Ein Mann unternimmt mit einem Exoskelett Geheversuche. Ein anderer unterstützt ihn dabei.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Hauptsache Gesund | 24.08.2017 | 21:00 Uhr Exoskelett: Laufen trotz Querschnittlähmung

Menschen mit Querschnittlähmung haben einen großen Wunsch: Endlich wieder gehen! Ein Gehroboters – das sogenannte Exoskelett – macht das möglich. Am Körper befestigt, hilft er buchstäblich wieder auf die Beine.

von Anne-Kristiane Jensen

Ein Mann unternimmt mit einem Exoskelett Geheversuche. Ein anderer unterstützt ihn dabei.
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Endlich wieder laufen können! Das ist der Traum vieler querschnittgelähmter Menschen. Gehroboter sollen dieses Wunder möglich machen. Wie ein äußeres Knochengerüst wird das sogenannte Exoskelett an den Körper gelegt. Gurte halten es fest an Beinen und Oberkörper. Über eine kleine Fernbedienung am Handgelenk wird der Roboter gesteuert. Der Patient entscheidet, ob er aufstehen, laufen oder sich setzen möchte. Sogar Treppensteigen ist möglich. Bis zu 2,6 Kilometer pro Stunde schnell läuft der Roboter. Sein Akku reicht laut Hersteller für einen vierstündigen Spaziergang.

Mensch und Maschine müssen sich kennenlernen

In einem ersten Gespräch und einem Erprobungs-Training wird festgestellt, ob der Patient für das Gerät geeignet ist. Ist er das, beginnt das eigentliche Training. Am Anfang unterstützt eine Begleitperson den Patienten. Doch nach rund 50 bis 60 Trainingsstunden können die sogenannten "Wiederläufer" das Exoskelett auch alleine benutzen.

Mehr als nur laufen

Ein Mann unternimmt mit einem Exoskelett Geheversuche. Ein anderer unterstützt ihn dabei.
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Für die meisten Menschen mit Querschnittlähmung ist der wichtigste Effekt, anderen wieder auf Augenhöhe begegnen zu können. Ebenso wichtig ist die medizinische Wirkung. Durch das aufrechte Gehen werden Muskeln gekräftigt, die im Sitzen nicht genutzt werden können. Der Kreislauf kommt in Schwung und ebenso die Verdauungsorgane. Patienten berichten auch, dass ihre Schmerzen deutlich gelindert werden.

Krankenkassen können die Kosten übernehmen

Wer interessiert ist, ob die Technik für ihn passt, sollte mit seinem Arzt sprechen oder sich gezielt an einen Exoskelett-Hersteller wenden. Die Technologie ist noch relativ neu auf dem Markt und mit einem Preis von mehr als 100.000 Euro recht teuer. Deshalb ist es von Fall zu Fall verschieden, ob eine Krankenkasse die Kosten übernimmt. Ein Urteil des Sozialgerichtes Speyer vom 20. Mai 2016 macht aber Patienten Mut (Aktenzeichen:S 19 KR 350/15).

Erste Schritte nach 23 Jahren

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Sylvio Dölz ist ein Mann mit viel Kraft. Schon zu DDR-Zeiten wurde er Meister im Kraftsport. Nach der Wende veränderte ein Autounfall vor 23 Jahren von einem Moment auf den anderen sein Leben. Seither sitzt er mit einer Querschnittlähmung im Rollstuhl. Doch er schöpfte nach dem Unfall neue Kraft und entdeckt die olympische Sportart des Bankdrückens für sich. In dieser Disziplin wurde er Deutscher Meister, Europameister und schließlich sogar Weltmeister.

Ein Mann unternimmt mit einem Exoskelett Geheversuche. Ein anderer unterstützt ihn dabei.
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Nun kämpft er für das nächste Ziel: Er will gehen. Mit Hilfe eines Exoskeletts macht er die ersten eigenen Schritte. Obwohl er das Gehen erst wieder lernen muss, freut sich der Magdeburger: "Unbeschreiblich! Ein ganz neues Lebensgefühl!" Aber es ist nicht nur die wiedergewonnene Möglichkeit des Gehens, sondern auch das Stehen. Endlich sind die Schmerzen, die ihn permanent begleitet haben, wieder weg. Und endlich kann er seiner Frau Heike wieder auf Augenhöhe einen Kuss geben.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 24. August 2017 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. August 2017, 11:21 Uhr