Hauptsache Gesund | 14.09.2017 | 21:00 Uhr Gesunder Apfel

Der Apfel ist das Lieblingsobst der Deutschen. Durchschnittlich essen wir 20 Kilogramm davon pro Jahr. Weltweit soll es mehr als 30000 verschiedene Apfelsorten geben, 2000 davon allein in Deutschland. Der Apfel schmeckt nicht nur, er ist auch sehr gesund! Er kann bei Verdauungsproblemen helfen, den Cholesterinspiegel senken und sogar unsere Zellen schützen.

von Beate Splett und Michael Kästner

Ein Apfel besteht zu etwa 85 Prozent aus Wasser. Der zweite große Anteil ist Fruchtzucker, der spendet reichlich Energie. Außerdem enthält der Apfel reichlich Mineralstoffe wie Kalium und Magnesium sowie mehr als 30 verschiedene Vitamine und Spurenelemente. Ca. 70 Prozent der Vitamine stecken in der Schale und im Kerngehäuse. Etwas ist Vorsicht geboten. wenn die Äpfel im Ganzen verspeist werden. Die Kerne enthalten nämlich geringe Mengen Amygdalin, einen Stoff, der im Körper zu giftiger Blausäure umgewandelt wird.

Leidenschaft für Äpfel

Michél Simon-Najasek ist ein sogenannter Pomologe, ein Apfelexperte. Er Hat es sich zum Hobby gemacht, auf seinem Hof bei Obschütz in der Nähe von Weißenfels, Sorten zu kreuzen und Bäume zu veredeln. Er zählt zu den jüngeren Mitgliedern im Pomologen-Verein Sachsen-Anhalt, der sich ganz dem Erhalt und der Pflege von Apfelbäumen verschrieben hat. Besonders beeindruckt ist der Pomologe von der geschmacklichen Vielfalt der Äpfel. Doch er macht sich auch Sorgen, weil es viele alte Sorten, die noch vor einigen Jahrzehnten im Weißenfelser Land heimisch waren, heute hier nicht mehr gibt. In diesem Jahr sieht zudem die Apfelprognose nicht gut aus. Wegen des schlechten Wetters im Frühjahr rechtet Michél Simon-Najasek mit einer eher dürftigen Ernte.

Durchfall oder Verstopfung? Der Apfel kann helfen!

Eine englische Redewendung verspricht: "An apple a day keeps the doctor away". (Ein Apfel am Tag hält den Doktor fern.) Auch wenn nur ein Apfel täglich dafür leider nicht ganz ausreicht, gesund ist er trotzdem! Ein Stoff, der ihn besonders einzigartig macht, ist das Pektin, von dem im Apfel besonders viel enthalten ist. Dabei handelt es sich um einen unverdaulichen Ballaststoff, der gewissermaßen als "Darmputzer" gilt. Aus der Industrie ist Pektin als Geliermittel für Marmeladen bekannt, doch es besitzt viele Eigenschaften, die sich positiv auf die Gesundheit auswirken. Pektin kann Flüssigkeiten und Gifte im Körper binden und so als geriebener Apfel ohne Schale bei Durchfall helfen. Die Schleimhäute werden geschützt und Entzündungen gemildert. Außerdem regt der Ballaststoff durch seine hohe Quellfähigkeit die Darmfunktion an und hilft auf diese Weise auch gegen Verstopfung. Dafür sollten die reifen, rohen Früchte mit Schale gegessen werden. Auch wer abnehmen möchte, sollte regelmäßig Äpfel essen, denn das Pektin sorgt für ein Sättigungsgefühl und stillt über längere Zeit den Hunger.

Wirksamer Zellschutz: Quercetin

Eine junge Frau hält einen Apfel auf ihrem Kopf
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Längst sind nicht alle gesunden Inhaltsstoffe im Apfel erforscht. Ein Stoff, der in letzter Zeit besonders ins Blickfeld der Wissenschaftler geraten ist, ist das Querecetin. Dabei handelt es sich um einen sekundären Pflanzenstoff. Er wirkt antioxidativ und scheint Körperzellen vor Schäden schützen zu können. Ernährungsforscher vom Karlsruher Max-Rubner-Institut haben Probanden Blut abgenommen und die Immunzellen darin künstlich gestresst. Die Zellen wurden deutlich geschädigt. Anschließend mussten die Studienteilnehmer je ein Kilogramm Äpfel essen. Danach wurde erneut Blut genommen und die Zellen wieder mit aggressiven Stoffen gereizt. Das Ergebnis: Die Äpfel haben die Immunzellen vor dem Stress und damit vor Schädigungen geschützt. Noch wissen die Forscher nicht, welche Mechanismen dafür eine Rolle spielen, doch die gesundheitsfördernde Wirkung ist eindeutig nachgewiesen.

Apfel "Santana": Hoffnung für Allergiker?

