Prof. Dr. Christoph Baerwald, Rheumatologe, Uniklinik Leipzig
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Hauptsache Gesund | 21.09.2017 | 21:00 Uhr Mit verschiedenen Therapiekonzepten gegen die Gicht

Professor Christoph Baerwald ist Rheumatologe am Uniklinikum Leipzig. In einem Interview für Hauptsache Gesund erklärt er, welche Medikamente gegen die Gicht eingesetzt werden.

Prof. Dr. Christoph Baerwald, Rheumatologe, Uniklinik Leipzig
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Wovon hängt die Behandlung einer Gicht ab?

Wir unterscheiden zwischen dem akuten Gichtanfall und der chronischen Gicht.  Beim akuten Anfall steht die Schmerz- und Entzündungshemmung im Vordergrund. Wir haben verschiedene Medikamente, die das schnell in den Griff kriegen. Wenn diese Anfälle häufiger auftreten, dann muss die chronische Gicht behandelt werden. Die Harnsäure, die im Blut erhöht ist, muss gesenkt werden.

Mit welchen Medikamenten wird das erreicht?

Klassischerweise wird zur Harnsäuresenkung Allopurinol genommen, was bei vielen Patienten ausreicht. Allerdings muss man es genügend dosieren. Die Harnsäurespiegel müssen unterhalb des sogenannten Löslichkeitsproduktes im Blut sein, damit sich die Gichtknoten wieder auflösen können und die Harnsäure über die Niere ausgeschieden wird. Dazu muss man die Dosis von Allopurinol zum Teil erhöhen, was nicht immer erfolgt.

Gibt es bei der Verschreibung von Allopurinol Einschränkungen?

Bei einer eingeschränkten Nierenfunktion darf man Allopurinol nicht nehmen. Außerdem kann es bei manchen Menschen eine Allergie auslösen, die sehr schwerwiegend sein kann. Deswegen muss die Therapie immer überwacht werden.

Welche Alternativen gibt es?

Es gibt zum Beispiel den Arzneistoff Febuxostat. Der hat sogar noch einen besseren Effekt auf die Harnsäuresenkung und kann auch bei einer eingeschränkten Nierenfunktion genommen werden. Außerdem haben wir mittlerweile noch ein anderes Therapieprinzip zur Verfügung, was man in Kombination mit Allopurinol oder Febuxostat nehmen kann.

Welche neue Therapiemöglichkeit ist das?

Das ist eine Therapie, die den Harnsäuretransport beeinflusst. In der Niere reguliert ein Transporter den Harnsäureaustausch zwischen Blut und Urin. Ein neues Medikament – Lesinurad – beeinflusst den Transporter so, dass die Harnsäure aus dem Blut in den Urin transportiert wird und sie nicht wieder zurück ins Blut gelangt.

Kann man die Gicht auch ganz ohne Medikamente loswerden?

Das kann man nur, wenn man es schafft, den Harnsäurespiegel allein über die Ernährung in den Zielbereich zu bekommen. Das gelingt allerdings nur in den seltensten Fällen. Alle anderen brauchen eine medikamentöse Therapie und das ein Leben lang.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 21. September 2017 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. September 2017, 09:00 Uhr