Waldmeisterpflanzen in einem Korb
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Hauptsache Gesund | 27.04.2017 | 21:00 Uhr Die Kraft der Frühlingskräuter

Ab Februar zeigen sich zarte grüne Triebe und mit den ersten Sonnenstrahlen beginnen sie zu sprießen: die ersten Kräuter des Jahres. Sie sind besonders reich an Vitaminen und Mineralstoffen und wecken nach dem langen Winter neue Lebenskräfte. Viele von ihnen sind schon seit dem Mittelalter bekannt. Heute werden ihre Heilwirkungen wieder neu entdeckt.

von Beate Splett

Waldmeisterpflanzen in einem Korb
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Mit Kräutern gegen Migräne

Es sind genau diese wechselhaften Frühlingstage, die Cornelia Bast zu schaffen machen. Mal ist es warm, mal kalt. Immer wieder zieht Regen auf, die Luft drückt. Dann schmerzt der Kopf besonders stark. Sie kennt es nicht anders. Seit ihrem dritten Lebensjahr leidet die 60-Jährige unter Migräne-Attacken. Jede Therapie, die sie bisher versucht hat, scheitert, kein Medikament kann ihr helfen. Seit einem Jahr ist es besonders schlimm. Im vergangenen Frühjahr starb ihr Mann. Seitdem ist der Kopfschmerz stetiger Begleiter und bringt sie an den Rand der Verzweiflung. Sie entschließt sich, eine letzte Therapie auszuprobieren und fährt ins sächsische Bad Elster, an die Deutsche Klinik für Integrative Medizin und Naturheilverfahren.

Pestwurz
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Die Kraft der Kräuter soll ihr hier helfen, insbesondere eine Pflanze namens Pestwurz, die im Frühjahr zu blühen beginnt. Schon im Mittelalter wurde sie als Heilpflanze geschätzt. Sie war schon fast in Vergessenheit geraten – bis man entdeckte, dass sie gegen Migräne helfen kann. Das ist inzwischen in Studien nachgewiesen. Außerdem werden Pestwurz-Präparate in einer Leitlinie der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft zur Migränevorbeugung empfohlen. Neben der Pestwurz kommen auch Rosmarintee und Pfefferminzöl-Massagen zur Anwendung. Diese beiden Kräuter wirken ähnlich wie die Pestwurz entspannend, krampflösend und fördern die Durchblutung. Bei Cornelia Bast hat die Therapie angeschlagen. Schon nach zwei Wochen stationärem Aufenthalt spürt sie eine Verbesserung und hat deutlich seltener Kopfschmerzen.

Achtung Vergiftungsgefahr! Pestwurz sollte man niemals selbst zubereiten, da die Pflanze giftige Pyrrolizidinalkaloide enthält. Für die Behandlung besser geeignet sind Pestwurz-Präparate aus der Apotheke. Aus ihnen werden die Giftstoffe durch besondere Reinigungs- und Extraktionsverfahren sicher entfernt.

Gesunde Frühlingskräuter im Überblick:

Zwei Hände halten Bärlauchblätter
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Bärlauch
Bärlauch wurde bereits im Mittelalter aufgrund seiner positiven Eigenschaften geschätzt. Er ist vor allem bekannt für seine antibakterielle Wirkung. In 100 Gramm stecken außerdem 150 Milligramm Vitamin C. Schon 50 Gramm decken den Tagesbedarf eines Erwachsenen. Er enthält auch hohe Mengen an Eisen und Magnesium. Bärlauchtinktur aus der Apotheke fördert die Verdauung, hat eine entkrampfende Wirkung und unterstützt eine gesunde Darmflora. Außerdem soll Bärlauch den Blutdruck sowie den Cholesterinspiegel senken und auch gegen Frühjahrsmüdigkeit helfen.

Kleine blaue Blüten einer Pflanze.
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Lungenkraut
Das Lungenkraut, wegen seines Aussehens auch blaue Schlüsselblume genannt, blüht von Februar bis April an schattigen Plätzen im Wald oder an Waldrändern. Verwendet werden Blüten und Blätter. Es eignet sich getrocknet als Hustentee bei Erkältungen.

Eine Giersch-Decke breitet sich über dem Boden aus. Über all ist die hellgrüne Pflanze zu sehen.
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Giersch
Der Giersch, auch "Zipperleinkraut" genannt, ist ein weißblühendes Doldengewächs und wurde wahrscheinlich schon in der Steinzeit als Wildgemüse gegessen. Er wird auch Gichtkraut genannt. Diesen Namen verdankt er seiner harnsäurelösenden und harntreibenden Wirkung. 

Zermörserte Spitzwegerichblätter werden auf eine juckende Hautstelle gegeben
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Spitzwegerich
Der Spitzwegerich enthält viele Schleimstoffe und hat sich deshalb als Hustensirup bewährt. Außerdem kann er bei Mückenstichen den Juckreiz lindern. Dazu frische Blätter zerreiben und auf die juckende Stelle legen. Spitzwegerich wächst auf Wiesen, am Weg oder Waldrand. Seine Blätter können ab Februar geerntet werden, die Blüten ab Mai.

Waldmeisterpflanzen in einem Korb
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Waldmeister
Waldmeister ist vor allem als Würzmittel bekannt. Besonders beliebt ist er als Bowle. Sein typisches Aroma verdankt er dem Inhaltsstoff Cumarin. Wegen des starken Duftes kommt er auch als Mottenmittel oder im Kräuterkissen zum Einsatz. Nicht jeder mag den Geruch, außerdem kann er Kopfschmerzen auslösen. Gesammelt werden ab März die Blätter, noch bevor der Waldmeister blüht.

Gänseblümchen
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Gänseblümchen
Das Gänseblümchen ist eines der ersten blühenden Frühlingskräuter. Es ist auch besonders ausdauernd. Von Februar an bis zum Spätherbst kann man Blätter und Blüten sammeln. Gänseblümchen wirkt schleimlösend, hautklärend und entzündungshemmend. 


Über dieses Thema berichtet "Hauptsache Gesund"
in der Sendung vom 27.04.2017, 21:00 Uhr, im MDR FERNSEHEN.

Zuletzt aktualisiert: 28. April 2017, 10:01 Uhr

Feld mit Lavendel.
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Getrocknet sieht Lavendel einfach toll aus. Aber auch medizinisch hat das Kraut einiges auf dem Kasten.

Hauptsache gesund Do 27.04.2017 21:00Uhr 01:30 min

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Eine Frau mit gemustertem Umhang steht in einem Park und lächelt leicht.
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