Die Hände eines Augenchirugen nähern sich mit medizinischen Instrumenten einem Auge.
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Hauptsache Gesund | 15.12.2016 | 21:00 Uhr Drainage gegen den Grünen Star

Die Hände eines Augenchirugen nähern sich mit medizinischen Instrumenten einem Auge.
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Am Grünen Star leiden allein in Deutschland zwischen einer halben und einer Million Menschen. Das Glaukom, wie der wissenschaftliche Name der Krankheit lautet, ist ein Sammelbegriff ist für verschiedene Augenerkrankungen, die im Wesentlichen durch einen erhöhten Augeninnendruck hervorgerufen werden und alle eine Schädigung der Sehnervenfasern zur Folge haben. Die Krankheit lässt das Gesichtsfeld zunehmend kleiner werden und führt oft zur Blindheit. Der Grüne Star ist sogar die häufigste Ursache für eine Erblindung in der ganzen westlichen Welt.

Drainage statt OP und Tropfen

der Augenexperte Prof. Dr. med. Lutz E. Pillunat
Der Augenexperte Prof. Dr. med. Lutz E. Pillunat Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Professor Lutz Pillunat von der Uniklinik in Dresden ist Experte auf dem Gebiet der Augenerkrankungen. Das Glaukom ist gewissermaßen sein "Steckenpferd". Bisher behandelte man die Patienten mit Augentropfen, die jedoch schwer einzuträufeln sind und oft unangenehm brennen. Bei den Operationen kommen vor allem Laserverfahren und sogenannte Fistulationsoperationen, bei denen eine Fistel angelegt wird, zur Anwendung. Beide Methoden dienen der Regulierung des Kammerwassers, bringen jedoch meist nur eine vorübergehende Linderung. Deshalb setzt Professor Pillunat seinen Glaukom-Patienten regelmäßig sogenannte Drainage-Implantate ein. "Hier geht es in der Regel um Patienten, die schon mehrere operative Eingriffe hinter sich haben, die nicht zu dem Ergebnis geführt haben, dass der Augendruck gut reguliert ist."

Die Funktionsweise

Der zu hohe Augeninnendruck ist eine Hauptursache für das Glaukom. Hintergrund ist, dass bei den Betroffenen das Augenkammerwasser nicht ordnungsgemäß abläuft und damit vielfältige Komplikationen verbunden sind.  Das überschüssige Wasser muss abgeleitet werden. Also wird eine Drainage zur Entwässerung gelegt. Dazu wird ein Silikonkissen in der Größe eines Zwei-Cent-Stücks am Augapfel befestigt und ein Röhrchen in die vordere Augenkammer eingeführt. In diesem Röhrchen befindet sich ein Ventil. Darüber kann das überschüssige Augenwasser aus dem Inneren kontrolliert abgelassen werden.  Über das Silikonkissen wird es schließlich in den Blutkreislauf abgeleitet, wo es keinerlei Schaden anrichtet.

Die Operation

ein Drainage-Implantat an einem Auge
Das Drainage-Implantat reguliert das Kammerwasser, das für den zu hohen Augeninnendruck verantwortlich ist. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Unter örtlicher Betäubung ist der Eingriff nicht durchführbar, denn das Auge muss beim Einsetzen des Implantates millimetergenau justierbar sein. Darum erfolgt die Implantation unter Vollnarkose in einer ca. einstündigen Operation.  Professor  Pillunat muss dabei mikrochirurgische Feinarbeit leisten: "Man muss bei diesem vergleichsweise großen Implantat genau darauf achten, dass es zwischen die Augenmuskeln kommt. Wenn man zu weit auf die eine oder andere Seite rutscht, dann kommt man in Kollision mit den Augenmuskeln." Denn schließlich soll der Patient nach der OP nichts von der Drainage-Vorrichtung merken. Auch von den winzig kleinen bleibenden Nähten am Auge soll er nichts spüren.

Die Vorsorge

Augenärzte raten Menschen über 40 zu einer Glaukom-Vorsorgeuntersuchung, vor allem, wenn eine familiäre Vorbelastung vorliegt. Wenn also nahe Verwandte am Glaukom erkrankt sind, sollte man alle zwei Jahre zur Vorsorgeuntersuchung. Zudem sind Menschen mit Durchblutungsstörungen, Diabetes, Migräne und Schlafapnoe einem höheren Risiko ausgesetzt, ein Glaukom zu bekommen. Sie sollten sich ebenfalls regelmäßig untersuchen lassen. Der Augenarzt misst dabei den Augeninnendruck und schaut sich den Sehnerv an. Die Untersuchung selbst ist schmerzfrei und schnell gemacht. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen diese Untersuchung allerdings nicht. Die Kosten liegen bei rund 20 Euro. Wird ein Glaukom diagnostiziert, dann übernimmt die Krankenkasse ab diesem Zeitpunkt alle weiteren Standarduntersuchungen und Behandlungen.

Zuletzt aktualisiert: 16. Dezember 2016, 09:20 Uhr

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