Ein Mann kommt mit den Fingern in einer Kreissäge.
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Hauptsache Gesund | 02.03.2017 | 21:00 Uhr Finger in Gefahr

Im Frühling, im Herbst und an Samstagen herrscht bei Handchirurgen Hochbetrieb. Vor allem Männer lädieren im Garten, mit Geräten oder beim Holzhacken häufig ihre Finger. Doch die Finger sind weiteren Gefahren ausgesetzt.

Ein Mann kommt mit den Fingern in einer Kreissäge.
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Auch Tierbisse, Erfrierungen oder Sportverletzungen werden von Handchirurgen behandelt. Moderne Operationsmethoden und ein umfassendes Verständnis der menschlichen Hand machen es heutzutage möglich, dass die Hand trotz schwerwiegender Verletzungen gerettet werden kann.

Erste Hilfe bei Amputationsverletzungen

Finger umfassen ein Holzscheit, auf das knapp neben den Fingern gerade eine Axt niedergeht.
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Werden ein Körperteil oder auch mehrere Gliedmaßen abgetrennt sind, spricht man von einer Amputationsverletzung. Ob eine spätere Operation gut gelingt, hängt oft auch vom richtigen und umsichtigen Verhalten am Unfallort und der entsprechenden Lagerung des Amputats, also des abgetrennten Körperteils, ab. Je besser abgetrennte Gliedmaßen erstversorgt werden, desto mehr Nervenstränge, Sehnen und Knochen können bei einer Operation rekonstruiert werden.

Versorgung der verletzten Person

  1. Sprechen Sie die verletzte Person an und kontrollieren Sie, ob sie noch bei Bewusstsein ist.
  2. Informieren Sie den Rettungsdienst.
  3. Nehmen Sie eine sterile Wundauflage.
  4. Verbinden Sie die betroffene Stelle mit einem Druckverband, um die Blutung zu stillen.

Versorgung des Amputats

  1. Wickeln Sie das abgetrennte Körperteil in eine keimfreie Kompresse. Zur Not kann es auch ein frisch gewaschenes Tuch oder ein T-Shirt sein.
  2. Geben Sie das Amputat in eine keimfreie Plastiktüte und verschließen Sie sie.
  3. Legen Sie die Plastiktüte in eine zweite Plastiktüte mit Eiswürfeln. Wichtig ist, dass das Amputat keinen direkten Kontakt mit den Eiswürfeln hat. Es sollte auch nicht gereinigt oder mit Wasser abgespült werden.

Diagnose Schnappfinger

Handchirurgen behandeln nicht nur akut verletzte Gliedmaßen, sondern auch Finger, die durch Krankheit taub, unbeweglich, geschwollen oder steif sind. Voraussetzung ist eine genaue Diagnose, denn jedes Beschwerdebild verlangt andere Operationsmethoden. Zu den häufigsten Krankheiten der Finger gehört der sogenannte Schnappfinger oder medizinisch "Tendovaginitis stenosans".

Von einem Schnappfinger oder schnellenden Finger sprechen Ärzte, wenn sich der Finger nur noch schwer strecken lässt und plötzlich nach vorn"schnalzt". Oft steckt dahinter eine Überlastung der Sehnen. Besonders häufig ist der Daumen betroffen. Ein schnellender Finger bereitet schon lange vorher Probleme, vor allem durch ein unangenehmes Ziehen an der Außen- oder Innenseite des Fingers oder Schmerzen in der Handinnenfläche. Besonders häufig trifft es Menschen, die täglich mit den Händen arbeiten.

Darstellung einer menschlichen Hand mit den Ringbändern, durch die die Sehnen verlaufen.
Die Sehnen verlaufen durch die Ringbändern. Verdickungen an den Sehnen hemmen die Bewegung der betroffenen Finger. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Zwei von ihnen sind Sattlermeister Reinmar Tempel aus dem sächsischen Moritzburg und die Kosmetikerin Karin Böhme aus Radebeul. Reinmar Tempel beschreibt sein Problem folgendermaßen: "Es gibt bestimmte Handgriffe, die kann ich mit diesem Daumen nicht mehr durchführen. Wenn ich zum Beispiel einen Steigbügel einklinken will, bereitet das äußerste Schmerzen."

Kosmetikerin Karin Böhme spürt ihre Hände beim Massieren der Kunden. Sie kann bei bestimmten Griffen nicht mehr so fest zugreifen, selbst das Halten einer kleinen Schale bereitet Probleme, ist dabei doch der Daumen besonders gefragt. Zunächst tippt der Arzt bei ihr auf eine Arthrose, also eine Entzündung der Gelenke. Dagegen verschreibt er Schmerzmittel. Als diese jedoch nicht wirken, schickt er Karin Böhme zum Spezialisten. Mittlerweile ist der Daumen auch immer öfter taub. Endlich die richtige Diagnose: Schnappfinger.

Zwei Handchirurgen in OP-Kleidung betrachten Röntgen-Aufnahmen.
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Da die Sehne schon sehr stark verdickt ist, rät man Karin Böhme zur Operation. Die erfolgt ambulant und dauert nicht länger als 15 Minuten. Der Handchirurg durchtrennt dabei das Ringband, durch welches die verdickte Sehne nicht mehr ungehindert gleiten kann. Zwei Wochen nach der Operation staunt die Kosmetikerin immer noch: "Die Schmerzen waren sofort weg. Aber es ist jetzt noch eine Einschränkung da. Der Daumen ist jetzt auch noch taub und ein bisschen angeschwollen. Aber das ist eine Sache der Zeit." Trotzdem kann sie jetzt schon wieder arbeiten gehen.

Bei Sattlermeister Reinmar Tempel ist die Sehne noch nicht so extrem verdickt. Deshalb empfiehlt der Arzt zunächst Physiotherapie. Damit kann eine Operation noch eine Weile hinausgeschoben werden, die akuten Schmerzen werden durch die gezielten Übungen und Wärmeanwendungen gelindert.

Zuletzt aktualisiert: 03. März 2017, 10:09 Uhr

Experte im Studio

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Dr. Sven Tempel
Klinik für Unfall-, Wiederherstellungs- und Handchirurgie, Städtisches Klinikum Dresden-Friedrichstadt