Zustand befinden. Doch aus Angst vor Fehlern haben manche Hemmungen zu helfen. Dabei ist Untätigkeit der größte Fehler und zieht noch am ehesten bleibende Schäden oder sogar den Tod nach sich.

In einer Notsituation mit verletzten, vergifteten oder erkrankten Personen muss der Ersthelfer die Rettungskette in Gang setzten.

So funktioniert die Rettungskette

1. Unfallstelle absichern

Bei Verkehrs-, Haushalts- oder Arbeitsunfällen: Die Art des Notfalls einschätzen und den Eigenschutz gewährleisten. Nur ein unverletzter Helfer kann helfen, ein verletzter Helfer ist ein Geschädigter mehr! Unfallstelle absichern.

2. Notruf absetzen

Sofortiges Absetzen eines Notrufs über die Nummer 112 (ohne Vorwahl). Sie funktioniert auch ohne Guthaben oder SIM-Karte auf Mobiltelefonen. (Bitte nicht ausprobieren, die Leitstellen der Rettungsdienste bekommen bundesweit Hunderte dieser Testanrufe jeden Tag, dies verzögert die Entgegennahme echter Notfälle.)

3. Stabile Seitenlage

Eine selbstständig atmende, jedoch bewusstlose Person wird in die stabile Seitenlage gebracht. Diese dient dazu, das versehentliche Einatmen von Speichel, Erbrochenem oder Blut zu verhindern. Bewusstseinsgestörte erbrechen sich häufig unbemerkt und sind dadurch einer höheren Erstickungsgefahr ausgesetzt.

Ein Mädchen liegt in einer stabilen Seitenlage auf einer Decke auf dem Boden
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Der Sinn der stabilen Seitenlage liegt im Freihalten der Atemwege, da die Gefahr besteht, dass bei einem Bewusstlosen die Zunge in den Rachen rutscht und damit die Atemwege verlegt. Leider beschäftigt sich der Großteil der die stabile Seitenlage anwendenden Personen mit der genauen Lage der Beine bzw. Arme: Wirklich wichtig ist der Arm, der unter dem Kopf so gelagert wird, damit dieser überstreckt ist und bleibt, um die Atemwege offen zu halten. Ob es dann beim restlichen Körper eine "echte stabile Seitenlage" wird oder aber eine "halbe Bauchlage", ist dann nachrangig: Entscheidend ist der Kopf, daher zuhause unbedingt noch einmal üben!

4. Mit der Wiederbelebung beginnen

Eine bewusstlose Person ohne Atmung und Kreislauftätigkeit (kein Atemgeräusch, auch bei genauem körpernahen Hinhören; keine Hebung/Senkung des Brustkorbes; kein Puls spürbar, weder am Hals, hier seitlich des Kehlkopfes tasten, noch am Handgelenk) muss solange wiederbelebt (reanimiert) werden, bis der Rettungsdienst eintrifft. Dazu wird die Person auf festem Untergrund auf dem Rücken gelagert. Der Kopf wird nach hinten überstreckt, um die Atemwege freizuhalten. Gegebenenfalls vorhandene Hindernisse im Mundraum (z.B. Prothesen) werden, soweit möglich, entfernt. Hierzu sollte aber, soweit keine Verlegung der Atemwege durch die Prothese vorliegt, keine allzu lange Zeit aufgewendet werden.

Danach wird der Brustkorb freigemacht. Der richtige Druckpunkt befindet sich in der Mitte des Brustkorbes auf dem Brustbein und lässt sich schnell finden. Jetzt beginnt die Herzdruckmassage mit einer Frequenz von 100 pro Minute und einer Drucktiefe von etwa fünf Zentimetern. Diese Frequenz wird in einem Modus von 30:2 mit der Beatmung gewechselt, das heißt 30 Mal drücken, zweimal beatmen, dann wieder 30 Mal drücken, zweimal beatmen. Das Ganze geht solange, bis entweder der Rettungsdienst eingetroffen ist oder der Betroffene wieder eine eigene Kreislauftätigkeit hat.

