Mensch auf einem Longboard
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Hauptsache Gesund | 11.05.2017 | 21:00 Uhr Wenn es den Füßen nicht gut geht

Bei Fußschmerzen denkt man häufig zuerst an die Gelenke, einen Bruch oder Arthrose. Doch der Fuß gehört zu den komplexesten Körperteilen des Menschen. Zahlreiche Bänder und Sehnen geben ihm Stabilität. Und manchmal sind Verletzungen oder Entzündungen genau dieser Bänder und Sehnen sogar komplizierter als ein Bruch.

von Jana Olsen

Mensch auf einem Longboard
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Unsere Füße sind ein wahres Wunderwerk der Anatomie. Sie bestehen aus 26 Knochen, 33 Gelenken sowie über 100 Bändern und Sehnen Doch der filigrane Aufbau macht sie zugleich ziemlich empfindlich. Vermeintliche Lappalien wie ein leichter Fehltritt an der Haustür,  eine Überlastung beim Sport, ein Ausrutschen auf nassem Boden können zu langwierigen Bänder- und Sehnenverletzungen führen.

Umgeknickt: Sehnen und Bänder heilen schlechter als Bruch

Oft heißt dann, eine Bänderdehnung oder ein Sehnenriss ist schlimmer als ein Bruch. Da ist tatsächlich etwas dran. "Ein Knochen braucht etwa sechs Wochen um zu heilen, eine Sehne etwa das Doppelte, also zwölf Wochen", erklärt Dr. Natalia Gutteck, Fachärztin für Orthopädie und Unfallchirurgie am Uniklinikum Halle.

Computergrafik: anatomischer Aufbau des menschlichen Fußes
Der Fuß ist das Körperteil mit dem kompliziertesten Aufbau. Bildrechte: IMAGO

Noch etwas macht Sehnenverletzungen so kompliziert: "Sie heilt nie wieder so wie vorher. Man hat immer eine Narbe." Und diese kann langfristig Schwierigkeiten bereiten. Bei Sehnen- und Bänderverletzungen braucht man also viel Geduld, Physiotherapie und Training, um wieder fit zu werden. Man ist auch wieder davon abgekommen, jeden Bänderriss zu operieren. "Bei Studien hat sich gezeigt, dass Patienten, die operiert wurden und Patienten, die nicht operiert wurden, einen ähnlich langen Heilungsweg hatten", so Dr. Gutteck.

Plattfuß: gerissene Sehne als Ursache

Wie der Name schon sagt, ist bei einem Plattfuß das Fußgewölbe ganz platt und durchgetreten. Je nach Ausprägung tut dann jeder Schritt weh, weil er beim Gehen nicht mehr richtig abgefedert werden kann. Eine Ursache für die Entstehung eines Plattfußes ist eine geschwächte Sehne. Sie hat eine Art Hebelfunktion und hält das Längsgewölbe zusammen. In leichteren Fällen helfen spezielle Schuheinlagen oder Orthesen. In schwierigen Fällen hilft nur eine Operation, bei der die Sehne gekürzt oder ersetzt wird. Bei diesem Eingriff wird oft auch noch der Knochen mit gerichtet.

Achillessehne: die stärkste Sehne unseres Körpers

Computergrafik: anatomischer Aufbau des menschlichen Fußes
Die Achillissehne ist die Verbindung zwischen Wadenmuskel und Fersenbein. Bildrechte: IMAGO

Die Achillessehne verbindet die Wadenmuskulatur mit dem Fersenbein am Fuß. Sie ist die stärkste Sehne unserer Körpers. Wird sie übermäßig stark oder einseitig belastet, entzündet sie sich, schmerzt und schwillt an. Häufig lagert sich dann rund um die Sehne Flüssigkeit ein, was man bei einer Ultraschalluntersuchung auch sehen kann. Da entzündetes Sehnengewebe durchaus auch zu einem Riss führen kann, sollte die Entzündung gut behandelt werden. Normalerweise ist das mit konservativen Methoden möglich, wie entzündungshemmenden Medikamenten, kühlenden Auflagen, speziellen Schuheinlagen, Physiotherapie und Dehnungsübungen für die Wadenmuskulatur.

Fersensporn: chronisch entzündete Sehnenplatte

Ein Fersensporn kann höllische Schmerzen verursachen. Sie fühlen sich an, als ob man mit der Ferse auf eine Reiszwecke tritt. Die Ursache für den Schmerz ist eine chronisch entzündete Sehnenplatte unter dem Fuß. Sie stützt das Fußgewölbe und schützt die Unterseite vor Verletzungen. Ist sie entzündet, versucht der Körper zum Ausgleich die Auftrittsfläche durch Kalkeinlagerungen zu vergrößern. Ein Fersensporn entsteht. Patienten brauchen häufig viel Geduld und müssen einige Therapien ausprobieren, um Erleichterung zu erfahren. Medikamente lindern die Schmerzen und sind die Basis für die weitere Therapie. Mithilfe einer Einlage im Schuh kann der Fuß wieder ausgerichtet werden. Durch eine weiche Polsterung und eine Aussparung im Fersenbereich kann man den Druck von der schmerzenden Stelle nehmen. Krankengymnastik kräftigt die Fußmuskulatur und löst Verspannungen. In Einzelfällen werden auch Kortisonspritzen und eine Stoßwellentherapie angeraten, um den Schmerzen beizukommen.

Schon gewusst? Bänder und Sehnen sind keineswegs das Gleiche. Sie haben unterschiedliche Funktionen. Bänder verbinden Knochen miteinander und stabilisieren sie. Sehnen dagegen verbinden Knochen und Muskeln und übertragen die Kraft vom Muskel auf die Knochen.

Kleine Fußgymnastik

Mit einer gezielten Gymnastik kann man Fußbeschwerden vorbeugen und sogar seinen Gleichgewichtssinn wieder schärfen. Denn unsere Füße sind über viele kleine Nerven mit unserem Gehirn verbunden. Also raus aus den Schuhen und los geht’s!

Füße schauen auf einem Bett unter der Bettdecke hervor.
Bringen Sie Ihre Füße in Bewegung! Bildrechte: IMAGO

Kreisen
Lassen Sie die Füße im Sitzen kreisen. Jeweils fünf Mal nach links und fünf Mal nach rechts.

Spreizen
Krallen Sie die Zehen erst nach innen und versuchen Sie, sie dann möglichst weit auseinander zu spreizen. Gar nicht so einfach, was? Zehn Mal wiederholen.

Greifen
Legen Sie einen Bleistift auf den Boden und rollen Sie mit der Fußsohle mehrfach hin und her. Probieren Sie, den Stift mit den Zehen zu greifen. Oder klemmen Sie sich den Stift zwischen die Zehen und schreiben Sie damit Ihren Namen.

Rollen
Legen Sie einen Tischtennis- oder Golfball unter die Füße. Lassen Sie den Ball unter der Sohle von der Zehe bis zur Ferse und dann wieder nach vorne rollen.

Reißen
Versuchen Sie eine Zeitung mit Ihren Füßen in kleine Schnipsel zu zerreißen! Dabei kommen nicht nur Ihre Fußmuskeln, sondern wahrscheinlich auch Ihre Lachmuskeln in Bewegung.

Über dieses Thema berichtet "Hauptsache Gesund" MDR FERNSEHEN | 11.05.2017 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Mai 2017, 23:57 Uhr

Operierter Plattfuß
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