Apfel
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Etwa zwei Prozent der Bevölkerung leiden an einer Apfel-Allergie. Bei der Apfelsorte "Santana" entdeckte man eher zufällig, dass sie weniger oder gar keine allergischen Reaktionen auslöst. Die Ursachen dafür könnten in seinem hohen Anteil an Polyphenolen stecken. Das fanden japanische Forscher schon vor einigen Jahren heraus. Da die Polyphenole auch für den herben Geschmack verantwortlich sind, wurden sie aus vielen modernen Apfelsorten herausgezüchtet. Deshalb scheinen alte Apfelsorten für Allergiker besser verträglich. "Santana" schmeckt süß-säuerlich, hat aber nur ein schwaches Aroma. Er wurde seit Ende der 1970-er Jahre in den Niederlanden gezüchtet und inzwischen auch in Deutschland angebaut. An der Berliner Charité wird zurzeit gemeinsam mit dem BUND Lemgo erforscht, wie die genaue Wirkung alter Sorten bei Allergikern ist.

Die fünf beliebtesten Apfelsorten

Äpfel der Sorte Elstar an einem Baum
Elstar Dieser Apfel ist klein bis mittelgroß und gilt mit seinem intensiven Aroma als eine der schmackhaftesten Sorten. Er hat eine leuchtend rote Farbe und ist ziemlich bissfest. Bildrechte: IMAGO
Äpfel der Sorte Elstar an einem Baum
Elstar Dieser Apfel ist klein bis mittelgroß und gilt mit seinem intensiven Aroma als eine der schmackhaftesten Sorten. Er hat eine leuchtend rote Farbe und ist ziemlich bissfest. Bildrechte: IMAGO
Äpfel der Sorte Jonagold liegen nebeneinander in einer Stiege
Jonagold Abhängig von seiner Reife ist ein Jonagold-Apfel goldgelb bis rot. Er schmeckt süß-säuerlich und soll besonders gesund sein, da er viel Vitamin C enthält. Bildrechte: IMAGO
Ein Apfel der Sorte Golden Delicious liegt neben einer Apfelhälfte der gleichen Sorte
Golden Delicious Schon der Name deutet auf seine goldgelbe Farbe hin. Golden Delicious ist sehr süß und lässt sich gut lagern. Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Sorte per Zufall in einem Garten in West Virginia in Amerika entdeckt. Bildrechte: IMAGO
Äpfel der Sorte Granny Smith
Granny Smith Der Australier schmeckt ganz besonders sauer. Er hat eine grüne Schale und weißes Fruchtfleisch. Bildrechte: IMAGO
Äpfel der Sorte Boskoop an einem Baum
Boskoop Sein Name deutet auf den Fundort hin: Er wurde erstmals in der Nähe des niederländischen Ortes Boskoop entdeckt. Der Boskoop hat ein festes Fruchtfleisch und schmeckt fruchtig-sauer. Gut gekühlt kann er lange gelagert werden. Bildrechte: IMAGO
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Gesunde Apfelrezepte

Getrocknete Apfelringe gegen hohes Cholesterin
Äpfel können sogar den Cholesterinspiegel senken. Dafür müssen sie nicht einmal frisch sein. Der Inhaltsstoff Pektin bindet Gallensäure, wodurch die Leber angeregt wird, mehr Gallensäure aus körpereigenem Cholesterin zu bilden, was den Cholesterinspiegel im Blut senkt. Das konnte sogar in Studien mit Apfelringen nachgewiesen werden.

So geht’s: Das Kerngehäuse vom Apfel entfernen. Anschließend ca.  fünf Millimeter dicke Scheiben schneiden. Die Apfelringe in Wasser mit ein paar Spritzern Zitronensaft kurz eintauchen, das verhindert später eine braune Verfärbung. Dann die Ringe auf einem Backblech etwa vier bis fünf Stunden bei 50 Grad Umluft im Herd trocknen. Kühl und trocken lagern, dann sind die Apfelringe über mehrere Wochen haltbar.

Küchenmesser und geschälter Apfel
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Apfelschalentee gegen Blasenentzündungen, Fieber und Rheuma
Apfelsäure kann Harnsäure im Körper auflösen und so unterstützend gegen Gicht und Rheuma helfen. Außerdem kann der Apfel als Tee Fieber senken und Entzündungen reduzieren.

So geht´s: Die Äpfel dünn schälen und die Schalen an der Luft trocknen lassen. 50 Gramm getrocknete Schale in einem Liter Wasser aufkochen und eine Viertelstunde ziehen lassen. Der Tee sollte über den Tag verteilt getrunken werden.

Apfelessig für ein starkes Immunsystem
Auch im Apfelessig sind viele der wertvollen Inhaltsstoffe enthalten. Er kann bei einem schwachen Immunsystem unterstützen. Dazu zwei Teelöffel Essig mit etwas Honig verrühren und in 150 Milliliter warmem Wasser auflösen. In kleinen Schlucken am besten noch vor dem Frühstück trinken. Das reguliert die Funktion des Darms und bringt ganz nebenbei das Immunsystem in Schwung.

Drei-Tage-Apfelkur
Sie zählt zu den klassischen Methoden der Naturheilkunde, denn sie stärkt auf natürliche Weise Herz und Nerven und hält den Darm gesund. Dazu sollte man drei Tage lang jeweils acht bis zehn reife, ungeschälte Äpfel essen. Je stärker die Bissen zerkaut werden, umso wirksamer ist die Kur.

Dieses Quiz steht im Moment nicht zur Verfügung.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 14. September 2017 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. September 2017, 06:54 Uhr

Geschnittene Äpfel liegen auf einem Teller.
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Grafik: Apfel
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