Der Helfende platziert sich zur Durchführung der Wiederbelebung aufrecht kniend neben dem Patienten; er drückt mit gestreckten Armen und durchgedrückten Ellbogen mit Hilfe des Gewichts seines Oberkörpers, es empfiehlt sich auch, hierbei den eigenen Rücken möglichst gerade zu lassen. Diese Tätigkeit ist nicht nur emotional, sondern vor allem auch körperlich anstrengend, man sollte daher, wenn weitere Personen zugegen sind, auch nach einigen Minuten wechseln. Wichtig ist, dass die Herzdruckmassage nicht unterbrochen wird, es sei denn, der Rettungsdienst ist eingetroffen und übernimmt.

Herzdruckmassage – so geht's

Wichtig zum Thema Eigenschutz: Wenn man eine Person im Kreislaufstillstand vorfindet und einen Notruf abgesetzt hat, ist es bei Schwierigkeiten mit der Beatmung oder wenn Blut bzw. andere Körperflüssigkeiten auf dem Gesicht des Wiederzubelebenden die Angst vor einer Infektion wecken, absolut ausreichend, sich nur auf die ununterbrochene Herzdruckmassage mit einer Frequenz von 100 pro Minute zu beschränken.

Warum? Weil bei einem durch typischerweise bösartige Herzrhythmusstörungen bedingten akuten Kreislaufstillstand zum Zeitpunkt 0 noch Sauerstoff im Blut und der Lunge des Patienten vorhanden ist. Dieser muss weiter "kreisen" (Kreislauf!), um dem Gehirn Sauerstoff zu bringen, damit es keinen Schaden nimmt. Es wird also eine Art Notkreislauf aufrecht erhalten, der dafür sorgt, dass die überlebenswichtigen Funktionen des Gehirns durch die gerade noch ausreichende Sauerstoffversorgung gewährleistet bleiben. Hierbei gilt, je kälter die Temperatur im Bereich des Wiederzubelebenden, umso größer ist das Zeitfenster, um Erfolg zu haben.

Rettungsdienst unterstützt am Telefon

Eine Hand greift nach einem Telefonhörer
Der Rettungsdienst unterstützt Sie auch am Telefon. Bildrechte: Colourbox.de

Das alles klingt dramatisch und ist es im Zweifelsfall auch, allerdings ist es von unschätzbarem Wert für eine Person, die sich in der angesprochenen Notlage befindet, da hierdurch das mögliche Überleben gesichert werden kann. Ohne Übung meint man häufig, dass man eine solche Maßnahme unmöglich einfach einleiten und durchführen könne. Aber: Die Rettungsdienstleitstellen wissen das und so gibt es inzwischen "Telefonisches Ferncoaching". Hierbei bleibt der Mitarbeiter der Leitstelle am Telefon und erklärt fortlaufend, was zu tun ist, parallel kann er die zu erwartende Ankunft der professionellen Retter zeitlich gut abschätzen, sodass der Helfende mit dem Start des Notrufs die Situation nicht mehr ganz allein bewältigen muss.

Bei Kindern gilt besondere Vorsicht

Ein Fläschlein, welches eine grüne Flüssigkeit enthält und mit einem Aufkleber eines Totenkopfes versehen wurde.
Leben Kinder im Haus, sollten Sie unbedingt den Giftnotruf einspeichern. Bildrechte: colourbox.com

Grundsätzlich gilt: Wer Angehörige hat, die einen Herzinfarkt überlebt haben oder unter schwerwiegenden Herzrhythmusstörungen leiden, sollte unbedingt einen Auffrischungskurs für Erste Hilfe wahrnehmen. Nichts ist im Rahmen einer solchen Notfallsituation schlimmer als hilflos auf den Rettungsdienst zu warten, hier sollte vorher auf jeden Fall zielgerichtet gehandelt werden. Wenn Kinder im Haushalt wohnen oder häufiger zu Besuch sind, sollte die Telefonnummer des Giftnotrufs eingespeichert sein, ebenso die des Kinderarztes.

Gitfnotruf: 0361 730730

Zuletzt aktualisiert: 14. Oktober 2016, 11:46 Uhr